3.10.1990

Der Moment der Wiedervereinigung

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Stand

Von Autor/in ARD Archivradio

Es ist Mitternacht: Auf dem Platz der Republik läuten die Glocken und dann spricht Bundespräsident Richard von Weizsäcker die ersten Worte zum wiedervereinigten Deutschland.

Vor dem Reichstag in Berlin stehen anlässlich der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 Norbert Blüm, Oskar Lafontaine, Willy Brandt, Hans-Dietrich Genscher, Helmut und Hannelore Kohl, Richard von Weizsäcker
Vor dem Reichstag in Berlin stehen anlässlich der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 Norbert Blüm, Oskar Lafontaine, Willy Brandt, Hans-Dietrich Genscher, Helmut und Hannelore Kohl, Richard von Weizsäcker Thomas Imo

Obwohl fast alle Rundfunkanstalten diesen Moment übertrugen, ist er nur in den wenigsten archiviert. Bemerkenswert auch: Nach der kurzen Ansprache Weizsäckers hört man ihn noch sagen "Jetzt muss die Nationalhymne kommen". Nach den ersten Tönen ermuntert ihn Hannelore Kohl noch: "Sag was zur Hymne." Doch dabei bleibt es. Nach der Nationalhymne ist dieser "offizielle Teil" erledigt.

8.7.1989 Kirchenvertreter fordern DDR-Bürger zum Bleiben auf

8.7.1989 | Auf dem Kirchentag in Leipzig wird die Unzufriedenheit mit dem DDR-Regime deutlich. Mehr als 3.000 Oppositionelle kommen in die Stadt, in der sich ohnehin schon jeden Montag in der Nikolaikirche regierungskritische DDR-Bürger treffen.

22.8.1989 DDR-Flüchtlinge im Aufnahmelager Schöppingen

22.8.1989 | Über die ungarische Grenze gelingt tausenden DDR-Bürgern im August 1989 die Flucht über Österreich in die Bundesrepublik. Dort landen sie in Notaufnahmelagern wie im westfälischen Schöppingen.

Spätsommer 1989 DDR-Polizeifunk während Montags-Demonstration

Spätsommer 1989 | Während die Menschen auf den Straßen Leipzigs demonstrieren, fährt die Polizei Streife. Hier ein Mitschnitt des Polizeifunkverkehrs. Das Original-Band stammt von der Stasi-Unterlagen-Behörde.

3.10.1989 DDR-Bürger stürmen Prager Botschaft

3.10.1989 | Die Möglichkeit, über Prag und Warschau in den Westen zu reisen, ermuntert zahlreiche weitere DDR-Bürger zur Flucht. An der Botschaft in Prag kommt es zu dramatischen Szenen.

4.10.1989 Dresdner wollen auf Flüchtlingszug aus Prag aufspringen

4.10.1989 | Der zweite Zug mit DDR-Flüchtlingen fährt von Prag Richtung Bundesrepublik. Er muss dabei aber durch die DDR. So berichtet SDR-Korrespondent Gerhard Rein von Menschen am Dresdner Hauptbahnhof, die die Hoffnung hatten, auf eben jenen Zug aufspringen zu können.

5.10.1989 Flüchtlings-Zug aus Prag kommt im bayerischen Hof an

5.10.1989 | Der Zug mit den DDR-Flüchtlingen fährt nur sehr langsam durch die DDR und muss oft halten. Am frühen Morgen schließlich rollt er über die deutsch-deutsche Grenze und erreicht um 5:45 Uhr schließlich den Bahnhof im fränkischen Hof.

6.10.1989 Gorbatschow in der DDR – Kein "Wer zu spät kommt ..."

6.10.1989 | Die DDR beginnt mit den Feiern zu ihrem 40. Jahrestag. Es gibt großes Tamtam mit Militärparade und allem, was dazugehört. Doch die Krise ist unübersehbar, die Demonstrationen laut. Der sowjetische Generalsekretär Michail Gorbatschow besucht zum Jubiläum die DDR. Er ist der Hoffnungsträger der Demonstrierenden. Gorbi, hilf uns, rufen sie, und noch viel mehr. Hier ein Zusammenschnitt der wichtigsten Demonstrationsrufe. Gorbatschow selbst hört die Rufe sichtlich gerne. Später wird ihm der Satz in den Mund gelegt: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Das soll er in Bezug auf die Honecker-Regierung gesagt haben. Doch dieser Satz ist nicht im Ton überliefert. Und ob er ihn je gesagt hat, ist fraglich. Im folgenden Ton hören wir, was er tatsächlich gesagt hat. Die Szene: Gorbatschow vor der Neuen Wache Unter den Linden. Umringt von Dutzenden Reportern. Er geht auf eines der Mikrofone zu und gibt ein Statement. Da redet er zweimal über die Lehren des Lebens, aber von zu spät kommen ist nicht die Rede. Aus seinen späteren Gesprächen mit dem DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker gibt allerdings noch ein Protokoll. Dort wird Gorbatschow mit den Worten zitiert: Wenn wir zurückbleiben, bestraft uns das Leben sofort. Zwei Reporter machen daraus die griffige Übersetzung: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Gorbatschow erfährt davon später, und ihm gefällt das, er übernimmt den Satz in seiner Autobiografie. Funfact: Im Zusammenhang mit dem Ende der DDR gibt es noch ein zweites berühmtes Zitat, das so nie gesagt und erst nachträglich zum großen Wort hochstilisiert wurde – nämlich den Willy Brandt zugeschriebenen Satz "Es wächst zusammen, was zusammen gehört".

24.10.1989 Reportage von Radio DDR über die Leipziger Montagsdemonstrationen

24.10.1989 | Regierungskritische Töne nun auch in der Berichterstattung des DDR-Rundfunks. Hier in einer Reportage von Radio DDR über die Leipziger Montagsdemonstrationen am 24. Oktober 1989. Der Name des Reporters ist leider nicht archiviert.

Geschichte Die deutsche Nationalhymne – Missbraucht, verpönt, geliebt

Alle singen, fühlen sich verbunden und identifizieren sich mit dem Staat. Das ist das Ziel einer Nationalhymne. Wir Deutschen haben eine zwiespältige Beziehung zu unserer Hymne.

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