4.11.1966

Kanzlertausch 1966 – Kiesinger dementiert Ambitionen auf Erhard-Nachfolge

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Von Autor/in ARD Archivradio

Wirtschaftswunder-Star Ludwig Erhard unter Druck

1966 ist Bundeskanzler Ludwig Erhard drei Jahre im Amt und sein Image ramponiert. Der einstige Star der Wirtschaftswunderjahre hat die Erwartungen nicht erfüllt: Die Wirtschaft schwächelt, außenpolitisch gibt es Spannungen im Verhältnis zu Frankreich. Die CDU verliert an Zustimmung. In der Partei rumort es schon länger.

Die CSU unter Franz Josef Strauß denkt laut darüber nach, Erhard ein Ultimatum zu stellen. Auch in der CDU-Führungsmannschaft wird über einen Kanzlertausch nachgedacht. Dann wird es plötzlich konkret. Um ein Haushaltsloch zu stopfen, will Erhard Steuern erhöhen. Sein Koalitionspartner, die FDP, weigert sich. Am 27. Oktober 1966 treten die vier FDP-Minister zurück, Erhards Regierung hat keine Mehrheit mehr. Erhard selbst erklärt sich grundsätzlich bereit, zurückzutreten. Jetzt wird offen über Ersatzkandidaten spekuliert.

Kurt Georg Kiesinger: "keinerlei Karriere-Ehrzeiz"

Zwei Kandidaten werden heiß gehandelt: Der eine ist Parlamentspräsident Eugen Gerstenmaier – es ist kein Geheimnis, dass er Interesse hat. Ein anderer ist der Baden-Württembergische Ministerpräsident Kurt Georg Kiesinger. Der wird es später auch, will Anfang November 1966 aber nicht zu schnell vorpreschen: In einer Pressekonferenz wiegelt er ab und weist eigene Ambitionen auf das Kanzleramt zurück. Er wolle in Baden-Württemberg bleiben.

Kiesinger wird Kanzlerkandidat, Erhard tritt zurück

Bereits eine Woche später, am 10. November 1966, wählt die CDU Kiesinger zum neuen Kanzlerkandidaten. Er versucht zunächst, die FDP wieder ins Regierungsboot zu holen, doch die will nicht. Anschließend verhandelt Kiesinger mit der SPD unter Willy Brandt. So kommt es zur ersten Großen Koalition der Bundesrepublik. Als das geklärt ist, tritt Erhard auch formal zurück und Kiesinger wird am 1. Dezember 1966 zum Bundeskanzler gewählt.

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