1860 bis 1920

Früheste Tonaufnahmen

Teilen

Stand

Das Speichern von Klängen war eine Revolution im 19. Jahrhundert. Die älteste erhaltene Aufnahme stammt aus dem Jahr 1860. Sie entstand noch bevor Thomas Edison der Welt seinen Phonographen präsentierte.

In Deutschland stammen viele frühen Aufnahmen aus der Sammlung Doegen.

24.12.1899 Älteste Weihnachtsaufnahme: Kaufmann Adolf Rechenberg schenkt seiner Frau einen Phonographen

24.12.1899 | Weihnachten 1899 beglückt Bergwerksbesitzer Adolf Rechenberg aus der Niederlausitz seine Frau Anneliese mit dem neuesten Hightech-Spielzeug: Einem Edison-Phonographen. Und er hat die originelle Idee, sich selbst bei der Geschenkübergabe aufzunehmen.
Zunächst mahnt er seine Kinder mit einem "Silentium" zur Ruhe und weist ihnen ihren jeweiligen Platz auf dem Sofa zu. Anschließend spricht er zu seinem "lieben, guten Weib". | http://swr.li/weihnachtsphonograph

31.12.1899 Älteste erhaltene Silvesteransprache – Adolf Rechenberg begrüßt das Jahr 1900

31.12.1899 | Nachdem Bergwerksbesitzer Adolf Rechenberg seiner Frau zu Weihnachten einen Edison-Phonographen geschenkt hat, beeindruckt er damit schon eine Woche später die Gäste seiner Silvesterfeier. Er hält um kurz vor Mitternacht eine kleine Ansprache, die er auch auf dem neuen Gerät festhält. So entsteht die älteste erhaltene Silvesteransprache der Welt. Und zugleich: Neujahrsansprache – denn am Ende begrüßt er das Jahr 1900.

Friedrichshafen

1900 / 1938 Erster Zeppelin hebt ab – Konstrukteur Ludwig Dürr erinnert sich

1900/1938 | 1899 lässt Graf Ferdinand von Zeppelin am Bodensee sein erstes Luftschiff bauen, die LZ 1. Ein Jahr später, am 2. Juli 1900, erhebt es sich zum ersten Mal in die Luft. Ludwig Dürr – Zeppelins langjähriger Chefkonstrukteur – erinnert sich an diesen bedeutenden Moment. Das Interview stammt vom 5. Juli 1938.

12.10.1901 Kaiser Franz Joseph testet ersten "Anrufbeantworter"

12.10.1901 | Ende des 19. Jahrhunderts gab es Telefone und es war möglich, Klänge und Sprache aufzuzeichnen. 1898 wurden beide Techniken kombiniert: die ersten "Anrufbeantworter" waren geboren.

Echterdingen

4.8.1908 / 1983 Das Zeppelinunglück von Echterdingen

4.8.1908 / 1983 | Ein Zeppelin über Stuttgart! Das war 1908 eine Sensation, die leider in einem großen Unglück endete. Bei einer Notlandung in Echterdingen verbrennt die LZ 4. Augenzeugen erinnern sich 1983 an diesen Tag.

18.12.1908 Christabel Pankhurst fordert das Frauenwahlrecht

18.12.1908 | Christabel Pankhurst war eine britische Suffragette. Mit öffentlichen Protesten, Verbalattacken auf ranghohe Politiker und Hungerstreiks setzte sie sich für Frauenrechte ein.

1915 Dank an die Funktionäre des österreichischen Roten Kreuzes

1915 | Spricht den Dank für den Tätigkeitsbericht des Jahres 1915 im Namen des Kaisers aus / Höchste Anerkennung für die erzielten Ergebnisse / Das Rote Kreuz hat sich um die "heldenhaft kämpfenden Armeen" Verdienste erworben

1915 Schlacht in den Karpaten (Hörbild)

1915 | Hörbilder wurden auf Tonwalzen oder Wachsplatten gespeichert und sind bereits Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Es gab bereits während des Ersten Weltkriegs Aufnahmen von Spielszenen, kurzen Lesungen oder humoristischen Einlagen.

18.8.1915 Glückwunsch an Franz Joseph im Namen von Armee und Flotte

18.8.1915 | Der Oberkommandierende der österreichischen Armee Erzherzog Friedrich gratuliert dem greisen österreichischen Kaiser zum Geburtstag. Er bekundet seine "schwärmerische Liebe und Verehrung".

3.5.1918 Naturphilosoph Ernst Haeckel über die Einheit der Natur und "Kristallseelen"

3.5.1918 | Ernst Haeckel (1834 - 1919) war einer der einflussreichsten Naturphilosophen des 19. Jahrhunderts. Er war Mediziner, Zoologe, Philosoph und ein großer Unterstützer von Charles Darwins Evolutionstheorie. Er konnte auch ziemlich gut zeichnen. In seinem Sammelband "Kunstformen der Natur" hat er wunderbare, hochästhetische Zeichnungen von Organismen aller Art hinterlassen. Allerdings vertrat er auch die Ideologie der Rassenhygiene und der Eugenik, die später von den Nazis bereitwillig aufgenommen wurden.
Haeckel bewegte sich oft an der Grenze zwischen Wissenschaft und Philosophie. Er formulierte etwa die sogenannte biogenetische Grundregel, die im Kern besagt, dass jeder Organismus in seiner Embryonalentwicklung noch einmal die gesamte Evolution seiner Art rekapituliert. Platt gesagt: Ein menschlicher Fötus im Mutterleib durchläuft im frühen Stadium noch einmal etwa eine Fisch- und eine Amphibienphase. Eine interessante Theorie, die aber so nicht mehr haltbar ist.
Ein wenig esoterisch klingt auch ein Vortrag aus dem Jahr 1918 zum Thema "Kristallseelen". Haeckel liest aus seinem gleichnamigen Buch, das ein Jahr zuvor erschienen war. Darin wirbt er zunächst für die Idee von der Einheit der Natur – eine Ansicht, die auch der modernen Naturwissenschaft nicht fremd ist. Sie besagt im Wesentlichen, dass alle Erkenntnisse etwa über das Leben auf der Erde am Ende mit physikalischen Gesetzen im Einklang stehen müssen. Haeckel dreht dabei aber den Spieß um und erklärt, dass sich das Konzept der Seele auch auf tote Materie – wie eben Kristalle – übertragen lasse. Dabei nimmt er Bezug auf mehrere Bücher aus dem Jahr 1904, in denen andere Autoren ähnliches behaupten. | Transkript des schwer verständlichen Vortrags und mehr zum Thema: http://swr.li/haeckel-kristallseelen

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
SWR