Die 26-jährige Lilith aus Nierstein ist Künstlerin. Vor knapp einem Jahr bekommt sie eine niederschmetternde Diagnose: Multiple Sklerose. „Tatsächlich habe ich diesen Moment gar nicht so wirklich wahrgenommen. Was das eigentlich bedeutet, kam erst auf mich niedergeschlagen, als ich wieder zuhause war."
Eine Woche nach der Diagnose fängt Lilith an zu malen. Eigentlich ist sie Fotografin. Doch die Krankheit verursacht bei ihr Sehstörungen. Sie sucht nach anderen Ausdrucksmitteln – und findet ihren alten Wasserfarbkasten. Lilith malt, was in ihr vorgeht, was niemand sieht. MS ist als "Krankheit der 1000 Gesichter" bekannt. Betroffene leiden unter den unterschiedlichsten Symptomen. Auch ihr Projekt nennt sie deshalb "1000 Gesichter".
"Ich habe versucht, diese Krankheit, die sehr komplex ist, in ihre Einzelteile aufzusplitten. Um sie besser verstehen zu können. Das habe ich auch fürs Verständnis so gemacht, dass ich jedem einzelnen Aspekt meiner MS ein eigenes Gesicht gegeben habe."
Bereits als Vierjährige fotografiert Lilith gerne. Ihre Kindheit empfindet sie als schwierig. "Ich war eigentlich immer der Außenseiter. Habe nie wirklich irgendwo dazu gehört. Habe mich immer fehl am Platz gefühlt. Und hatte damals schon eine Tendenz zum Düsteren."
Das Gefühl anders zu sein, beeinflusst ihre Kunst. Auch in ihren Fotografien setzt sie sich mit sich selbst auseinander. Genauso wie in „1000 Gesichter“. Unter dem Künstlernamen "Adam's Lilith" teilt sie ihre Bilder in den sozialen Medien.
"Ich bekomme sehr viel positives Feedback. Ich hatte auch einmal – das ist eigentlich die schönste Nachricht, die ich bisher bekommen habe – von einer eine Nachricht bekommen, die allerdings kein MS hat, sondern mit Migräne zu kämpfen hat. Sie schrieb, dass sie meine Bilder nutzen konnte, um ihrer Mutter zu zeigen, wie sie sich fühlt. Diese Reaktionen geben mir das Gefühl, dass das, was ich tue, wichtig ist. Nicht nur für mich."
Dennoch hat Lilith ein klares Ziel für sich: Sie will von ihrer Kunst leben können.
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