Weinbau unter Preisdruck

Warum Winzer an der Mosel der Krise besser trotzen

Die Weinwelt steht unter Druck. Doch an der Mosel zeigt sich: Wer auf Handarbeit und Regionalität setzt, kann bestehen. Ein Beispiel aus Enkirch.

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Von Autor/in Christian Altmayer

Daniel Immich ist 45 Jahre alt und damit der jüngste Winzer in Enkirch an der Mosel. Er würde sich wünschen, dass irgendwann mal jemand seine Weinberge übernimmt. Aber es ist einfach kein Nachwuchs da. "Viele ältere Kollegen raten ihren Kindern nicht mehr in den Weinbau einzusteigen", sagt Immich, der das zwar schade findet, aber auch verstehen kann.

Daniel Immich kann nicht klagen: Seinem Betrieb geht es vergleichsweise gut.
Daniel Immich kann nicht klagen: Seinem Betrieb geht es vergleichsweise gut. Christian Altmayer

Denn die Zeiten sind nicht leicht für deutsche Winzer, die mit Preisdruck, sinkendem Alkoholkonsum, Bürokratie, Klimawandel und steigenden Betriebskosten zu kämpfen haben. Darauf hat jetzt die neu gegründete "Zukunftsinitiative Weinbau" aufmerksam gemacht. Und das mit Thesen, so steil wie die Weinberge von Daniel Immich in Enkirch. In einer Pressemitteilung behauptet der Verein aus der Pfalz: Mehr als der Hälfte der deutschen Winzer drohe der Bankrott.

Verein: Hälfte der deutschen Winzer droht das Aus

Der Grund seien die sinkenden Preise für Wein in den Supermärkten und Discountern. Manche Winzer verdienten nur noch 60 Cent pro Liter. Und damit zu wenig zum Leben. Das Problem mit den Dumping-Preisen sieht auch Weinbaupräsident Walter Clüsserath. Allerdings betreffe es eher die großen Weingüter in der Pfalz und in Rheinhessen, die vor allem Fasswein produzieren. Also Wein, der in Fässern oder Tanks an Weiterverarbeiter, Abfüller oder Großhändler verkauft wird, die dann wiederum die Discounter und Supermärkte beliefern.

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Die "Zukunftsinitiative deutscher Weinbau" möchte auf teils schwierige Lage von Winzern aufmerksam machen. Denn Wein wird immer billiger verkauft, gleichzeitig steigen die Produktionskosten.

Dort sei der Preisdruck brutal, so Clüsserath, auch wegen günstiger Importe aus dem Ausland. "Jedem Menschen ist ein Produkt einen bestimmten Betrag wert und dann kommt die Grenze. Und dann greife ich doch zum billigeren Artikel", meint der Weinbaupräsident: "Das ist eine Spirale, die sich immer weiter nach unten dreht."

Privatkunden zahlen mehr für Wein

Auf dieser Spirale allerdings drehen sich viele Winzer an der Mosel nicht mit. Die Betriebe zwischen Trier und Koblenz verdienen bis zu doppelt so viel pro Liter Fasswein. Und einige noch deutlich mehr, wenn sie ihre Flaschen selbst vermarkten - so wie Daniel Immich. "Gerade hier an der Mittelmosel wird viel an Privatkunden verkauft. Und die sind meistens bereit für ein regionales, handgemachtes Produkt mehr zu bezahlen."

Daniel Immich bewirtschaftet ausschließlich Steillagen - zum Beispiel diese Weinberge zwischen Enkirch und Traben-Trarbach.
Daniel Immich bewirtschaftet ausschließlich Steillagen - zum Beispiel diese Weinberge zwischen Enkirch und Traben-Trarbach. Christian Altmayer

Und das müssten sie auch, damit Immich über die Runden kommt. Denn der Enkircher Winzer bewirtschaftet ausschließlich Steillagen, die nicht mit schweren Maschinen abgeerntet werden können. "Wer hier weniger als sieben oder acht Euro die Flasche nimmt, kann kaum davon leben", meint der 45-Jährige. Preise also, von denen viele Winzer in der Pfalz oder in Rheinhessen nur träumen können.

Weinbauverband fordert höhere Prämie für Steillagen

Und trotzdem gibt es immer mehr Winzer, die die Steillagen aufgeben, heißt es beim Weinbauverband. "Jedes Jahr hören auch an der Mosel rund 100 Betriebe auf", behauptet Weinbaupräsident Walter Clüsserath. Er fordert eine politische Trendwende in Rheinland-Pfalz: "Wenn wir nicht gegensteuern, verlieren wir immer mehr Betriebe, unsere Kulturlandschaft und am Ende auch den Tourismus an der Mosel."

Weinbaupräsident Walter Clüsserath fordert eine politische Trendwende.
Weinbaupräsident Walter Clüsserath fordert eine politische Trendwende. Christian Altmayer

Eine seiner Forderungen: die Steillagenprämie auf 5000 Euro pro Hektar zu erhöhen. Derzeit bekommen Winzer 765 Euro pro Hektar, wenn sie einen abschüssigen Hang bewirtschaften. "Diese Prämie ist seit Jahren nicht erhöht worden", sagt auch Daniel Immich. Die Betriebskosten seien hingegen durch die Decke gegangen. Löhne, Diesel, Spritzmittel - all das wurde in den vergangenen Jahren immer teurer.

US-Zölle machen Moselwinzern Sorgen

Was vielen Moselwinzern außerdem Sorgen macht, sind die neuen Zölle für den Verkauf in die USA. Denn dorthin haben sie bisher den meisten Wein exportiert. Daniel Immich zum Beispiel verkauft jede fünfte Flasche in die Vereinigten Staaten. Seine Kunden seien durchaus bereit höhere Summen für die Flaschen auszugeben: "Aber wenn da jetzt noch 15 Prozent draufkommen, weiß ich nicht, ob sie da noch mitgehen."

Neue Märkte, zum Beispiel in China oder Südkorea, zu erschließen - das schaffe Immich als kleiner Betrieb ohne Vertriebsabteilung kaum. Ein klarer Nachteil gegenüber großen Weingütern. Doch die überschaubaren Strukturen sind für die Mosel auch ein Vorteil. Denn genau das sei es ja, was die Kunden und Touristen schätzen - kleine Weingüter, die vieles noch von Hand machen.

"Das macht uns ein Stückweit unabhänginger vom Preisdumping der Discounter", sagt Immich. Und deshalb wollen die Moselwinzer auch nicht klagen. "Uns geht es vergleichsweise gut", sagt Daniel Immich: "Ich denke, die meisten hier können auch diese Krise überstehen."

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