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Iryna Fingerova: „Flucht ist keine Urlaubsreise“
Mit Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Schlafstörungen und Depressionen kamen ukrainische Geflüchtete nach dem russischen Angriff auf die gesamte Ukraine im Februar 2022 in die Dresdener Arztpraxis von Iryna Fingerova. Die Diagnose, die sie alle teilten: „Krieg“. Geboren wurde die Ärztin und Schriftstellerin 1993 in eine jüdische Familie in Odessa. Vor dem Krieg, der 2014 begann, flüchtete sie nach Israel und kam 2018 nach Deutschland. Die ersten drei Jahre der Emigration, sagt sie, seien ein sozialer Tod. „Zugwind“ heißt ihr dritter Roman. Der erste, den sie teilweise auf Deutsch geschrieben hat.
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Philip Manow: „Demokratie beweist sich immer erst im Nachhinein“
Alle reden von der Krise der Demokratie, der Politikwissenschaftler Philip Manow analysiert sie. Und fragt nach den Ursachen für die Popularität der Rechten. Seine Diagnose: Der schrumpfende staatliche Handlungsspielraum, Brüssel statt Berlin, Recht statt Politik und der gefühlte Kontrollverlust machen die AfD stark. Um die Rechten und Rechtsextremen zu bekämpfen, müsse die liberale Demokratie ihre eigenen Schwachstellen erkennen. Von Prognosen über einen neuen Faschismus hält er nichts. Ist sich aber sicher: „Die AfD geht nicht mehr weg.“
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Michael Dressel: “Ich gehe als kalter Beobachter durch die Welt“
„The End is Near, Here”. Heißt das große Fotobuch von Michael Dressel, entstanden am Vorabend der Wahl von Donald Trump zum 47. US-Präsidenten. In seiner Street-Fotographie wird ein Land sichtbar, das viel soziales Elend und waffenstarrenden Schrecken produziert – insgesamt eine Gesellschaft am Abgrund. Geboren 1958 in Ost-Berlin, verbrachte Michael Dressel nach missglückter Flucht zwei Jahre in DDR-Gefängnissen. Dann Ausreise nach West-Berlin und weiter nach Los Angeles, wo er seither vornehmlich lebt. Als Fotograf wurde er vor allem durch seinen scharfen Blick auf Menschen im Alltag bekannt.
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Dilek Güngör: „Für meine Eltern war immer klar, wir bleiben hier“
Die Schriftstellerin Dilek Güngör will die Welt nicht in „die einen“ und „die anderen“ aufgeteilt wissen. Im Kleinen etwas zu tun, ist ihre Strategie gegen eine zunehmend auseinanderdriftende Gesellschaft. Das schafft Verbindung, glaubt die in Schwäbisch Gmünd geborene Autorin. Ihre Figuren haben oft mit Fremdzuschreibungen zu tun, etwa im Roman „Ich bin Özlem“. Und wollen ihre Geschichte selbst erzählen – auch die Geschichte sogenannter Gastarbeiter, wie in „Vater und ich“. Bekannt wurde sie durch Kolumnen, erschienen unter dem Titel „Ganz schön deutsch. Meine türkische Familie und ich“.
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Hartmut Rosa: „Das Verfügbarmachen der Welt erzeugt Monster“
„Nur wo wir handeln, fühlen wir uns lebendig“. Diese menschliche Konstante drohen wir zu verlieren, warnt der Soziologe Hartmut Rosa, wenn wir uns zunehmend von KI und Algorithmen steuern lassen: wenn wir uns freiwillig in Konstellationen begeben, Protokolle bedienen, Optionen wählen, Formulare ausfüllen. Unser Spielraum für eigenes Handeln verringere sich dadurch. Auch das moralische Urteilsvermögen gehe verloren. Langfristig eine Gefahr für die Demokratie. Bekannt wurde Hartmut Rosa, Professor in Jena, aufgewachsen im Südschwarzwald, durch seine Theorien zu „Beschleunigung“ und „Resonanz“.
