Wirtschaftswunder-Star Ludwig Erhard unter Druck
1966 ist Bundeskanzler Ludwig Erhard drei Jahre im Amt und sein Image ramponiert. Der einstige Star der Wirtschaftswunderjahre hat die Erwartungen nicht erfüllt: Die Wirtschaft schwächelt, außenpolitisch gibt es Spannungen im Verhältnis zu Frankreich. Die CDU verliert an Zustimmung. In der Partei rumort es schon länger.
Die CSU unter Franz Josef Strauß denkt laut darüber nach, Erhard ein Ultimatum zu stellen. Auch in der CDU-Führungsmannschaft wird über einen Kanzlertausch nachgedacht. Dann wird es plötzlich konkret. Um ein Haushaltsloch zu stopfen, will Erhard Steuern erhöhen. Sein Koalitionspartner, die FDP, weigert sich. Am 27. Oktober 1966 treten die vier FDP-Minister zurück, Erhards Regierung hat keine Mehrheit mehr. Erhard selbst erklärt sich grundsätzlich bereit, zurückzutreten. Jetzt wird offen über Ersatzkandidaten spekuliert.
Kurt Georg Kiesinger: "keinerlei Karriere-Ehrzeiz"
Zwei Kandidaten werden heiß gehandelt: Der eine ist Parlamentspräsident Eugen Gerstenmaier – es ist kein Geheimnis, dass er Interesse hat. Ein anderer ist der Baden-Württembergische Ministerpräsident Kurt Georg Kiesinger. Der wird es später auch, will Anfang November 1966 aber nicht zu schnell vorpreschen: In einer Pressekonferenz wiegelt er ab und weist eigene Ambitionen auf das Kanzleramt zurück. Er wolle in Baden-Württemberg bleiben.
Kiesinger wird Kanzlerkandidat, Erhard tritt zurück
Bereits eine Woche später, am 10. November 1966, wählt die CDU Kiesinger zum neuen Kanzlerkandidaten. Er versucht zunächst, die FDP wieder ins Regierungsboot zu holen, doch die will nicht. Anschließend verhandelt Kiesinger mit der SPD unter Willy Brandt. So kommt es zur ersten Großen Koalition der Bundesrepublik. Als das geklärt ist, tritt Erhard auch formal zurück und Kiesinger wird am 1. Dezember 1966 zum Bundeskanzler gewählt.
21.6.1948 Ludwig Erhard begrüßt die Währungsreform
21.6.1948 | Mehr Freiheit in der Wirtschaft. Freier Konsum, freie Berufswahl: Die Währungsreform wird ein drohendes politisches Chaos verhindern – hofft Ludwig Erhard.
14.8.1949 Erste Bundestagswahl – Adenauer wartet mit Reporter auf das Ergebnis
14.8.1949 | Am 14. August 1949 dürften die Westdeutschen erstmals den Bundestag wählen. Dass der seinen Sitz in Bonn haben wird, war drei Monate zuvor schon entschieden worden. Auch der CDU-Politiker Konrad Adenauer hatte als Präsident des Parlamentarischen Rats seinen Einfluss für Bonn geltend gemacht. Jetzt ist Konrad Adenauer Kanzlerkandidat der CDU. Ihm werden die besten Chancen eingeräumt.
Noch ist das Ergebnis nicht da. In diesen Nachkriegsjahren gibt es noch keine Wahlsondersendungen, die um Punkt 18 Uhr die ersten Prognosen senden. Konrad Adenauer wartet bei sich zu Hause in Rhöndorf auf das Ergebnis, zusammen mit dem Reporter Werner Labriga, und sinniert über die Bedeutung dieser ersten freien Wahl nach der Zeit des Nationalsozialismus.
7.9.1949 Erste Sitzung des Deutschen Bundestags
7.9.1949 | Auf die ersten Bundestagswahlen im August 1949 folgt am 7. September die erste Bundestagssitzung. Sie wird live im Radio übertragen. Eröffnet wird sie durch den Alterspräsidenten Paul Löbe (SPD). In seiner Rede würdigt er die Bedeutung dieser ersten Sitzung eines frei gewählten Parlaments seit der Machtergreifung Hitlers 1933. Anschließend wird der Bundestagspräsident gewählt – der CDU-Politiker Erich Köhler. Es folgen die Wahl der Stellvertreter sowie weiterer Ämter.
Ganz am Ende wird es kurz turbulent, als Erich Ollenhauer für die SPD-Fraktion eine Abstimmung darüber fordert, den Sitz der Bundesorgane von Bonn nach Frankfurt am Main zu verlegen. Der Bundestagspräsident sagt zu, diesen Antrag im Ältestenrat zu besprechen.
Dies ist der Mitschnitt der Bundestagssitzung, wie er archiviert ist – lediglich zwei längere musikalische Passagen sind herausgeschnitten.
Der Bundeskanzler wird in dieser ersten Bundestagssitzung noch nicht gewählt – das passiert erst in der Folgewoche am 14. September 1949. Die Wahl fällt erwartungsgemäß auf den CDU-Politiker Konrad Adenauer.
7.11.1962 Konrad Adenauer sieht "Abgrund von Landesverrat"
7.11.1962 | Bundeskanzler Konrad Adenauer bekommt durch die SPIEGEL-Affäre mächtig Druck – von der Opposition, aber auch vom Koalitionspartner FDP. Adenauers Verteidigungsminister Franz Josef Strauß soll in die Verhaftung mehrerer SPIEGEL-Redakteure verwickelt gewesen sein. Aber der Bundeskanzler nimmt seinen Minister in Schutz. Den Redakteuren des SPIEGEL dagegen wirft er – die Unschuldsvermutung ignorierend – Landesverrat vor. Am 7. November 1962 verteidigt Konrad Adenauer in einer turbulenten Bundestagsdebatte sein Vorgehen und die Behörden.
Nur wenige Tage nach dieser Bundestagsdebatte, am 19. November 1962, treten die FDP-Minister der Adenauer-Regierung geschlossen zurück. Daraufhin nimmt auch Verteidigungsminister Strauß seinen Hut. Es ist der Anfang vom Ende der Ära Adenauer, der im Dezember 1962 ein letztes Mal ein neues Kabinett zusammenstellt.
30.5.1968 Kanzler Kiesinger verteidigt Notstandsgesetze
30.5.1968 | Die Große Koalition beschließt, das Grundgesetz um eine Notstandsverfassung zu ergänzen. Im Fall von Staatskrisen und Katastrophen soll die Regierung die Möglichkeit erhalten, die Grundrechte einzuschränken. Die Außerparlamentarische Opposition der 68er-Bewegung ebenso wie führende Intellektuelle protestieren gegen die Notstandsgesetze. Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger verteidigt sie.
16.5.1974 Helmut Schmidt wird 1974 zum Bundeskanzler gewählt
16.5.1974 | Nachdem Willy Brandt im Zuge der Guillaume-Affäre um einen DDR-Spion im Kanzleramt am 6. Mai 1974 seinen Rücktritt erklärt hat, wird zehn Tage später im Bonner Bundestag sein Nachfolger gewählt.
Helmut Schmidt, der laut eigener Aussage Brandt den Rücktritt noch ausreden wollte, übernimmt am 16. Mai 1974 die Regierungsgeschäfte. Er ist dabei ziemlich nervös, wie im folgenden Beitrag zu hören ist, während sein Vorgänger Brandt den Bundestag allein und schweigsam verlässt.