Ein Film über einen miesen Chef hat kürzlich Hunderttausende Deutsche ins Kino gelockt. Bei "Stromberg - Alles wie immer" geht es um Bernd Stromberg, einen Horror-Vorgesetzten, der Mitarbeiter mobbt, nach oben schleimt und nach unten tritt.
Die fiese Führungskraft ist natürlich ein Klischee. Eine neue Studie der beiden Trierer Ökonomen Uwe Jirhahn und Mehrzad Baktash belegt jetzt aber, dass etwas dran ist. Professor Jirjahn sagt: "Typen wie Stromberg gibt es auch in der Realität."
"Vielen Chefs ist Macht, Geld und Status wichtig"
Uwe Jirjahn findet, Bernd Stromberg hat "machiavellistische" Züge: "Wer machiavellistisch ist, hat ein starkes Bedürfnis nach Status, Macht und Geld und ist bereit, die Moral beiseite zu schieben, um seine Ziele zu erreichen."
Der Begriff stammt aus der Psychologie und geht auf den italienischen Philosophen Niccolò Machiavelli zurück. Sein berühmtestes Werk "Der Fürst" von 1513 ist eine Art Ratgeber für Herrscher. Darin schreibt er sinngemäß: Wer seine Macht erhalten will, darf ruhig lügen, betrügen, täuschen, schmeicheln und drohen.
Wer lügt und betrügt, steigt eher auf
In Chefetagen sei ein solches Verhalten auch heute noch verbreitet, sagt der Ökonom Uwe Jirjahn. Denn es führe häufig zum Erfolg. Das haben Jirjahn und sein Kollege Baktash bei der Auswertung eines großen Datensatzes nachgewiesen.
8.500 Menschen aus ganz Deutschland wurden befragt. Sie mussten zum Beispiel angeben, ob sie in letzter Zeit gelogen oder betrogen haben, um ihre Ziele zu erreichen. Insgesamt kam heraus, dass sogenannte Machiavellisten mit einer 31 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit Chefin oder Chef werden, als Menschen, die diese Eigenschaften nicht mitbringen.
Manipulation kann zum beruflichen Erfolg führen
Wichtig ist Uwe Jirjahn zu sagen: Nicht jeder Vorgesetzte ist ein skrupelloser Machtmensch. Offenbar hilft dieses Verhalten manchen aber dabei, die Karriereleiter hinaufzusteigen.
Der Trierer Ökonomen erklärt sich das so: Wer in einem Unternehmen befördert werden will, muss sich einem Wettbewerb stellen. Und diesen Wettbewerb gewinnt nicht zwangsläufig der, der am fleißigsten ist: "Ich kann auch meine Kollegen sabotieren, um voranzukommen, oder mich bei meinem Vorgesetzten einschmeicheln."
"Teams können manipulative Chefs entlarven"
Trotzdem: Die Trierer Mentorin Kerstin Seidel rät Führungskräften in ihren Seminaren davon ab, sich derart manipulativ zu verhalten. Denn sie sagt: Wer so mit seinen Mitarbeitenden umgeht, ist ein schlechter Chef – und schadet seiner Firma. Denn Studien belegen immer wieder: Viele Menschen sind unzufrieden mit ihren Vorgesetzten und das wirkt sich auf die Motivation aus.
"Eine Weile können sich diese Leute verstellen, aber irgendwann werden sie von ihren Teams entlarvt", meint Seidel: "Menschen arbeiten lieber für ehrliche Kollegen." Und Führungskräfte könnten es sich heute weniger denn je erlauben, gute Leute zu verlieren: "Die Fachkräfte wachsen eben nicht auf den Bäumen."
Trierer Mentorin: Trendwende ist erkennbar
Deshalb glaubt Seidel auch an eine Trendwende. Sie prognostiziert, dass es künftig weniger Machiavellisten in Chefsessel schaffen werden als in der Vergangenheit. Auch, weil die jüngere Generation von Chefinnen und Chefs, mit denen sie in ihren Seminaren arbeitet, einen anderen Führungsstil bevorzuge - kollegial, auf Augenhöhe.
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Und genau darin sieht sie auch die Zukunft im Management: "Eine erfolgreiche Führungskraft ist für mich jemand, der echtes Interesse an den Mitarbeitenden zeigt und sie gemäß ihrer Stärken wachsen lässt."
Doch wie sollen Firmen solche Führungskräfte finden? Und wie lässt sich vermeiden, dass sie doch die Falschen einstellen oder befördern? Kerstin Seidel schlägt Persönlichkeitstests für Bewerber vor, die Charaktereigenschaften wie Egoismus und Teamfähigkeit abfragen.
Sind Frauen die ehrlicheren Führungskräfte?
Der Arbeitsökonom Uwe Jirjahn von der Universität Trier hat noch weitere Empfehlungen für Unternehmen: Die Boni für Managerinnen und Manager zu kürzen zum Beispiel und Betriebsräte stärker als Kontrollorgane einzubinden. Für ihn wäre es sogar denkbar, Posten per Losverfahren zu vergeben.
Was auch helfen könnte: mehr Frauen einstellen. Denn die neigen grundsätzlich weniger zum Machiavellismus als Männer, sagt der Wissenschaftler. Ob das auch für Frauen in der Chefetage gilt, wollen die Trierer Ökonomen nun in einer zweiten Studie überprüfen.