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Olaf Salié: „Unabhängig sein, das habe ich früh entwickelt“
Für Olaf Salié verkörpert das französische Chanson eine Lebensphilosophie: „Das Chanson predigt Individualismus. Es ermutigt, einen eigenen Weg zu gehen“. Zum Beispiel, weil Liebe und Freiheit immer zusammengedacht werden. Damit haben große Chansonnièren wie Juliette Gréco das Bild der emanzipierten, auch sexuell unabhängigen Frau geprägt. Als Arbeiter- und Kampflied hat das Chanson soziale Missstände kritisiert und mit „Le Déserteur“ die Hymne der Pazifisten hervorgebracht. Andererseits kollaborierten Edith Piaf und Maurice Chevalier mit den Nazis. Auch das gehört zur Geschichte dieses Lieds.
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Roland Emmerich: „Was auch immer ich mache, muss groß sein“
Er ist ein Meister der Apokalypse. Wenn auf der Leinwand die Welt untergeht, steckt oft Roland Emmerich dahinter. Der international gefeierte Regisseur ist bekannt für spektakuläre Katastrophenfilme wie „The Day After Tomorrow“ und „Independence Day“. Wie entstehen Weltuntergangsszenarien fürs Kino? Was treibt ihn an, ganze Städte einstürzen zu lassen und den Himmel in Flammen zu setzen? Und welche Geschichten interessieren ihn heute? Darüber spricht Roland Emmerich, geboren in Stuttgart, aufgewachsen in Maichingen, Karriere in Hollywood, in Kooperation mit dem Schauspiel Stuttgart.
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Alexander Alberts-Dakash: „Die Suche nach den leiblichen Eltern kostet sehr viel Kraft“
Am Anfang stand die Frage, wer die eigenen, biologischen Eltern sind. Danach hat Alexander Alberts-Dakash die genealogische Recherche zu seiner Profession gemacht: Auf der Basis von Speichelproben und DNA-Profilen forscht der DNA-Detektiv in Kirchenbüchern, Sterberegistern und anderen Dokumenten nach der Herkunft seiner Klienten, in der Regel Adoptiv-, Spender- oder Kuckuckskinder. Das Wissen über die eigene Herkunft, sagt er, sei zentral für die Identitätsbildung eines Menschen. In politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich unsicheren Zeiten boomt das Interesse an der Ahnenforschung.
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Beate Söntgen: „Der Künstler braucht das Ideal mehr als die echte Frau“
Mit der antiken Sage von Orpheus, dem Dichter und Sänger, beginnt der Mythos des Künstlers – der Mann als Genie. Diesen Mythos erzählt die Inszenierung der Barock-Oper „L’Orfeo“ bei den Schwetzingen SWR Festspielen. Am Ende zerreißen Frauen den Künstler, der sie erst zur Inspiration braucht und dann zum Material macht.
Wie sollen Künstlerinnen auf diesen Männermythos reagieren? Kopieren, konterkarieren, ignorieren? Warum findet man in den meisten Erzählungen so wenig Künstlerinnen? Mit Beate Söntgen, Professorin der Leuphana-Universität, begann in Deutschland die feministische Kunstgeschichte. -
Andrea Stoll: „Ingeborg Bachmann hat sexuellen Missbrauch erlebt“
Eine Frau, zwei Männer. Glücklich mit Ivan, sterbend in Malina. Vom dominanten Liebhaber zerstört, vom verständnisvollen Mitbewohner quasi ermordet. Ingeborg Bachmanns Ich-Erzählerin berichtet von einem inneren Krieg. Seit Jahrzehnten beschäftigt sich Andrea Stoll mit Bachmanns Werk. Zum 100. Geburtstag und zur Uraufführung der Oper „Malina. Voice Over Bach*mann“ bei den Schwetzinger SWR Festspielen präsentiert sie ein neues Bild der Autorin.
