Wahlen eine Farce, aber "deutsche Technik" soll beeindrucken
Am 29. März 1936 ließen die Nationalsozialisten im Deutschen Reich noch einmal sogenannte Wahlen stattfinden. Es gab allerdings nur eine Einheitsliste. Dort konnte man sein Kreuzchen machen. Stimmzettel ohne Kreuzchen wurden ebenfalls als Zustimmung gewertet.
Das Ganze war also eine Farce, und trotzdem war es Hitler und seiner NSDAP wichtig, Wahlkampf zu machen. Dazu schickten sie die beiden großen Luftschiffe, die "Hindenburg" (LZ 129) und die "Graf Zeppelin" (LZ 127) auf spektakuläre Deutschlandfahrt von Kiel über Hamburg über Helgoland nach Bremen. Über Kurzwelle wurden Live-Gespräche geführt zwischen der Bodenstation bzw. dem Funkhaus in Hamburg und der "Hindenburg".
Es war die gleiche "Hindenburg", die ein Jahr später in Lakehurst auf tragische Weise abstürzte – die Reportage vom Absturz haben wir auch im Archivradio. Hier nun die Propagandafahrt vom 27. März 1936 – zwei Tage vor den "Wahlen".
Viele weitere Tonaufnahmen aus der Geschichte der frühen Luftfahrt gibt es im Archivradio.
Im Bild: Die Luftschiffe LZ 129 "Hindenburg" und LZ 127 "Graf Zeppelin" am 28.3.1936 über Berlin
Zeppelin
4.8.1908 / 1983 Das Zeppelinunglück von Echterdingen
4.8.1908 / 1983 | Ein Zeppelin über Stuttgart! Das war 1908 eine Sensation, die leider in einem großen Unglück endete. Bei einer Notlandung in Echterdingen verbrennt die LZ 4. Augenzeugen erinnern sich 1983 an diesen Tag.
24.8.1908 Graf Zeppelin über die Zukunft der Luftschiffe
24.8.1908 | Graf Zeppelin (1838 - 1917) spricht in einer Original-Tonaufnahme über die Zukunft der Luftfahrt.
1914 Eroberung Lüttichs im Hörbild
August 1914 | Die Eroberung der belgischen Stadt Lüttich im August 1914 war der erste größere Angriff der deutschen Armee im Ersten Weltkrieg. Lüttich wird – damals eine neue Kriegstechnik – vom Zeppelin aus bombardiert. Dieses aufwändige Hörbild inszeniert den Angriff wie eine spielerische Angelegenheit. Tatsächlich sind Tausende in diesen Kämpfen gestorben. Zwischendurch hört man den bekannten Propaganda-Schlachtruf: "Jeder Schuss ein Russ, jeder Stoß ein Franzos, jeder Tritt ein Brit."
12.10.1924 / 7.9.1925 Atlantik-Überquerung: Per Luftschiff von Friedrichshafen nach New York
12.10.1924 / 7.9.1925 | 1924 fährt die LZ 126 von Friedrichshafen nach Lakehurst bei New York. Hugo Eckener, Nachfolger von Graf Zeppelin, erzählt darüber 1925.
1.8.1929 / 5.7.1938 Erste Weltfahrt mit dem Luftschiff – Hugo Eckener erzählt
1.8.1929 / 5.7.1938 | Einmal um den Globus in 35 Tagen: die erste Weltumfahrung mit einem Luftschiff, der LZ 127. Die Fahrt geht über Sibirien, Japan und den Pazifik.
30.7.1931 Arthur Koestler über die Zeppelinfahrt in die Arktis
30.7.1931 | Nach der Weltumfahrung 1929 startet am 24. Juli 1931 eine große Forschungsexpedition Richtung Nordpolarmeer – wieder mit der LZ 127. Mit diesen spektakulären Fahrten will Hugo Eckener, Nachfolger von Graf Zeppelin, die Leistungsfähigkeit der Luftschiffe unter Beweis stellen. Mit an Bord der LZ 127 ist Arthur Koestler – der später als Schriftsteller weltberühmt werden sollte. Als das Luftschiff am 30. Juli nach Berlin zurückkehrte, war Koestler einer der Gästen beim großen Empfang auf dem Tempelhofer Flughafen.
18.4.1932 Südamerika und zurück: regelmäßiger Passagierverkehr mit dem Luftschiff
18.4.1932 | Friedrichshafen – Rio de Janeiro: Nach den aufsehenerregenden Fahrten der LZ 127 einmal um die Welt und in die Arktis, fährt das Luftschiff nun regelmäßig nach Südamerika. Hugo Eckener stellt dabei die Vorzüge gegenüber den Dampfschiffen heraus.
Propellerbetriebene Flugzeuge hatten Anfang der 1930er Jahre noch keine große Reichweite – der Zeppelin schon.
Übrigens: Im Jahr der Aufnahme wurde Hugo Eckener, der Kopf der Zeppelin-Luftfahrt, auch als Kandidat für das Amt des Reichspräsidenten gehandelt. Er zog seine Bewerbung aber dann zugunsten Hindenburgs zurück.
6.5.1937 Explosion der "Hindenburg" in Lakehurst
6.5.1937 | 1936 geht das damals größte Luftschiff der Welt "Hindenburg" in Betrieb. Es fährt 63 mal über den Atlantik, nach Rio de Janeiro und New York. Am 6. Mai 1937 jedoch kommt es zur Katastrophe, als sich der Wasserstoff im hinteren Teil des Luftschiffs entzündet. 35 Menschen sterben. Die Live-Reportage von Herbert Morrison wurde weltberühmt.