Wenn Manuel Schulz durch den Birresborner Wald stapft, Äste unter seinen Füßen knacken und er sich den Weg durch das Unterholz bahnen muss, dann ist er in seinem Element. Und er macht einen wichtigen Job.
Der Forstwirt ist nämlich auf der Suche nach dem Borkenkäfer, der Fichten im Wald befällt: "Ich war da die letzten Tage etwas erfolglos, aber es ist ja auch irgendwie ein Erfolg, wenn man keine Käferbäume findet. Misserfolg ist bei uns Erfolg."
Der Job tut mir sehr gut und macht riesig Spaß.
Schulz freut sich, wenn er keinen solcher Bäume sieht, plötzlich wird er aber doch fündig. Der Baum ist abgestorben, die Fichtenkrone hat keine einzige Nadel mehr. Der Borkenkäfer hat kleine Löcher im Holz hinterlassen.
Damit von dort die Brut nicht ausschwärmt und weitere Bäume zerfrisst, muss Schulz den Baum markieren, damit er möglichst schnell gefällt und abtransportiert werden kann. Das ist eine von vielen wichtigen Aufgaben in seinem Job. Und mit dem ist er: "Mega glücklich. Hier in der Natur, in dieser Landschaft zu arbeiten. Es tut mir einfach sehr gut und es macht riesig Spaß."
Neue Heimat - neuer Job
Dabei hat Schulz das nicht immer gemacht. Er kommt nicht vom Land, sondern aus der Großstadt Hannover. Eigentlich ist er auch gar kein Forstwirt, sondern Gemüsegärtner. Aber schon lange wollte er aufs Land. Als sein bester Freund mit seiner Familie in die Eifel zog, kam Schulz einfach mit.
In der neuen Heimat ist er dann auf die Ausschreibung des Forstzweckverbands Gerolsteiner Land für die Stelle eines Forstwirts gestoßen: "Das hat mich direkt angesprochen, weil ich genau der Typ dafür bin, im Wald zu arbeiten."
Das macht nicht nur Manuel Schulz froh, sondern auch David Klett. Er ist im Forstamt Gerolstein Revierleiter für Birresborn und damit für Gemeinde- und Privatwälder zuständig. Bisher musste er all die Arbeit allein stemmen oder die Aufgaben im Wald an Unternehmen vergeben.
Dass Manuel Schulz nun tatkräftig im Wald unterwegs ist, freut Klett: "Er ist sehr motiviert, hat unfassbar großen Spaß an dem Beruf. Er ist gern in der Natur, das ist für mich ein gutes Zeichen."
Viele offene Stellen bei den Landesforsten
Denn Menschen wie Schulz sind rar in Rheinland-Pfalz. Die Landesforsten haben aktuell viele Stellen ausgeschrieben, vor allem für Revierleiter, aber auch für Forstwirte, also Waldarbeiter. Grund ist ein Generationenwechsel, schreibt eine Sprecherin dem SWR.
Viele Mitarbeiter der Landesforsten gehen in den Ruhestand, es rückt niemand nach, die Stellen bleiben frei, so die Sprecherin: "Diese Anzahl ist um ein Vielfaches höher als noch vor einigen Jahren. An dieser Situation wird sich in den kommenden Jahren voraussichtlich nicht so viel ändern."
Im Einsatz gegen den Borkenkäfer
Dabei gibt es viel im Wald zu tun: Denn wo der Borkenkäfer besonders gewütet und Fichten regelrecht weggefressen hat, entstehen Kahlstellen im Wald. In der Fachsprache nennt man das Käferloch.
Diese Kahlstellen wirken sich auf Temperaturen und die Trockenheit im Wald aus, erklärt Revierleiter Klett: "Wir haben heute einen sehr warmen Tag, wo es im Wald deutlich angenehmer ist. Hier auf der Freifläche merkt man den Unterschied ziemlich stark." Denn dort, wo er steht, brennt die Sonne ungehindert vom Himmel und trocknet den Boden aus.
Hier ist wieder Forstwirt und Quereinsteiger Manuel Schulz gefragt: Er muss im sogenannten Käferloch eine Mischung aus Baumarten pflanzen, die mit dem Klimawandel gut klar kommen. Und er muss den kleinen Pflänzchen helfen, ein großer Baum zu werden.
Dafür muss er sie regelmäßig mit der Sense von Brombeeren, Farn und Ginster befreien, weil diese den Jungpflanzen Licht und Nährstoffe nehmen.
Ein Baum ist halt keine Tomate.
Es ist eine Herausforderung, mit neuen Bäumen hinterherzukommen, wenn der Borkenkäfer Löcher im Wald hinterlässt, sagt der ehemalige Gemüsegärtner Schulz: "Ein Baum wächst halt nicht wie eine Tomate, die man nach einem Jahr ernten kann. Ein Baum braucht hundert Jahre."
Weiter Forstwirte für versteckte Arbeit gesucht
Schulz nimmt diese Herausforderung gerne an, obwohl er im neuen Job weniger als vorher verdient: "Aber es macht mir wesentlich mehr Freude." Um sich in dreieinhalb Jahren dann auch anerkannter Forstwirt nennen zu können, macht er jetzt eine berufsbegleitende Ausbildung.
Die Gemeinde Birresborn hofft, dass sie noch mehr Menschen wie Schulz findet. Denn immer noch sind zwei der vier Stellen für Forstwirte unbesetzt. Das ist nicht nur für Birresborn ein Problem, sondern auch für acht weitere Gemeinden.
Im Dorf sieht man es, wenn eine Wiese nicht gemäht ist. Die Arbeit im Wald sieht man eher nicht.
Gemeinsame Suche nach Fachpersonal
Die Orte haben nun zusammen den Forstzweckverband Gerolsteiner Land gegründet, um die Waldarbeiter gemeinsam einstellen zu können. Dadurch muss nicht mehr jede Gemeinde einzeln nach dem Fachpersonal suchen.
Denn das ist wichtig, sagt Birresborns Bürgermeisterin Christiane Stahl: "Es ist so eine versteckte Arbeit, die Herr Schulz macht. Im Dorf sieht man es, wenn eine Wiese nicht gemäht ist. Aber die Auswirkungen, wenn die Bäume im Wald nicht weggeschafft werden, sieht man erstmal nicht so schnell."
Aussschreibung auf Quereinsteiger ausgeweitet
Schulz' Arbeit sei aber umso bedeutender, weil der Wald das Vermögen der Gemeinde sei. Stahl will deshalb die Ausschreibungen noch einmal erweitern. Nämlich auf Quereinsteiger mit berufsnahen Ausbildungen wie Schulz einer ist. Mit ihm hat man schließlich gute Erfahrungen gemacht.
Manuel Schulz hat ein, wie er findet, gutes Argument für neue Kollegen, auch in den Beruf zu starten: "Die Landschaft hier ist wunderschön. Am liebsten habe ich eine Aussicht auf die freien Flächen. Das erfreut das Herz."