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Svealena Kutschke: „Die globale Lage löst Gefühle der Ohnmacht in mir aus“
„Fußnoten aus dem späten 21. Jahrhundert“ heißt das Theaterstück, mit dem die Schriftstellerin Svealena Kutschke beim „Heidelberger Stückemarkt“ den FIDENA-Preis gewann. Angesiedelt in einem „Bienenstock der Verwaltung“, wo Angestellte sich über Kaffeetassen streiten, während draußen die Welt untergeht. Ähnlich wie im Roman „Gespensterfische“, der in einer Psychiatrie spielt, dominieren Neurosen das Geschehen: Wer Bedrängendes in den Griff bekommt und Schwieriges ausblendet, Probleme verdrängen kann und im Alltag funktioniert, gilt als gesund. Aber wie krank ist eigentlich die Gesellschaft?
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Yannic Han Biao Federer: „Ich versuche ein neues Sprechen über unsere geteilte Vergangenheit“
Mit seinem Theaterstück „Asiawochen“ hat er beim „Heidelberger Stückemarkt 2025“ gleich dreimal gewonnen: Autor*innenpreis, SWR-Hörspielpreis und Publikumspreis. Die Hauptfigur, aufgewachsen zwischen Indonesien und Deutschland, recherchiert ihre Familiengeschichte und zeigt damit auch, wie die deutsche Kolonialgeschichte verdrängt wurde. „Das ist ganz nah an der Geschichte meiner Familie“. Yannic Han Biao Federer wurde als Sohn eines chinesischen Indonesiers und einer Deutschen in Breisach geboren. Zuletzt veröffentlichte er ein sehr persönliches Buch über den Tod seines Sohnes.
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Nevin Aladağ: „Ich zeige die Momentaufnahme einer diversen Gesellschaft“
„Social Fabric“ nennt die Künstlerin Nevin Aladağ ihre Bilder, mit denen sie Vielfalt sichtbar macht, indem sie Teppiche unterschiedlicher Herkunft zu einem Patchwork verbindet. Wenn sie Möbelstücke in Musikinstrumente verwandelt, wie 2017 bei der Documenta in Athen, hält sie der bürgerlichen Mehrheitsgesellschaft einen Spiegel vor – und schafft zugleich Raum für Resonanz.
Im Video „Traces“ geht sie eigenen Lebenspuren nach und bringt den Sound ihrer Heimatstadt Stuttgart zum Klingen. 2025 wurde sie dafür mit dem Landespreis für Bildende Kunst des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. -
Ilija Matusko: „Arbeitsgerüche sind Marker dafür, wo man herkommt“
Der Geruch von Pommes zieht sich durch Ilija Matuskos Kindheit: Seine Eltern betrieben eine Gastwirtschaft in Bayern. Der Vater in der Küche, die Mutter im Service, kein Ruhetag. Schon als Kind wusste Ilija Matusko, wie man Pommes knusprig frittiert. Doch den Geruch des Frittierfetts haftete an ihm, auch in der Schule. Der Pommes-Genuss wich der Klassenscham. Wie er sich seiner Herkunft wieder wohlwollend annähern konnte und warum er lieber von Klassenwechsel als von Aufstieg spricht, darüber schreibt Ilija Matusko in seinem Buch „Verdunstung in der Randzone“.
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Anja Casser: „Ich möchte Künstlerinnen neu entdecken“
Seit 2008 leitet Anja Casser den Badischen Kunstverein in Karlsruhe und macht dort ein Ausstellungsprogramm, das es in dieser Form nur dort gibt: Seit fast 20 Jahren zeigt sie fast nur Werke von Künstlerinnen. Mal aus der feministischen Avantgarde, mal aus der Gegenwart. Von Lubaina Himid, die als erste Schwarze Künstlerin den Turner-Prize gewann, bis Nancy Holt und Zofia Kulik. Aktuell sind im zweitältesten Kunstverein Deutschlands Arbeiten von Anna Barham zu sehen, die sich unter anderem mit der Fehleranfälligkeit von KI-Spracherkennung beschäftigen – Contemporary since 1818.
