Call-Center-Betrüger haben im vergangenen Jahr allein in der Region Trier einen Schaden von knapp zwei Millionen Euro verursacht. Das teilte das Polizeipräsidium auf SWR‑Anfrage mit. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um rund zehn Prozent. Zu den Call-Center-Betrugsmaschen gehören Schockanrufe, falsche Polizeibeamte oder der Enkeltrick. Eine entscheidende Rolle spielen dabei die Läufer oder Geldabholer - sie sammeln das Bargeld an der Haustür der Opfer ein und bringen es ins Ausland.
Der Trierer Anwalt Otmar Schaffarczyk hat bereits zahlreiche Mandanten vertreten, die an Betrugsmaschen wie dem Enkeltrick beteiligt waren.
SWR Aktuell: Was sind das für Menschen, die Sie in Enkeltrick-Fällen verteidigen?
Otmar Schaffarczyk: Das sind meist die sogenannten Läufer, die von professionellen Banden angeworben werden. Dabei handelt es sich häufig um Täter aus osteuropäischen Ländern wie Rumänien oder Bulgarien, teilweise auch aus den Niederlanden. Diese reisen kurzfristig nach Deutschland, holen das Geld oder die Wertsachen ab und verschwinden danach wieder.
Den Hintermännern ist es völlig egal, ob diese Läufer im Gefängnis landen oder verhaftet werden.
Die Hauptakteure sind sehr gut organisiert und bleiben anonym, während die Läufer oft nur kleine Räder im großen Getriebe sind. Es handelt sich meist um arme Menschen, die vorgeschickt werden.
Den Hintermännern ist es völlig egal, ob diese Läufer im Gefängnis landen oder verhaftet werden - das ist für sie nur "Schwund" und Schwund wird in Kauf genommen.
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Michael S. aus dem Kreis Kusel ist auf Betrüger hereingefallen und hat in Idar-Oberstein viel Geld verloren. Der Fall zeigt, warum sich niemand in Sicherheit wiegen sollte.
SWR Aktuell: Wie werden diese Menschen zu Tätern? Welche Motivation steckt dahinter?
Schaffarczyk: Es ist vor allem die Gier nach Geld, die diese Menschen antreibt. Die Täter erbeuten mit diesen Enkeltricks enorme Summen.
Viele der Läufer stammen aus sozial schwachen Verhältnissen, leben am Rande der Gesellschaft und sehen in diesen kriminellen Aktivitäten die Möglichkeit, schnell Geld zu verdienen.
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SWR Aktuell: Wie werden diese Menschen angeworben?
Schaffarczyk: Die Banden sprechen ihre Läufer meist über persönliche Kontakte an - oft kennen die sich auch aus demselben Ort. Nach dem Motto: "Der eine kennt den, der andere kennt den." So lassen sich einige dazu überreden, mit kleinen "Gefälligkeiten" Geld zu verdienen - nichtsahnend, dass da auch hohe Strafen drohen.
Von der Beute müssen sie den Großteil abgeben und erhalten für ihre Tätigkeit 300 bis 500 Euro als 'Kurierlohn'.
Hinter den Taten stecken meist mehrere Personen - etwa diejenigen, die die Anrufe übernehmen, oft in akzentfreiem Deutsch. Die Läufer leben oft auf Sozialhilfeniveau und werden dann zu den Opfern geschickt, um Wertsachen wie Schmuck, Juwelen oder Gold abzuholen.
Von der Beute müssen sie den Großteil abgeben und erhalten für ihre Tätigkeit 300 bis 500 Euro als "Kurierlohn". Für diese Menschen ist das viel Geld. Sie werden vorgeschickt, damit die eigentlichen Organisatoren im Hintergrund bleiben und nicht in Erscheinung treten.
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SWR Aktuell: Ist den Läufern oder Geldabholern denn bewusst, dass sie etwas Illegales tun?
Schaffarczyk: In der Regel wissen sie genau, dass sie etwas Illegales tun. Da ist keiner gutgläubig. Die Täter wissen, dass sie das kleinste Rad in diesem System sind und dass sie ihre Einnahmen abgeben müssen.
Oft werden sie auch mit dem Handy von den Hintermännern überwacht: Sie müssen sich nach der Geldübergabe sofort per Handy melden und verschwinden dann schnell.
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Betrüger haben einen Mann aus Idar-Oberstein um Gegenstände im Wert von mehr als einer Million Euro gebracht. Sie haben einen Unfall vorgespielt.
SWR Aktuell: Das klingt nach wirklich hochprofessionelle Strukturen.
Schaffarczyk: Ja, absolut. Die Läufer sind oft sehr erfahren und ihre Vorgehensweise wird in der Regel zuvor geübt. Sie werden darauf trainiert, sich an der Tür der Opfer entsprechend zu verhalten und überzeugend aufzutreten. Es ist ja nicht so einfach, jemandem etwas vorzugaukeln und die Täter müssen in solchen Situationen geschult sein.
Es handelt sich um hochprofessionelle Banden, die gezielt nach Deutschland einreisen, ihre Taten begehen und danach sofort wieder verschwinden.
SWR Aktuell: Hatten Sie in Ihrer Laufbahn auch schon die Hintermänner vertreten oder werden diese nur selten gefasst?
Schaffarczyk: Die Anrufer werden hin und wieder dingfest gemacht, wenn es der Staatsanwaltschaft oder dem Gericht gelingt, einen dieser Läufer zum Reden zu bringen. Doch das ist sehr schwierig.
In solchen Kreisen herrscht ein starker Zusammenhalt und die "Ganoven-Ehre" wird hochgehalten. Über die Hintermänner wird daher selten gesprochen.