Zweibrücken und Koblenz hoffen auf Zuschüsse

Sanierungsfall Sportstätten: Großer Ansturm auf Millionen des Bundes

Undichte Hallendächer, marode Bäder oder Sanitäranlagen, in denen dringend was gemacht werden muss: Der Sanierungsstau bei den Sportanlagen ist groß. Das zeigt auch ein neues Förderprogramm des Bundes. Dafür ist die Nachfrage immens - auch aus Rheinland-Pfalz.

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Von Autor/in Sebastian Stollhof

Auf den ersten Blick sieht es eigentlich gut aus im Badeparadies in Zweibrücken in der Westpfalz. Schwimmerbecken, Sprungturm, Rutsche, Kleinkinderbereich oder auch Massagebecken locken an diesem Morgen schon gleich nach Öffnung zahlreiche Gäste ins Hallenbad. Wie es hinter den Kulissen ausschaut, wissen die meisten nicht. Und da wird deutlich: Die 50 Jahre, die das Bad mittlerweile alt ist, sind nicht spurlos an ihm vorübergegangen.

Risse im Hallenbad in Zweibrücken: Hinter den Kulissen ist unübersehbar, dass im Badeparadies was getan werden muss.
Risse im Hallenbad in Zweibrücken: Hinter den Kulissen ist unübersehbar, dass im Badeparadies was getan werden muss.

Ein Becken, das sich setzt, Risse an einigen Stellen: Auch wenn sich das Personal so gut es geht bemüht, es müsste was im Hallenbad gemacht werden. Das betont auch der Oberbürgermeister von Zweibrücken: "Wir investieren immer wieder regelmäßig in kleinere Reparaturarbeiten, Erneuerung, Verschönerung. Wenn man aber ein Hallenbad hat, das in den 70er Jahren gebaut wurde, dann ist irgendwann eine Grundsanierung fällig. Und wir sind jetzt tatsächlich an einem Punkt, wo das dringend notwendig ist", sagt Marold Wosnitza (SPD).

Auch das Freibad in Zweibrücken ist ein Sanierungsfall

Nicht besser sieht es auch ganz in der Nähe im Freibad aus - im Gegenteil. Das Bad ist sogar schon 70 Jahre alt - eine Sanierung sei eigentlich überfällig, erzählt Betriebsleiterin Johanna Papa. Auch hier mache das Team, was es kann - damit Jahr für Jahr überhaupt noch geöffnet werden kann.

In die Jahre gekommen: Durch das Kinderbecken im Freibad Zweibrücken zieht sich ein großer Riss.
In die Jahre gekommen: Durch das Kinderbecken im Freibad Zweibrücken zieht sich ein großer Riss.

Um die 40 Millionen Euro müsste die Stadt Zweibrücken für ihre beiden Bäder in die Hand nehmen. Das ist alles andere als einfach in Zeiten leerer kommunaler Kassen. Zumal der Schuh auch an anderen Sportstätten drückt. Die Umkleiden im Westpfalz-Stadion zum Beispiel haben auch schon bessere Zeiten gesehen. Die Hoffnung der Stadt: Ein neues Förderprogramm des Bundes. Bis zu acht Millionen Euro könnte es im Idealfall jeweils für Hallen- und Freibad geben.

Im Stadion Oberwerth in Koblenz muss die Haupttribüne erneuert werden

Auch die Stadt Koblenz hofft auf das neue Förderprogramm des Bundes. Denn dort müsste dringend was im Stadion Oberwerth gemacht werden. Die Haupttribüne ist fast 100 Jahre alt - und hat "erhebliche bauliche und funktionale Mängel", so die Stadt. Nach Angaben eines Sprechers sei es "unerlässlich" in die Tribüne zu investieren - um die gesamte Sportanlage zu erhalten.

Fast 100 Jahre alt: die Haupttribüne im Stadion Oberwerth in Koblenz.
Fast 100 Jahre alt: die Haupttribüne im Stadion Oberwerth in Koblenz.