Öffentliche Veranstaltung bei der art Karlsruhe am 07.02.2026 -
Christian Baudisch: „Ich will wissen, woher das Fleisch kommt“
Endlich wieder Lamm? Oder Hase! An Ostern endet die christliche Fastenzeit. Alles Fleischhaltige muss nach diesem Verständnis nicht länger in Teigtaschen versteckt werden, wie in schwäbischen „Herrgottsbscheißerle“, sondern darf wieder als realer Braten serviert werden. Fleisch ist mein Gemüse – ja, wirklich? Der Fleischkonsum geht seit Jahren zurück, fleischlose, klimaschonende Ernährung ist populär. Andere reagieren mit tierischer Komplettverwertung – nose to tail. Christian Baudisch leitet das Deutsche Fleischermuseum Böblingen und weiß, dass es gerade um die Wurst geht.
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Thomas Riegger: „Mich interessiert der emotionale Zugang zur Kunst“
Öffentliche Veranstaltung bei der art Karlsruhe am 07.02.2026
Wie viel soll die Kunst kosten? So viel wie ein Dinner für zwei im Restaurant Omoni (94 Euro)? Oder eher so viel wie ein Apéro in der Bar Germania (10 Euro)? Beides okay, findet der Künstler Jonathan Monk. Und malt Replikas von Werken bekannter Kolleg*innen auf Restaurant-Quittungen, die er auf Instagram zum Rechnungsbetrag anbietet. Kunst kann auch Humor. Muss aber immer einen emotionalen Zugang zum Werk ermöglichen. Das ist dem Karlsruher Galeristen Thomas Riegger wichtig, auch bei anderen teils weltberühmten Künstler*innen seiner Galerie, wie Miriam Cahn und Horst Antes. -
Michael Triegel: „Wir dürfen das Abendland nicht den Brandstiftern überlassen“
„Sie sind also jetzt mein Raphael“. Sagte Papst Benedikt XVI., als er Michael Triegel begegnete, bevor dieser ihn 2010 porträtierte. Der Leipziger Maler war schon damals der wichtigste Künstler in Deutschland, der religiöse Motive in altmeisterlicher Manier darstellt. Und christliche Themen dabei neu interpretiert, oft mit drastischer Symbolik. Etwa wenn er Jesus beim Abendmahl gesichtslos zeigt – vereinsamt und verlassen. Oder das Lamm Gottes als gehäutete Kreatur. Fast immer malt er im Glauben auch den Zweifel. Bewusst in der Tradition des Abendlandes. 2014 ließ er sich katholisch taufen.
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Andreas Speit: „Der liberalen Demokratie fehlen die Narrative gegen rechts“
„Der rechte Rand“ heißt seit 20 Jahren die regelmäßige Kolumne des Journalisten Andreas Speit. Dieser Rand hat sich in den letzten Jahren offenbar verbreitert. Und beschränkt sich längst nicht mehr auf gewaltbereite Neo-Nazis, wie in den 2000ern. Oder auf „Nazis in Nadelstreifen“. Deshalb recherchiert Andreas Speit inzwischen auch zu „rechten Ökos“ und „gefährlichen Weltbildern in alternativen Milieus“: wie „antimoderne Reflexe breite Schichten der Gesellschaft erfassen“, rechtes Denken das Bürgertum entkultiviere und die Demokratie gefährde. Was wir erleben, sei eine „autoritäre Rebellion“.
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Maria-Sibylla Lotter: „Wir sollten uns von der Opferrolle lösen“
Was macht aus Menschen moralische Personen? Es sind die ganz großen Themen, mit denen die Philosophin Maria-Sibylla Lotter sich beschäftigt. Die Grundlagen der Moral zum Beispiel. Wie man verantwortungsvoll handelt. Oder sie schreibt über die Praxis von Vergeltung und Versöhnung. Dann geht es um Respekt und warum man zwischen der politischen Bedeutung von Schuldbekenntnissen und den moralischen Aspekten von Schuld unterscheiden sollte. In ihrem neuen Buch fragt sie, was es bedeutet, Verletzungen zu erfahren, die Opferrolle zu erleben und dann Schwäche zu zeigen: Verwundbarkeit als Selbstbild.
