DFB-Pokal

Packung statt Reaktion - Pokal-Niederlage gibt dem FCK zu denken

Statt der erhofften Reaktion zeigte der FCK im Achtelfinale des DFB-Pokals bei Hertha BSC eine hanebüchene Vorstellung, die FCK-Trainer Torsten Lieberknecht zu denken geben dürfte.

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Von Autor/in Michael Richmann

Torsten Lieberknecht schaute ziemlich ratlos aus der Wäsche, als Herthas Maurice Krattenmacher dem 1. FC Kaiserslautern den sechsten Treffer einschenkte. "Was wir da draußen abgeliefert haben, ist eigentlich unentschuldbar. Wir können uns nur bei unseren Fans entschuldigen. Nicht nur bei den 5.000, die an diesem Dienstagabend angereist sind, sondern bei allen FCK-Fans", sagte der 52-Jährige auf der Pressekonferenz.

Das 1:6 bei Hertha BSC im Achtelfinale des DFB-Pokals war nicht die Reaktion, die der FCK-Trainer nach dem trostlosen Auftritt seiner Roten Teufel bei Eintracht Braunschweig wenige Tage zuvor sehen wollte. "Ich fühle mich da als Trainer verantwortlich, sitze hier und schäme mich in Grund und Boden." Auch Marlon Ritter, der mit seinem Treffer zum 1:3-Pausenstand wenigstens kurzzeitig so etwas wie Hoffnung bei den FCK-Fans aufkeimen ließ, ärgerte sich: "Du darfst dich hier nicht so abschlachten lassen."

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FCK zerfällt nach wilden Fehlern

Lieberknecht hatte vor dem Spiel gefordert, dass der FCK besser, konzentrierter und kämpferischer spielen sollte als zuletzt in der Liga. Eine Aktion wie Maxwell Gyamfis Fehlpass direkt in den Lauf von Hertha-Stürmer Luca Schuler hatte er dabei sicherlich nicht im Kopf. Denn so war Ersatzkeeper Simon Simoni im Eins-gegen-Eins-Duell völlig chancenlos (6.). Die geradezu hanebüchene Wehrlosigkeit von Jan Elvedi und Marlon Ritter, die Herthas Flügelflitzer Marten Winkler zwar stellten, sich dann aber mit einer einfachen Bewegung kurzerhand austanzen ließen und dann zusehen mussten, wie der 23-Jährige das zweite Hertha-Tor schoss (21.), kann er damit auch nicht gemeint haben.

Dass sich selbst Abwehrchef Fabian Kunze von Winklers langem Schritt über den Ball so sehr irritieren ließ, dass er Kennet Eichhorn in seinem Rücken ungestört zum 0:3 einschieben lassen musste (31.), gehörte hingegen zur Kategorie "Kann mal passieren". Kapitän Ritter wirkte nach dem Spiel jedenfalls relativ ratlos: "Ich kann es leider nicht erklären. Wir haben einfach den Gegner eingeladen. Ich glaube, die ersten drei Schüsse waren direkt drin. Dann musst Du Dich erstmal schütteln."

Paradox: FCK war lange Zeit das bessere Team

Dass Simoni den Ball bei Schulers Tor zum 1:4 durch die Beine rutschen ließ (60.) und Dawid Kownackis Treffer zum 1:5 (75.) durch einen wilden Fehlpass selbst einleitete, passte genauso zu dem gebrauchten Abend wie die sieben FCK-Spieler im eigenen Strafraum, die Michael Cuisances Solo und Maurice Krattenmachers Treffer (80.) nicht verhindern konnten. "Wenn Du nicht konsequent genug bist, kriegst du hier richtig auf den Sack", bilanzierte Ritter.

Es waren solche Fehler, die eine eigentlich ganz ansprechende Leistung der Roten Teufel zunichte machten. Denn die erste Chance hatte Ivan Prtajin bereits in der 3. Minute. Florian Kleinhansl hatte mit einem klasse Volley ans Außennetz die zweite (8.). Fabian Kunze (25.) und Marlon Ritter (28.) waren auch dicht dran. Mit Blick auf die Anzeigetafel war es geradezu paradox, dass Kaiserslautern in den ersten 15 bis 20 Minuten das bessere Team war. Auch Simonis Wahnsinnsparade kurz vor der Pause, als er erst Fabian Reeses Schuss mit den Fingerspitzen an die Latte lenkte und sich schnell genug wieder aufrappelte, um Schulers Nachschuss von der Linie zu kratzen (43.), geriet vor diesem Hintergrund zur Randnotiz.

Was gibt dem FCK Hoffnung?

Dabei sind das die Szenen, auf denen der FCK aufbauen kann, wenn er am Samstag im Heimspiel gegen Dynamo Dresden (ab 13 Uhr live im Audiostream auf Sportschau.de) die dritte Niederlage in Serie verhindern und den Anschluss an die Spitzengruppe halten möchte. "Wir müssen einfach gucken, dass wir hinten nicht so viele Gegentore bekommen und nach vorne besser spielen, unsere Chancen nutzen", meinte Ritter. "Dann bin ich fest davon überzeugt, dass wir auch wieder Spiele gewinnen können."

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Autor/in
Michael Richmann
Michael Richmann ist Sportredakteur, Podcast- und Feature-Autor für SWR Sport und SWR Kultur.