Seit fünf Jahren hat Johannes Selbach bereits einen alkoholfreien Wein im Angebot. Den hat der Moselwinzer aus Zeltingen-Rachtig aber nicht selbst produziert, sondern in Rheinhessen eingekauft und mit seinem Etikett versehen.
Die Nachfrage nach alkoholfreiem Wein sei groß. "Ohne, dass wir etwas dafür getan haben, verkauft sich dieser Wein wie geschnitten Brot. Das ist erschreckend", sagt Selbach. "Erschreckend, weil wir an der Mosel alkoholisch reduzierte Weine haben und die schmecken viel besser."
Dieser Wein verkauft sich wie geschnitten Brot. Das ist erschreckend.
Deutsche trinken immer mehr alkoholfreien Wein
Mehrere zehntausend Flaschen des alkoholfreien Weines verkauft Selbach nach eigenen Angaben im Jahr. Obwohl er sich mit dieser Entwicklung schwer tut, erkennt Selbach den Trend, den auch das Deutsche Weininstitut bestätigt.
In Deutschland wird immer mehr alkoholfreier Wein getrunken. Der Absatz hat sich nach Angaben des Instituts im vergangenen Jahr um 86 Prozent erhöht, also fast verdoppelt.
Moselwinzer machen gemeinsame Sache
Das ist auch der Grund, warum sich Selbach gemeinsam mit 23 anderen Winzern an der Mosel dazu entschieden hat, einen alkoholfreien Riesling produzieren zu lassen. 40.000 Flaschen dieses Weines sind seit wenigen Wochen auf dem Markt.
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Koordiniert wurde die Aktion vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel. "Unser Ziel war es einen entalkoholiserten Kabinett-Wein zu produzieren, der höchsten Ansprüchen gerecht wird", sagt Leiter Norbert Müller. Dafür hätten die beteiligten Betriebe Grundweine liefern müssen, deren Qualität vom DLR überprüft wurde.
Neues Verfahren für alkoholfreien Wein
Danach sei der Wein zu einer Firma nach Rheinhessen gefahren worden, um in einem neuen Verfahren entalkoholisert zu werden. Und weil das Unternehmen nur in größeren Mengen produziert, hätten sich die Winzer an der Mosel dafür zusammengetan.
Durch das neue Verfahren gehe der weintypische Geschmack nicht mehr so stark verloren, sagt Norbert Müller. "Bei diesem neuen Verfahren werden Harze verwendet, die dem Wein Aroma zurückgeben, das bei der Entalkoholisierung verloren gegangen ist", sagt Müller.
Trotz seiner Skepsis ist Winzer Johannes Selbach zufrieden mit dem Ergebnis. "Man kann da sicherlich noch an den Stellschrauben drehen in den nächsten Jahren und das noch ein bisschen besser machen, aber die Richtung stimmt und wir sind überzeugt von dem Produkt." Auch die Kunden seien zufrieden.
Experten sehen Potenzial für alkoholfreien Weine
Dass die alkoholfreien Weine ein Rettungsanker für die angeschlagene Branche sein können, glauben Winzer Selbach und DLR-Leiter Müller aber nicht.
Der alkoholfreie Wein wird die Mosel nicht retten.
"Der alkoholfreie Wein wird die Mosel nicht retten. Es ging auch bei dem Projekt nicht darum, große Absatzeinbrüche wie durch die Zölle in den USA zu kompensieren", sagt Müller. Es gehe darum, Kunden zu binden, die man schon hat und neue Kunden zu gewinnen.
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Bisher macht der alkoholfreie Wein nach Angaben des Deutschen Weininstitut rund 1,5 Prozent des Gesamtmarktes aus. "Experten gehen davon aus, dass der bisherige Marktanteil auf bis zu zehn Prozent steigen könnte, ähnlich wie beim alkoholfreien Bier derzeit", sagt Norbert Müller.
Alkoholfreier Moselwein auch im kommenden Jahr
Für die Moselwinzer könnte der alkoholfreier Wein also in Zukunft eine wichtige Ergänzung zum bestehenden Angebot werden.
Deshalb werden einige Moselwinzer auch im kommenden Jahr wieder einen alkoholfreien Riesling produzieren lassen. Johannes Selbach ist auch dabei. Auch wenn er zugibt, dass er einen anstrengenden Arbeitstag lieber mit einem ganz klassischen Glas Wein ausklingen lässt.