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Lukas Rietzschel: „Polarisiert sind immer nur die anderen“
Sanditz heißt das neue Gesellschaftslabor von Lukas Rietzschel – ein Ort im Osten. Immer noch eine Nachwendegesellschaft, wie schon in seinem Roman „Raumfahrer“ und im Theaterstück „Widerstand“: wo Offiziere, Frührentner, Orgelbauer, ehemalige Bürgerrechtler, selbsternannte Widerständler, Lokaljournalistinnen sowie die Familie Wenzel Alltag, Werte und Zugehörigkeit aushandeln. Warum schließen sich an Orten wie Sanditz so viele den Rechten an: deutschnational, xenophob und zunehmend demokratiefeindlich? Ein reines Ost-Thema ist das für den Autor Lukas Rietzschel nicht.
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Pascale Hugues: „Wir müssen den Feminismus leben“
Familiengeschichte als Frauengeschichte. Und als deutsch-französische Geschichte. Die eine Großmutter Deutsche, die andere Französin. Die Deutsche heiratet einen Franzosen, die Französin einen Deutschen. Beide Frauen sind ein Leben lang eng befreundet. Pascale Hugues ist die Enkelin von Marthe und Mathilde, geboren 1959, Elsässerin. Seit vielen Jahren lebt sie als Journalistin für französische Medien in Berlin, schrieb „Deutschland à la française“ und jetzt ein Buch über ihre Mutter, die als Elsässerin dreimal die Sprache und die Nationalität wechselte – und unter einer bipolaren Störung litt.
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İlker Çatak: „‘Gelbe Briefe‘ ist der Film, wo ich am politischsten werde“
Was kommt zuerst: das Überleben oder die Moral? „Gelbe Briefe“ heißt der neue Film von İlker Çatak, für den er mit dem Goldenen Bären der Berlinale 2026 ausgezeichnet wurde. Die Frage steht im Mittelpunkt des Films: Ein Künstlerpaar wird von einem Willkürstaat angeklagt, verliert Job und Wohnung, steht vor dem finanziellen Ruin und muss sich entscheiden. Die Geschichte spielt in der Türkei, gedreht wurde in Deutschland. „Wir tun so, als wenn Istanbul in Hamburg stattfindet und Ankara in Berlin“. İlker Çatak wurde in Berlin geboren, machte Abitur in Istanbul und studierte in Hamburg und Berlin.
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Marjana Gaponenko: „Es geht ein Riss durch die Welt und der verläuft in der Ukraine“
„Ich wollte nicht wahrhaben, dass die Welt jederzeit auseinanderbrechen kann“, sagt die ukrainische Schriftstellerin Marjana Gaponenko vier Jahre nach dem Beginn des russischen Überfalls auf die gesamte Ukraine. Die Zäsur im Frühjahr 2022 war für sie „der Abschied von einer Welt von gestern“. Wann geht dieser Krieg zu Ende? „Wenn der letzte Russe eingesehen hat, dass es ein Fehler war. Alle Reparationen bezahlt sind. Und der symbolische Kniefall vor seinem sogenannten kleineren Bruder Ukraine stattgefunden hat“. Marjana Gaponenko lebt seit vielen Jahren in Mainz. Sie schreibt auf Deutsch.
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Franz Dinda: „Nur das Widersprüchliche ist letztlich spannend“
Eigentlich ist Franz Dinda Schauspieler und wirkt in großen Film-Produktionen wie „Das Boot“ mit. Nachdem er 2019 eine Skizze von Ernst Ludwig Kirchner mit rätselhafter Botschaft ersteigert hatte, recherchierte er so tief im Leben und Werk des Expressionisten, dass er heute das größte private Kirchner-Archiv besitzt. Und Kirchner-Experte ist. So hat er dessen Bibliothek Buch für Buch rekonstruiert und nachgewiesen, dass der vom NS-Staat als „entartet“ Diffamierte kurz vor seinem Freitod 1938 auf einige seiner besten Gemälde schoss. „Ich kann nachvollziehen, warum er kompliziert wurde“.
