Gehörlos geflüchtet – Juriis besondere Geschichte

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Ich habe meine Frau und Kinder gepackt und bin geflohen.

In der Nacht vom 24. Februar 2022 verändert sich Juriis Leben für immer. Er wird von Explosionen geweckt – von ihren Erschütterungen, denn Jurii kann sie nicht hören. Als Kind verliert der heute 66-Jährige fast vollständig sein Gehör, vermutlich durch eine Erkrankung. Jurii besucht ganz normal die Schule, bis ein Ereignis zeigt, dass etwas anders ist: „Die Lehrerin sagte den Kindern, dass sie am nächsten Tag nicht zur Schule gehen sollen. Ein Ausflug: Alle Kinder sollten gemeinsam in den Wald gehen. Ich war der Einzige, der in die Schule kam – keines der Kinder war da.“

Es dauert eine Weile, bis Juriis Hörschädigung erkannt wird. Später besucht er eine Schule für hörgeschädigte Menschen. Bis heute kann Jurii neben der ukrainischen Gebärdensprache auch die ukrainische Lautsprache. Deswegen hat er in unserem Interview auch alle Antworten selbst gesprochen.

Flucht aus der Ukraine

2022 flieht Jurii dann mit seiner Frau und seinen Kindern nach Ludwigshafen. Die Flucht in ein fremdes Land bedeutet für ihn nicht nur, alles zurückzulassen. Sie bedeutet auch: eine neue Stille in einer fremden Welt. Die Integration über die Sprache ist für Jurii deutlich schwerer als für andere Geflüchtete. In Ludwigshafen gibt es keinen Sprachkurs für Gehörlose. Also lernt Jurii zunächst die deutsche Gebärdensprache – diese ist eine eigenständige Sprache und unterscheidet sich somit komplett von der ukrainischen Gebärdensprache. Der 66-Jährige lernt also zwei Fremdsprachen auf einmal – ohne ein einziges Wort zu hören.

Mir ist es wichtig die Sprache zu lernen, ich lerne jeden Tag deutsch – meine Frau hilft mir mit der Aussprache. Das Wichtigste für mich ist, dass ich geschriebene Texte verstehen kann.

Jurii sagt, dass die Sprache für ihn der Schlüssel zur Integration ist. Beim Verein „Kinderhilfe Ukraine” Rhein-Neckar findet er nicht nur Unterstützung, sondern wird selbst zur Stütze für andere. Er leitet eine Gruppe für gehörlose Ukrainerinnen und Ukrainer.

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