So arbeitet die Polizei gegen Betrugsbanden

Wie die Polizei in Trier Telefonbetrüger aufspürt: Ein Ermittler erzählt

Der Polizist Sebastian Bach war an der Zerschlagung eines Callcenters in Polen beteiligt. Hier gibt er Einblicke in seine Arbeit und erklärt, warum die Täter schwer zu fassen sind.

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Von Autor/in Martin Schmitt

Kriminaloberkommissar Sebastian Bach kann sich noch gut an diesen Tag Ende September vergangenen Jahres erinnern: Damals wurde in der polnischen Hauptstadt Warschau ein betrügerisches Callcenter auf frischer Tat zerschlagen.

Nur einen Tag später saß der Trierer Ermittler im frühen Morgenflieger nach Warschau. Gemeinsam mit seinen Kollegen übergab er den polnischen Behörden einen Aktenordner voller Beweise - jene Hinweise, die den Zugriff überhaupt erst möglich gemacht hatten.

Wie die Polizei in Trier Telefon-Betrüger aufspürt: Ein Ermittler erzählt: Bei der Kripo Trier hat man sich darauf spezialisiert, Telefonbetrügern das Handwerk zu legen.
Bei der Kripo Trier hat man sich darauf spezialisiert, Telefonbetrügern das Handwerk zu legen.

Empfindlicher Schlag gegen Telefonbetrüger

"Der Arbeitsplatz dieses Callcenters bestand aus einem MacBook und mehreren günstigen Tastenhandys", erinnert sich Bach. Mehr brauchte es nicht, um mit zahlreichen Schockanrufen Menschen in Deutschland zu verunsichern. Bach und sein Team hatten zuvor nachgewiesen, dass von dem Warschauer Gebäude aus genau solche Anrufe gestartet wurden.

Zwei Tatverdächtige wurden vor Ort in Warschau festgenommen, eine dritte Person bei einer geplanten Geldübergabe in Baden-Württemberg.

Wie die Polizei in Trier Telefon-Betrüger aufspürt: Ein Ermittler erzählt: Im September 2025 wurde in Warschau ein Callcenter zerschlagen. Zwei Tatverdächtige wurden festgenommen. Die Festnahme gelang in enger Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei Trier.
Im September 2025 wurde in Warschau ein Callcenter zerschlagen. Zwei Tatverdächtige wurden festgenommen. Die Festnahme gelang in enger Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei Trier. Polizei Trier / Polizei Polen

Das war das, worauf man immer hinarbeitet: Die Täter in ihren eigenen Wohnungen zur Rechenschaft zu ziehen.

Für Ermittler Bach, der seit 2019 in diesem Bereich ermittelt, war es ein besonderer Moment: "Das war das, worauf man immer hinarbeitet: Die Täter in ihren eigenen Wohnungen im Ausland wegen Straftaten in Deutschland zur Rechenschaft zu ziehen. Das sind schon empfindliche Schläge gegen die Täter." Nach der Zerschlagung des Callcenters in Polen gingen die Betrugsanrufe tatsächlich spürbar zurück.

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Diese Lagen sind hochdynamisch.

Ermittlungen für Polizei ein Wettlauf mit der Zeit

Die Ermittlungen gegen Callcenter-Betrüger sind für die Beamten oft ein Wettlauf mit der Zeit. Anrufwellen tauchen plötzlich an einem Ort auf - und verschwinden genauso schnell wieder: "Diese Lagen sind hochdynamisch. Wenn wir feststellen, dass im Raum Trier Anrufwellen auftreten, sind die oft ganz schnell wieder in Wittlich, Koblenz oder in einem anderen Bundesland. Und man kann sich vorstellen, dass es noch mal komplizierter wird, wenn ausländische Stellen betroffen sind."

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Minimaler Aufwand, maximaler Schaden

Es sind nicht immer die großen Callcenter mit zahlreichen Mitarbeitenden, die hinter den Betrugsanrufen stehen, sagt Bach. Gerade bei den Schockanrufen seien es oft einfach eingerichtete "Arbeitsplätze", erklärt er: "Da steht ein guter Rechner, dazu zwei Handys und vielleicht zwei Personen. Die machen Hunderte, manchmal Tausende Anrufe pro Woche - fast alle ohne Erfolg."

Aber in wenigen Fällen klappt es eben doch. "Und über diese Fälle reden wir immer, weil die Folgen so dramatisch sind."

Täter sitzen oft im Ausland

Die Täter sitzen fast immer im Ausland - und genau das macht die Ermittlungen so aufwendig. "Um dort zu ermitteln, brauchen wir Ansprechpartner vor Ort", erklärt Bach. Er könne nicht einfach bei den Behörden in Polen anrufen und um Unterstützung bitten. Die internationale Zusammenarbeit läuft über festgelegte Strukturen, etwa über das LKA Berlin, das im vergangenen Jahr den Kontakt zur Warschauer Polizei herstellte.

Bei jedem noch so kleinen Anruf sollte die Polizei schnell informiert werden.

Doch bevor Bach und seine Kollegen überhaupt aktiv werden können, müssen sie erst einmal mitbekommen, dass solche Schockanrufe laufen. "Wir müssen von dieser Tat oder der Anrufwelle wissen. Bei jedem noch so kleinen Anruf sollte die Polizei schnell informiert werden. Nur dann können wir reagieren - und wir reagieren dann auch schnell."

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Was die Polizei darf - und was nicht

Die Kripo Trier hat sich darauf spezialisiert, Telefonbetrügern das Handwerk zu legen. "Wir versuchen, auch innovative Ermittlungs­methoden anzuwenden", sagt Bach. Wie genau die Ermittlungen ablaufen, möchte er jedoch nicht im Detail verraten. Nur so viel: "Was wir dürfen, richtet sich nach der Strafprozessordnung. Und Sie können sicher sein: Jede Maßnahme, die wir anwenden dürfen, nutzen wir auch."

Natürlich hören wir diese Telefonate ab.

Gehört dazu auch das Abhören von Telefonaten? "Natürlich hören wir diese Telefonate ab", sagt Bach. "Das dürfen wir, wenn ein entsprechender Tatverdacht vorliegt und ein richterlicher Beschluss vorliegt."

Feste Hierarchien in den Betrugsnetzwerken

Die Telefonbetrüger-Banden sind oft streng organisiert - fast wie in einem großen Konzern: "Es gibt die 'Keiler' - das sind die, die sprechen und telefonieren. Darunter gibt es die Logistiker. Sie sind das Bindeglied zwischen den Anrufern und den Abholern: Sie legen fest, wann die Abholer wo sein sollen, rekrutieren neue Leute und kümmern sich darum, dass erbeutetes Geld außer Landes gebracht wird."

Die unterste Ebene bilden laut Bach die Abholer oder Läufer. Sie übernehmen die riskantesten Aufgaben - häufig als eine Art Bewährungsprobe innerhalb der Gruppe. Wer einmal festgenommen wurde und mit Bewährung davonkommt, steigt in der internen Hierarchie auf, so der Ermittler.

Niemand packt aus

Gerade in den unteren Ebenen sei die Verschwiegenheit groß: "Da packt niemand aus. Jeder hatte immer nur den Auftrag, er sei Bote und wolle nur ein Päckchen abholen."

Genau deshalb seien Zugriffe wie der in Warschau im September vergangenen Jahres aus Sicht des Trierer Ermittlers so wichtig: "Niemand sollte sich - auch nicht im Ausland - vor dem Zugriff der Polizei sicher fühlen."

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Martin Schmitt
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