Ausländische Fachkräfte, die nach Deutschland kommen, bevorzugen die westlichen Bundesländer - und meiden Flächenländer im Osten. Das zeigt ein neuer Bericht des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).
Der Anteil der zugewanderten Fachkräfte in den ostdeutschen Flächenländern liegt den Zahlen zufolge bei weniger als neun Prozent. In Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und anderen westdeutschen Regionen - vor allem in Stadtstaaten wie Berlin und Hamburg - ist der Anteil von Zugewanderten mit Hochschul- oder Berufsabschluss demnach deutlich höher.
Baden-Württemberg und Hessen bei Fachkräften beliebt
So ist in Baden-Württemberg und Hessen heute mehr als jede fünfte Fachkraft im Alter zwischen 25 und 64 Jahren nicht in Deutschland geboren. In Berlin, Bremen und Hamburg ist es sogar jede vierte Fachkraft.
Konkret: Laut IW-Bericht lag der Anteil zugewanderter Personen an der qualifizierten Bevölkerung in Baden-Württemberg bei 21,4 Prozent. Damit ist das Land eines der attraktivsten Flächenländer für ausländische Fachkräfte.
Bezogen auf die Gesamtbevölkerung dieser Altersgruppe (25 bis 64 Jahre) entspricht das einem Anteil von 17,1 Prozent (6,7 Prozent mit Hochschulabschluss und 10,4 Prozent mit Berufsabschluss). Grundlage für die aktuellen Berechnungen waren Statistiken aus dem Jahr 2024.
Rheinland-Pfalz steht im bundesweiten Vergleich dabei im Mittelfeld: Hier lag der Anteil qualifizierter Zuwanderer an der Bevölkerung bei 13,7 Prozent.
Kaum Fachkräfte aus dem Ausland in ostdeutschen Bundesländern
Anders sieht es in den ostdeutschen Flächenländern aus. Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise hatte in der Berechnung mit unter sieben Prozent den niedrigsten Anteil an zugewanderten Fachkräften, in Sachsen-Anhalt und Brandenburg liegen die Werte nur etwas darüber.
Besonders viele Akademiker aus dem Ausland zieht es dem Bericht zufolge übrigens nach Berlin, Hamburg und Hessen.
Osten besonders vom demografischen Wandel betroffen
Dabei ist der Fachkräftemangel in Ostdeutschland besonders groß, weil hier die Bevölkerung im Schnitt älter ist als in Westdeutschland - und deshalb noch mehr Menschen den Arbeitsmarkt verlassen. Um die Auswirkungen des demografischen Wandels abzufedern, müsse sich daran etwas ändern, schreibt Dr. Wido Geis-Thöne, Autor des IW-Kurzberichts.
Dennoch müssen gerade die ostdeutschen Flächenländer, wo bislang noch vergleichsweise wenige zugewanderte Personen leben, vor dem Hintergrund ihrer ungünstigen demografischen Ausgangslage in den nächsten Jahren verstärkt darauf hinarbeiten, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen.
Fachleute geben Empfehlung zum Anwerben von Fachkräften
Dabei helfen könnten dem IW-Bericht zufolge etwa gezielte Maßnahmen wie eine schnellere Vergabe von Visa und eine stärkere Ansprache potenzieller Zuwanderer und die Anwerbung junger Menschen aus dem Ausland bereits für die Ausbildung.
Ostdeutschland sei auf Zuwanderung angewiesen, betonte auch die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser, gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Das Handeln von populistischen Parteien hingegen, die Vorbehalte gegenüber Zugewanderten schürten, stelle eine Gefahr dar.
Arbeitsmarkt Fachkräfte verzweifelt gesucht – Was gegen die Personalnot hilft
Der Fachkräftemangel ist bereits groß. Was dagegen helfen könnte: 4-Tage-Woche, Azubis aus dem Ausland, länger arbeiten, mehr Wertschätzung für Handwerk und Sozialberufe.
Was es braucht, damit Fachkräfte längerfristig bleiben
Der Bericht zeigt also: Bundesländer wie Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind für Fachkräfte aus dem Ausland durchaus attraktiv. "Die hohe Konzentration von Fachkräften im Westen zeigt, wo die Arbeitsmärkte für qualifizierte Zuwanderer am attraktivsten sind", heißt es in der Studie.
Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist die deutsche Wirtschaft in zunehmendem Maß auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen, um ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten und damit letztlich auch den Wohlstand der Bevölkerung zu sichern.
In welche Regionen es Fachkräfte zieht, entscheiden dabei nicht nur Arbeitsplätze und Karrieremöglichkeiten, sondern beispielsweise auch soziale Faktoren. Vor allem perspektivisch spiele das eine Rolle: Eine stärkere Zuwanderung von Fachkräften nütze demnach wenig, wenn diese nach kurzer Zeit das Land wieder verlassen.
"Dies geschieht umso weniger, je attraktiver das Arbeits- und Lebensumfeld ist, dass sich ihnen hier bietet. Dies ist wiederum auch zu bedeutenden Teilen eine Frage der Willkommenskultur und Weltoffenheit der Bevölkerung", heißt es im Fazit des Berichts.