Bestatter dürfen weinen. Aber ich finde, das ist eher ein Zeichen, dass ich das zu nah an mich rangelassen habe.
Ein Job zwischen Tod und Leben – mit der ganzen Familie
Emily hat den Tod bereits ab Geburt in ihrem Leben – ihre Eltern sind beide Bestatter, auch ihr Groß- und Urgroßvater haben schon im Familienbetrieb gearbeitet. Emily ist die 4. Generation im Bestatter-Familienbetrieb. Die Arbeit mit der eigenen Familie führt auch zu Situationen, über die Emily heute schmunzelt: „Da hatte ich mich mit Opa gestritten, er ist gegangen und hat gesagt, dass ich ihn heute gar nicht mehr anrufen muss. Und zwei Minuten später ruft die Polizei an, dass es eine Abholung gibt. Da ist Opa noch nicht mal vom Hof gefahren, musste ich ihn anrufen und sagen: Komm bitte wieder, ich brauche dich jetzt!”
Wie der Job des Bestatters Emilys Leben verändert
Auch wenn Menschen bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommen, kümmern sich Emily oder ein anderes Familienmitglied um die Verstorbenen: „Das ist dann natürlich schon was, wo man sich ein bisschen mehr Gedanken drüber macht. Gerade auch, wenn die Menschen dann jünger sind, wenn sie dann vielleicht auch so im Alter von einem selbst sind.”
Auch die Sicht aufs Leben beeinflusst der Job: „Man geht bewusster mit seinem eigenen Leben um. Ich schaue, dass ich aus jedem Tag etwas Positives ziehen kann. Das klappt mal mehr, mal weniger. Aber ich versuche, ein Bewusstsein dafür zu haben, dass das Leben endlich ist und auch schneller vorbei sein kann, als man denkt”. Und auch beim Thema, welche Filme Emily gerne bzw. nicht so gerne schaut, spielt ihr Job eine Rolle: „Horrorfilme, bei denen bei den Obduktionen Menschen wieder auferstehen, finde ich ganz schwierig. Das kann ich nicht anschauen.”
Die Dankbarkeit der Menschen gibt ihr Kraft
Eine Sache, die Emily an ihrem Job sehr schätzt, ist die Dankbarkeit der Menschen: „Die Menschen sind wirklich dankbar dafür und sehen, was wir für eine große Stütze sind in der Zeit der Trauer, in der Zeit des Abschiednehmens. Bei uns werden so viele Dankesarten abgegeben und Blumen vorbeigebracht. Oder auch, wenn die Menschen einen nach einer Trauerfeier in den Arm nehmen und sich dafür bedanken. Das ist auch das, was uns Kraft gibt. Denn wir wissen: Alles, was wir geben, und wir geben viel, das kommt auch doppelt und dreifach wieder zurück.”
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