Günter Meierer pickt sich eine Traube vom Rebstock und probiert. "Schön süß, schon fast reif", sagt der Winzer. Zufrieden blickt er über seine Weinberge am Rosenberg in Osann-Monzel. Die Stöcke hängen voller Trauben, aus denen bald schon Federweißer gepresst werden soll. "In drei Wochen werden wir eine gute Ernte einfahren", meint Meierer.
Und die kann er gebrauchen, nachdem im letzten Jahr viele Reben erfroren sind. "Diesen Frühling und Sommer war das Wetter perfekt. Wir hatten keine Probleme mit Kälte, Hagel, Pilzen oder Fäulnis", sagt Meierer. Trotzdem blickt er mit Sorge auf die Federweißer-Saison - so wie viele Winzer an der Mosel. Denn ihr Federweißer wird um einiges teurer als die Produkte der Konkurrenz.
Winzer: "Können mit Kampfpreisen nicht mithalten"
Viele Kollegen aus anderen Anbaugebieten bieten den frühen, süßen Wein derzeit besonders günstig an, heißt es beim Bauern- und Winzerverband. "Wir können da nicht mithalten", sagt Günter Meierer, der Marktführer an der Mosel.
Eigentlich wollte er in diesem Jahr seine Preise etwas erhöhen. Die Betriebskosten, zum Beispiel der Lohn der Erntehelfer, seien gestiegen. "Aber die Händler haben bei den Verhandlungen sofort abgeblockt", sagt Meierer: "Wenn andere immer billiger verkaufen, kann ich nicht teurer werden." Und deshalb bleibe wohl oder übel weniger Gewinn bei ihm hängen.
Deutscher Weinbau steckt in der Krise
Die Dumping-Preise sind ein Symptom der Krise, in der der deutsche Weinbau derzeit stecke, heißt es beim Bauern- und Winzerverband. Vor allem Winzer aus Baden würden ihren Federweißen aktuell praktisch verschleudern. "Die kommen mit Kampfpreisen daher, die wir nicht unterbieten können", sagt Meierer. Der Grund: Die Weinbauern wüssten nicht, wohin mit ihren Trauben.
Brombeerhecken bedrohen Weinbau Badischer Wein in der Krise - Weinberge in der Region verwildern
Immer mehr Reben rund um Baden-Baden und Bühl werden nicht mehr bewirtschaftet und verwildern. Für Winzer und den Tourismus wird das zum Problem. Jetzt sind Lösungen gefragt.
Die Nachfrage sei zu gering, weil allgemein weniger getrunken wird und Kunden immer öfter zu günstigeren Flaschen aus dem Ausland greifen würden. Gerade in Baden hätten manche Winzer Probleme, ihren Fasswein loszuwerden. Ähnlich sieht es laut Winzerverband in der Pfalz und Rheinhessen aus, wo die Ernte mancherorts schon begonnen hat - um zumindest früher dran zu sein als die günstigeren Wettbewerber aus Italien.
Die Folge des Preiskampfes, sagt Meierer: Immer mehr Betriebe würden in das Geschäft mit Federweißem einsteigen. "Was die Winzer jetzt zu Federweißem machen, das müssen sie nicht in den Keller bringen und da kommt dann zumindest ein bisschen Geld ins Haus."
Kunden geben mehr für regionales Produkt aus
Massenware zu Dumping-Preisen - das sei aber langfristig kein Geschäftsmodell, meint Meierer: "Wer seinen Federweißen für unter drei Euro die Flasche verkauft, beutet sich selbst aus." Und die Kollegen an der Mosel haben im Preiskampf das Nachsehen.
Günter Meierer hofft, dass sich sein Federweißer trotzdem gut verkaufen wird: "Es wäre schön, wenn wir dieses Jahr die 60.000 Flaschen-Marke knacken würden." Dass die Kunden jetzt nur noch den billigen Federweißen kauften, glaubt er nicht: "Für ein Produkt aus der Heimat sind viele bereit, mehr zu zahlen."