Ziel sei es, nicht nur eine neue Tribüne zu bauen, sondern damit auch ein "Multifunktionsgebäude" mit Räumen zu schaffen, die auch außerhalb des Sports genutzt werden sollen. "Durch die weitreichenden Nutzungsmöglichkeiten soll der Neubau zum multifunktionalen Stadtteilzentrum werden und eine Vielzahl von Menschen erreichen", teilt der Stadtsprecher mit. Kosten für die neue Haupttribüne: rund 40 Millionen Euro. Auch die Stadt Koblenz hofft auf bis zu acht Millionen Euro aus dem Bundesprogramm.

Mehr als sieben Milliarden Euro für Sportstätten in Deutschland beantragt

Doch Koblenz und Zweibrücken sind da längst nicht alleine. Der Anstum auf das Förderprogramm ist riesig. Laut dem zuständigen Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen gibt es Anfragen für über 7,5 Milliarden Euro. Aber der Fördertopf hat nur 333 Millionen Euro. Alleine aus Rheinland-Pfalz seien rund 444 Millionen Fördergelder von den Kommunen für Sportstätten beantragt.

Das Stadion Oberwerth in Koblenz ist in die Jahre gekommen.
Das Stadion Oberwerth in Koblenz ist in die Jahre gekommen.

Ein deutliches Zeichen, wie groß der Sanierungsstau in den Sportstätten im Land ist, findet Sportwissenschaftler Lutz Thieme von der Hochschule Koblenz: "Die Kämmerer sagen, dass immer weniger Geld auf kommunaler Seite da ist und immer mehr Sanierungslücken entstehen. Das zeigt sich in dem Run, der auf das Programm stattfindet."

Schließung von Sportstätten wird befürchtet

Auch Rudolf Storck, der Präsident des Landessportbundes Rheinland-Pfalz, sagt: "Dieser Sanierungsstau wird schon eine ganze Weile vor sich hergeschoben. Er wird eher noch schlimmer. Ich gehe davon aus, dass in Zukunft auch Sportstätten komplett geschlossen werden."

Hochschule Koblenz erstellt Übersicht der Sportstätten in Rheinland-Pfalz

Eine genaue Übersicht, wie groß der Sanierungsstau an den Sportstätten im Land ist, gebe es nicht. Genau hier will die Hochschule Koblenz aber Abhilfe schaffen. Sie hat tausende Daten zusammengetragen und einen digitalen Sportstättenatlas erstellt. Darin ist bereits zu sehen, welche und wie viele Sportstätten es in Rheinland-Pfalz gibt.

"Es ist ein großes Problem, dass man bislang gar nicht weiß, wie groß der Sanierungsstau ist", sagt der Sportwissenschaftler. Der Sportstättenatlas soll auf Sicht solche Daten zusammentragen. Das könne dann auch eine Grundlage dafür sein, wie man einen solchen Sanierungsstau beheben kann. "Das heißt aber auch, dass man sich die Frage stellen muss, ob die jetzige Infrastruktur noch diejenige ist, die wir auch in zehn oder 15 Jahren brauchen", so Thieme.

Auch Innenminister sieht Nachholbedarf bei Sportstätten

Der Sanierungsstau an den Sportstätten ist auch dem rheinland-pfälzischen Innenminister nicht entgangen. "Ich denke, dass wir in den Sportstätten schon an einer Reihe von Stellen noch Nachholbedarf haben, so wie wir insgesamt in Deutschland ein wirkliches Update brauchen für unsere Infrastruktur", sagt Michael Ebling (SPD).

Das Land selbst werde auch in den kommenden Jahren Mittel für den Sport einplanen. Damit sollen Kommunen unterstützt werden, in Sportstätten zu investieren. Außerdem verweist der Innenminister auf den so genannten Rheinland-Pfalz-Plan - auch mit Geldern des Bundes. "Den Löwenanteil des Geldes bekommt die kommunale Seite. Ich bin davon überzeugt, dass viele Kommunen die Gelder auch für den Sport nutzen werden", sagt Ebling.

Bundesregierung kündigt weitere Gelder für Sportstätten an

Die Stadt Zweibrücken zum Beispiel hat genau das vor. Sie will mit Hilfe dieser Gelder die maroden Umkleiden und Sanitäranlagen im Westpfalz-Stadion erneuern. Der Innenminister nimmt zudem den Bund in die Pflicht. Und der kündigt auch weitere Millionen an. Ziemlich sicher wird auch dafür die Nachfrage riesig sein.

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