Johannes holpriger Weg zur Buchbinder-Leidenschaft

Bauch vs. Kopf: Johannes möchte trotz ungeschickter Hände Buchbinder werden. Sein Weg zur Leidenschaft ist nicht immer leicht.

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Von Autor/in Nico Bähr, Michèle Kraft

Das alles auszuhalten, ging nur, weil ich mir etwas von diesem Beruf versprochen habe.

Johannes bleibt in der Schule mehrmals sitzen und weiß als junger Erwachsener immer noch nicht, was er mal werden soll. Die einfachste Lösung: Er geht zur Buchbinderei in seiner Straße. Als er das erste Mal die Buchbinderei betritt, ist er völlig unerwartet hin und weg: „Da war mehr als ein gutes Bauchgefühl, es hat den ganzen Körper eingenommen. Ich habe mich hier in die Werkstatt verliebt.“

Ein steiniger Weg lag vor ihm

In der Werkstatt riecht es wie in seinen Kindheitserinnerungen, so wie das Papier aus der Firma seines Großvaters. Die Entscheidung für die Ausbildung ist Gefühlssache. Rein rational sagt sich Johannes, dass Buchbinden nicht zu ihm passt: „Ich hatte noch nie etwas mit den Händen gearbeitet. Mir wurden Aufgaben gestellt, die ich nicht bewältigen konnte. Diese spontan auftretende Leidenschaft, die schuf dann Leiden.“ Die anderen in der Werkstatt machen sich über sein Missgeschick lustig. Gerade so besteht er seine Prüfung.

Mit dem Zeugnis war ich zufrieden und die anderen lagen vor Lachen unterm Tisch, weil darin stand: ‚Er war stets bemüht, sich einen Überblick zu verschaffen.‘ Das beschreibt es eigentlich ganz gut: Ich habe immer versucht, mir einen Überblick zu verschaffen, aber es schien mir nicht zu gelingen.

Das Bauchgefühl hat Johannes durchhalten lassen

Trotz Arbeitslosigkeit nimmt er zuerst keine Stelle als Buchbinder an. „Ich habe beim Arbeitsamt erklärt, ich wandere aus, damit er mich in Ruhe lässt.“ Doch der Beamte der Arbeitsagentur lässt nicht locker, weil dringend Gesellen gebraucht werden. „Da habe ich gesagt: ‚Okay, wir machen die Probezeit‘ und war dann sieben Jahre dort. Dort habe ich meine anderen Talente entdeckt.“

Obwohl sein Weg schwer war, ist Johannes froh, dass er aufgrund seines ersten guten Bauchgefühls durchgehalten hat: „Es war etwas Irrationales, das mich gehalten hat – und dieses Irrationale hat sich letztendlich als mein Glück erwiesen.“

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