Was jetzt beschlossen wurde
Die Stadt hat erstmals genau festgelegt, wo künftig Windräder stehen dürfen.Vorgesehen sind sechs Gebiete am Rand der Stadt, die zusammen über 100 Hektar groß sind.
Mit dem Beschluss orientiert sich Trier an den Vorgaben des rheinland-pfälzischen Windenergiegesetzes. Rheinland-Pfalz muss bis Ende 2027 mindestens 1,4 Prozent seiner Landesfläche und bis Ende 2030 mindestens 2,2 Prozent für Windkraft ausweisen.
Diese Pflicht gilt für das Land und die Region, nicht für einzelne Kommunen. Wenn Trier jedoch zu wenig Fläche einplant und die regionalen Ziele dadurch schwerer zu erreichen sind, könnte die Stadt später weniger Einfluss darauf haben, wo neue Windräder gebaut werden dürfen.
Wo die Windräder bald stehen könnten
Die Gebiete sind Wetterborn bei Euren mit Wald- und Wiesenflächen, Stahlem und Herresthal Südwest bei Zewen im Hospitienwald, der Schellberg bei Tarforst mit teilweise landwirtschaftlich genutzten Flächen sowie die beiden Waldgebiete Steigenberg und Balmet oberhalb von Ehrang und Pfalzel. Laut Stadt könnten dort mittelfristig über ein Dutzend Windräder errichtet werden.
Warum es Kritik an den Windrädern gibt
Mehrere Bürgerinitiativen hatten sich im Vorfeld gegen die Pläne gewehrt – vor allem, weil viele der Windräder in Wäldern stehen würden. Sie befürchten Waldrodung, Eingriffe in Natur und Landschaft und warnen vor Schäden für Tierarten wie Fledermäuse oder Rotmilane.
Hans Ripp von der Bürgerinitiative Euren-Herresthal, der seit über 50 Jahren am Eurener Wald lebt, sagt: "Ich erkläre ausdrücklich, dass niemand von uns irgendetwas gegen regenerative Energiegewinnung hat, dass niemand etwas gegen Windkraft hat. Uns geht es ausschließlich darum: Bitte keine solchen Windkraftanlagen in den Eurener Wald."
Er warnt vor großflächigen Rodungen und weist auf die Dimension der geplanten Anlagen hin, die aus seiner Sicht mit bis zu 270 Metern Höhe das Stadtbild und den Tourismus massiv beeinträchtigen würden. Auch wirtschaftlich sieht er ein Ungleichgewicht: "Vom Bau der Anlagen profitieren nur drei Parteien: die Vereinigten Hospitien, die Stadt Trier und die Betreiber. Der Rest wird darunter leiden."
Auch Johann Berg kämpft für den Eurener Wald. Aus seiner Sicht ist es erstaunlich, dass erste Bauanträge im Umfeld der Hospitien bereits vorbereitet oder gestellt wurden, obwohl der Flächennutzungsplan noch nicht beschlossen war.
Besonders kritisch bewertet er die personellen Überschneidungen zwischen Stadtspitze, Stadtratsmitgliedern und dem Waldeigentümer Vereinigte Hospitien: "Verwaltungsratsvorsitzender der Vereinigten Hospitien ist Herr Oberbürgermeister Wolfram Leibe, sein Stellvertreter ist der Bischof Ackermann. Verwaltungsdirektor der Vereinten Hospitien ist Tobias Reiland. Er war früher persönlicher Verwaltungsreferent von Leibe", sagt Berg. Er befürchtet, dass diese Verbindungen politischen Einfluss ermöglichen könnten.
Wie die Politik zur Windkraft in Trier steht
Im Stadtrat unterstützten fast alle großen Fraktionen den Plan – SPD, CDU, Grüne und FDP. Sie wollen damit den Ausbau der erneuerbaren Energien voranbringen.
Nur wenige Politiker sehen das anders: Die Freien Wähler fordern mehr Rücksicht auf Anwohner und Wald. Die Fraktion "Die Demokraten", um den ehemaligen AfD Landesvorsitzenden Michael Frisch, lehnt die Pläne komplett ab.
Der Stadtrat stimmte zudem dem Vorschlag zu, den Ortsbeiräten ein stärkeres Mitspracherecht bei der Planung neuer Windkraftflächen einzuräumen. Die Mitglieder betonten, dass Entscheidungen dieser Größenordnung nur dann auf Akzeptanz stoßen können, wenn die betroffenen Stadt- und Ortsteile frühzeitig eingebunden werden. Durch die erweiterte Beteiligung sollen Konflikte vor Ort vermindert und mehr Transparenz im Planungsverfahren erreicht werden.
Wie es nach dem Beschluss weitergeht
Mit der Zustimmung des Stadtrats liegt der Plan nun zur Prüfung bei der Aufsichtsbehörde SGD Nord. Die Genehmigung könnte Anfang 2026 erfolgen. Erst danach dürfen konkrete Bauanträge gestellt werden. Gebaut wird also noch nicht sofort – jedes einzelne Windrad braucht später eine eigene Genehmigung.
Neues Angebot des SWR Studios Trier Nachrichten aus der Region Trier jetzt auf WhatsApp lesen
Das SWR Studio Trier ist jetzt auch auf dem Messenger-Dienst WhatsApp aktiv. Dort finden Sie regionale Nachrichten von Mosel und Saar, aus der Eifel, Hunsrück und Hochwald.
Erneuerbare Energien sind auch Thema im Landtag
Auch landesweit ist das Thema diese Woche ein Streitpunkt: Am Donnerstag berät der rheinland-pfälzische Landtag über neue Vorgaben, also wie viele Windkraftflächen jede Region ausweisen muss. Für die Region Trier soll der Anteil höher liegen als im Landesdurchschnitt – 2,45 statt 2,2 Prozent. Grund ist, dass eine landesweite Potenzialanalyse gezeigt hat, dass dort überdurchschnittlich viel geeignete Fläche für Windenergie vorhanden ist.