Aus Sicht des 1. FC Kaiserslautern wäre es die perfekte Geschichte gewesen: Während die 2. Bundesliga vor diesem Traditionsduell und Spitzenspiel vor allem über Schalkes neuen Stürmerstar Edin Dzeko gesprochen hatte, traf - sozusagen in dessen Schatten - Lauterns Torjäger Ivan Prtajin doppelt. Nach dem Motto: Wer braucht schon Dzeko, wenn er Prtajin hat?!
Dzeko küsst Schalke wach und trägt sich in Geschichtsbücher ein
Bis zur 87. Minute sah es so aus, als wäre das die Geschichte dieser Partie gewesen. Aber ausgerechnet einer der Hauptdarsteller hatte keine Lust, sich an dieses Drehbuch zu halten: Edin Dzeko höchstpersönlich. Nach Schalkes 0:2-Rückstand war er es, der die Königsblauen mit seinem Treffer drei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit wachküsste. Ein typischer Dzeko-Treffer: perfekte Ballannahme mit der Brust unter Gegnerdruck, souveräner Abschluss ins rechte Eck.
Mit diesen Fähigkeiten hatte er sich unter anderem bei Manchester City, der AS Rom und dem FC Florenz in die Herzen der Fans gespielt. Und jetzt ist er mit 39 Jahren und 314 Tagen auch noch der älteste Torschütze in der Geschichte der 2. Bundesliga. "Mit dem Tor bin ich sehr, sehr happy. Wir hatten das Spiel eigentlich schon verloren", sagte Dzeko. Sein Treffer kippte das Geschehen auf dem Feld. Letztlich glich Kenan Karaman in der 90. Minute nach einem Eckball zum 2:2-Endstand aus.
Prtajin gewinnt das Torjäger-Duell
Das Duell der beiden Torjäger endete zwar 2:1 für Prtajin, aber der Lautrer machte trotz seiner Saisontore zehn und elf hinterher den unglücklicheren Eindruck. Denn nach der verspielten Zwei-Tore-Führung fühlte sich das 2:2 für den FCK wie eine Niederlage an. "Das ist Fußball und es hat sich einmal mehr gezeigt, wie verrückt er sein kann", sagte der ernüchterte Prtajin. Lieberknecht hatte ihn in der 61. Minute gebracht und nur wenige Sekunden später, mit seinem ersten Ballkontakt, köpfte er den FCK nach einer Freistoßflanke in Führung.
Dzeko, der in der 67. Minute ins Spiel kam, gelang das nicht - und es deutete auch wenig daraufhin, dass der neue Superstar der 2. Bundesliga noch eine tragende Rolle spielen würde. Schließlich erhöhte Prtajin nach einem Steilpass von Daniel Hanslik frei vor dem Tor eiskalt auf 2:0.
"Man darf enttäuscht sein, aber auch massiv stolz"
Der FCK hätte mit diesem Sieg wieder ganz nah an die Aufstiegsränge ranrutschen können. Drei Punkte Abstand wären es nur gewesen auf den drittplatzierten SC Paderborn, vier auf den SV Darmstadt auf Rang zwei und fünf auf Spitzenreiter Schalke. Aber nicht nur das: Ein Sieg im Topspiel hätte auch eine Ansage an die Konkurrenz bedeutet, dass mit den Roten Teufel nach dem 3:1 gegen Mitkonkurrent Hannover 96 in diesem Jahr zu rechnen ist. "Man darf enttäuscht sein, aber wir können auch massiv stolz sein bezüglich unseres Spiels, was wir abgeliefert haben. Es war eines der besten Auswärtsspiele überhaupt", sagte Lieberknecht.
Das nächste Spitzenspiel steht an
Und so bleibt die Erkenntnis, dass sein Team alle Möglichkeiten hat, die Stärksten der Liga zu bezwingen und in den Aufstiegskampf einzugreifen. Aber dafür braucht es womöglich noch einen Tick mehr Konzentration und Kälte in den entscheidenden Momenten. Oder um es mit Lieberknecht zu sagen: "Nach dem 2:0 darf man sich nicht so euphorisch zeigen wie wir. Da musst du Ruhe bewahren, dann gehst du zum Anstoßpunkt und ziehst das Ding gnadenlos durch."
Daraus müssten seine Spieler lernen, am besten schon, wenn am kommenden Samstag (31.01., 20:30 Uhr) das nächste Spitzenspiel ansteht. Dann ist der Tabellenvierte Elversberg zu Gast auf dem Betzenberg.