Quartett-Marathon · Matinee

SWR Kultur New Talent – Viatores Quartet

Mit Werken von Haydn, Bartók und Beethoven erlebt das Publikum ein Programm der Gefühlsextreme.

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Stand
Datum
Beginn
Adresse
Mozartsaal
Schloss Schwetzingen
68723 Schwetzingen
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Programm
Joseph Haydn
Streichquartett C-Dur op. 76 Nr. 3, Hob. III:77 („Kaiserquartett“)

Béla Bartók
Streichquartett Nr. 2 op. 17

Ludwig van Beethoven
Streichquartett cis-Moll op. 131
Mitwirkende
VIATORES QUARTET
Louisa Staples Violine
Johannes Brzoska Violine
Kwan Hon Gordon Lau Viola
Umut Sağlam Violoncello

Quinten, Eifer, höchste Wonne

Manchmal spiegelt ein Konzertprogramm fast nebenbei auch europäische Geschichte. Joseph Haydns „Kaiserquartett“ entstand 1797 in einer politisch unruhigen Zeit. Für Kaiser Franz II. schrieb Haydn damals das Lied „Gott erhalte Franz den Kaiser“, dessen Melodie im zweiten Satz des Quartetts in Variationen erscheint – und später zur Melodie der deutschen Nationalhymne werden sollte. Gut hundert Jahre später arbeitet Béla Bartók an seinem zweiten Streichquartett, während Europa erneut im Umbruch steht. Die Jahre des Ersten Weltkriegs erlebt der Komponist weitgehend in Budapest, zugleich ist er immer wieder unterwegs, um Volksmusik in Ungarn, Rumänien und der Slowakei zu sammeln. Diese Begegnungen mit unterschiedlichsten musikalischen Traditionen prägen sein Denken – und führen zu einer ganz eigenen Tonsprache, die bald zu den unverwechselbaren Stimmen der Moderne gehören wird. Am Ende des Programms steht Ludwig van Beethovens Streichquartett cis-Moll op. 131 – eines der kühnsten Werke der gesamten Quartettliteratur. Darüber, ob dessen sieben Teile allesamt vollwertige Sätze sind, ist ebenso heftig gestritten worden wie über die ganz praktische Frage, wann die Interpreten inmitten dieser atemlosen Kette von formalen Experimenten und Gefühlsextremen ihre Instrumente nachstimmen können. Für Richard Wagner war der erste Satz „wohl das Schwermütigste, was je in Tönen ausgesagt worden ist“, der letzte „höchste Wonne, Jammer, Rasen, Wollust und Leid“. Wer könnte besser dazu passen als ein Quartett, das die Reise zwischen den Welten in seinem Namen trägt?