Bis zu sieben Jahren Planung

Warum ein Kilometer Radweg in Idar-Oberstein Millionen kosten soll

In Idar-Oberstein will der Kreis Birkenfeld einen neuen Radweg bauen. Obwohl der nur einen guten Kilometer lang ist, könnte die Umsetzung sieben Jahre dauern. Wie kann das sein?

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Von Autor/in Maximilian Storr

Mehr als 3.000 Autos fahren jeden Tag die Kreisstraße entlang, neben der in Idar-Oberstein ein neuer Radweg entstehen soll.

Die verantwortliche Kreisverwaltung hofft bei dem Bau auf eine Förderung vom Bund oder vom Land. Anders seien die Pläne nicht zu finanzieren. Der etwa 1,2 Kilometer lange Radweg könnte nämlich bis zu 2,5 Millionen Euro kosten. Und die Bauzeit könnte bei sieben Jahren liegen.

Warum kostet ein kurzer Radweg so viel Geld? Und warum könnte es bis 2033 dauern, bis der Weg gebaut ist?

Aufwendige Naturschutzgutachten

Michelle Fritz und Gregor Höblich vom Ingenieursbüro Stadt-Land-plus in Boppard sind Experten bei der Planung von Radwegen. Sie haben im Hunsrück schon viele Projekte umgesetzt. Eines der größten Themen beim Bau von Radwegen sei der Naturschutz: "Für jeden Baum, der fällt, muss eben ein neuer Baum gepflanzt werden. Wenn ich dann irgendwelche übergeordneten Schutzgebiete habe, dann muss ich eben noch gesonderte Dokumente anfertigen."

Zudem müssten zum Beispiel Wiesenkartierungen gemacht werden. Das sei aber grundsätzlich erst ab dem Frühjahr möglich. "Also jeder Schritt hat so seine Saison. Und wenn das eben ungünstig liegt, kann das unter Umständen drei, vier Jahre dauern, bis ich überhaupt erst mal alle Dokumente beisammen habe, die ich der Naturschutzbehörde vorlegen kann", sagt Fritz. Und die Naturschutzbehörde muss die Gutachten prüfen und im Anschluss genehmigen. "Das ist schon mal ein großer Knackpunkt".

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Strenge Vorgaben beim Bau

Auch Gregor Höblich arbeitet bei Stadt-Land-plus seit Jahren in der Verkehrsplanung. Er sagt, dass der Bau eines Radwegs in vielen Fällen dem Bau einer Straße gleicht. "Es ist nicht damit getan, dass ich jetzt neben einer Kreisstraße einen Weg hinsetze, sondern da gibt es gesetzlich vorgegebene Mindestmaße, die eingehalten werden müssen. Zum Beispiel ein Sicherheitsstreifen zur Fahrbahn", erklärt Höblich.

Beim Projekt in Idar-Oberstein käme dann noch die Topographie hinzu. Der Radweg muss nämlich in den Hang gebaut werden. "Auf der einen Seite muss Erde abgegraben werden und die andere Seite muss abgestützt werden." Laut Kreisverwaltung werden für das Projekt Stütz- und Gabionenwände benötigt. "Und dann kann auch ein vermeintlich kurzes Stück Radweg sehr schnell, sehr sehr teuer werden", sagt Höblich.

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Politischer Wille muss da sein

Beim Bau eines Radwegs sind viele verschiedene Behörden und Institutionen beteiligt. Laut Michelle Fritz ist es deshalb "absolut wichtig, dass der politische Wille und eine gewisse Entscheidungsfreude da sind", ansonsten könnte sich das Projekte quälend in die Länge ziehen.

Beim Projekt in Idar-Oberstein sei der politische Wille durchaus zu erkennen, sagen Michelle Fritz und Gregor Höblich. Der am Verfahren beteiligte Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz (LBM) sucht nach eigenen Angaben jetzt nach Wegen, um den Radweg in Idar-Oberstein vom Bund oder vom Land fördern zu lassen. Auch der Kreistag steht hinter dem Vorhaben.

Wie kann es schneller gehen?

Doch bei vielen Förderprogrammen hakt es nach Angaben der Experten bereits. Viele Kommunen seien abgeschreckt, weil die Vorgaben für den Bau sehr streng seien.

Das führe dazu, dass Förderungen erst gar nicht beantragt werden. "Es würde deshalb Sinn machen, die Förderrichtlinien dahingehend anzupassen, dass eine pragmatische Lösung besser ist als gar keine Lösung", sagt Fritz.

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Klarere Vorgaben in Hessen

Es gibt laut Fritz und Höblich aber noch weitere Möglichkeiten, um Prozesse zu beschleunigen. Dabei lohne sich zum Beispiel ein Blick ins benachbarte Hessen. "Dort gibt es beim Bau verschiedenster Radwege Musterlösungen. Natürlich kann man die in den seltensten Fällen eins zu eins umsetzen, aber es gibt schon mal eine Idee, wie das ganze aussehen könnte", erläutert Fritz.

Außerdem gebe es in Hessen klare Vorgaben, wie zum Beispiel der Forst mit dem Bau eines Radweges umzugehen hat. "Bei uns in Rheinland-Pfalz fehlt da so ein bisschen die Stringenz von oben", so Fritz.

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Nationale Hoheit in Luxemburg

Die Experten verweisen auch auf Luxemburg. "Die machen ein Grundnetz der wichtigsten Radverbindungen zwischen den größeren Städten und Orten in nationaler Hoheit und sie planen und bauen und warten diese Wege", erklärt Gregor Höblich.

Das führe zu einer ganz anderen Struktur und besseren finanziellen und personellen Möglichkeiten. In Deutschland müsse man dagegen bei manchen Projekten mit zahlreichen Ortsgemeinden sprechen.

Projekt in Idar-Oberstein keine Ausnahme

Für Höblich und Fritz von Stadt-Land-plus ist klar, dass das Projekt in Idar-Oberstein derzeit nicht außergewöhnlich teuer ist oder lang dauert. "Eine Straße baut man auch nicht innerhalb eines Jahres ins grüne Feld", betont Höblich. Von diesem Gedanken müsse man sich lösen, "vor allem bei der Richtlinien-Flut, die wir in Deutschland nun einmal haben."

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Maximilian Storr
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