„Auf jeden Fall anders“
Reist man Ende Oktober nach Donaueschingen, ist es wie eine Reise ins Herz der Neuen Musik. Hier wird immer wieder aufs Neue die Frage verhandelt: was ist das eigentlich? Die zeitgenössische Musik von heute: experimentell und auf jeden Fall anders. Und wohin geht die Reise? Für die künstlerische Leiterin der Donaueschinger Musiktage Lydia Rilling ist das Zeitgenössische vor allem: divers.
Das was an der Gegenwart so aufregend ist, dass es musikalisch eine unglaubliche Vielfalt gibt. Es gibt nicht eine Szene zeitgenössischer Musik, sondern viele verschiedene. Die oft wenig voneinander wissen und oft getrennt voneinander arbeiten. Und diese an einen Ort zu bringen und Verbindungen herzustellen, ist etwas, was in Donaueschingen auch geschehen soll.
Allein das Symphonieorchester des SWR hebt in jedem Jahr sechs bis acht Uraufführungen aus der Taufe. Dem Orchester gehören auch in diesem Jahr das Eröffnungs- und das Abschlusskonzert.
Donaueschinger Musiktage – LIVE | 5.1-Surround Eröffnungskonzert der Donaueschinger Musiktage 2025
Die Donaueschinger Musiktage sind das weltweit bedeutendste Festival für zeitgenössische Musik. Beim Eröffnungskonzert 2025 geben gleich drei Komponist*innen ihr Orchesterdebüt in Donaueschingen.
Respekt in der Musikszene
François-Xavier Roth leitet des Eröffnungskonzert und hat in seinen frühen Jahren den Kampf innerhalb der Musik erlebt, zum Beispiel mit Menschen, die sich gegen die Musik von Pierre Boulez gestemmt haben. Heute sei das anders:
Heute – das ist auch ein Luxus – gibt es wahrscheinlich viel mehr Respekt zwischen verschiedenen Musiken. Und das ist eine Freude, das zu erleben.
Die Donaueschinger Musiktage stellen unter dem Titel „voices unbound“ Künstlerinnen und Künstler ins Zentrum, die ihre Stimme erheben. Vielstimmigkeit werde gefeiert, weil der künstlerische Ausdruck durch aktuelle politische Entwicklungen gefährdet sei, erklärt Lydia Rilling.
Internationale Gäste
In diesem Jahr ist die britische Turntablistin Mariam Rezaei dabei, der griechisch-französische Komponist Georges Aperghis, der für sechs Singstimmen und die Bratscherin Tabea Zimmermann geschrieben hat. Das Klangforum aus Wien ist zu Gast und zum ersten Mal der New Yorker Komponist und Klangkünstler, Tristan Perich, der ein Werk für fünf Mundharmonikas und Elektronik mitbringt.
Der New Yorker komponiert für Instrumente, die traditionell ganz in der Nähe von Donaueschingen, in Trossingen, hergestellt werden. Zu erleben ist das Open-Air-Konzert auf dem Lammplatz.
Gespielt wird traditionell aber vor allem in Turnhallen auf improvisierten Bühnen. Auch für die Musiker des SWR Symphonieorchesters ist das immer ein besonderer Moment im Konzertjahr.