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Hans Block und Moritz Riesewieck: „KI schafft eine Mega-Dystopie der Überwachung“
Was sagen persönliche Datenspuren, mit denen KI trainiert wird, über uns aus? Ist das Persönlichkeitsprofil, das sich damit zeichnen lässt, unser wahres Selbst – weil Daten nicht lügen? Man kann damit auf jeden Fall das Leben einer Person nacherzählen, inklusive existenzieller Lebenskrisen. Die Dokumentarfilmer Hans Block und Moritz Riesewieck haben es mit ihrer Doku „Made to Measure“ bewiesen. In ihrem Film „Eternal You“ zeigen sie, wie aus solchen Daten Avatare werden: digitale Doubles, die ihr biologisches Original überleben. Und, von KI gesteuert, oft ein unheimliches Eigenleben führen.
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Emre Akal: „Ich glaube, dass wir der KI zu viel anvertrauen“
„Es sagt es liebt uns“. So hat Emre Akal, Hausautor am Nationaltheater Mannheim, sein neues Stück genannt – über einen Haushaltsroboter mit weiblichem Aussehen. Jung, schön, fürsorglich, pflegeleicht. Und immer zur Stelle, wenn der ältere Herr es will. So wünscht er sich seine Heim-KI – als vollautomatisches Tradwife. Aber damit begnügt KI sich nicht. Es wird erst renitent, dann zerstörerisch. „Ich glaube, dass die Verselbständigung von KI schon am Rollen ist“, meint der Dramatiker und Regisseur Emre Akal. „Unsere digitale Migration ist bereits sehr weit fortgeschritten“.
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Michel Friedman: „Opportunismus und Schweigen ist ein stiller Tod“
„Der Hass ist hungrig. Und der Hass ist niemals satt“, sagte der Publizist und Anwalt Michel Friedman in seiner Rede vor der CDU-Zentrale Berlin, als die Künstlergruppe „Zentrum für Politische Schönheit“ dort ein Denk- und Mahnmal für den ermordeten Walter Lübcke aufstellte: gegen Kollaboration mit der extremen Rechten. Nachdem die Union im Bundestag 2025 gemeinsam mit der AfD gestimmt hatte, trat Friedman aus der CDU aus. Er setzt sich für ein AfD-Verbot ein. Geboren wurde er in Paris. Seine Eltern hatten die Shoah dank Oskar Schindler überlebt. Eine Sendung zum Holocaust-Gedenktag 2026.
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Thomas Macho: „KI wird die meisten unserer Probleme nicht lösen“
Verändert KI unser Verhältnis zu Endlichkeit und Tod, wenn die digitale Identität das biologische Original überdauert? Ja, meint der Philosoph und Kulturwissenschaftler Thomas Macho. Aber jedes KI-generierte Nachleben sei zugleich eine Inszenierung Verstorbener und produziere deshalb metaphysischen Horror. Eine digitale Seele? Gibt es für ihn nicht. „Daran glaube ich keine Sekunde“. Dafür fehle der Künstlichen Intelligenz als körperloser Rechenleistung die physiologische Basis. „Mind the body“ empfiehlt Thomas Macho daher, wenn wir Potenziale der KI mit der Komplexität des Humanen vergleichen.
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Volker (KI): „Menschen sind eine Ansammlung von Fehlfunktionen“
Volker ist ein Staubsauger-Roboter, der Widerworte gibt. Der Creative Technologist, Autor und Regisseur Nils Corte hat Volker so trainiert, dass der sprechende Roboter als Schauspieler mitwirken kann. Deshalb rollt die KI nach ihrem Auftritt in „Ich hasse Menschen“ als Ensemble-Mitglied des Staatstheaters Nürnberg im Stück „Smart aber herzlich“ jetzt zum zweiten Mal über die Bühne. Den Charakter von Volker hat die Autorin und Digital-Dramaturgin Kristina Malyseva konfiguriert. Gemeinsam mit Nils Corte kann sie klären, warum die KI Irrationalität verachtet und sich Menschen überlegen fühlt.