Nicht, dass ich jetzt falsch verstanden werde: Auch ich finde heldenhafte Darstellungen bei möglichen Kopfverletzungen eine heikle Sache. Heidenheims Jonas Föhrenbach wurde im Spiel bei den Bayern von Diant Ramajs Knie im Gesicht erwischt, kehrte nach minutenlanger Behandlung aber auf den Rasen zurück. In dem Moment habe ich gedacht: Hoffentlich nix Ernstes. Hoffentlich kann - und darf - der jetzt noch Fußball spielen.
Heidenheim kämpft um Bundesliga-Klassenerhalt
Beim Blick auf die dicke, blutige (und gebrochene) Nase des FCH-Verteidigers kam in mir aber auch eine Erinnerung hoch - und zwar die an Bastian Schweinsteiger im WM-Finale 2014. Auch bei ihm: Blut im Gesicht. Wegen einer Platzwunde unter dem rechten Auge.
Auswechseln lassen und das Spiel vorzeitig beenden? Damals wie heute keine Option. Der Föhre, wie er in Heidenheim genannt wird, ist einer wie der Schweini. Bloß nicht aufhören. Bloß nicht die Mannschaft hängenlassen. Völlig egal, ob es um den WM-Pokal oder um den Klassenerhalt in der Bundesliga geht.
Schützenhilfe durch Mainz 05 und SC Freiburg
An genau den kann, darf und muss der 1. FC Heidenheim seit dem vergangenen Wochenende mehr denn je glauben. Auf das eigene 3:3 beim FC Bayern folgten die nicht ganz uneigennützigen Schützenhilfen von Mainz (2:1 bei St. Pauli) und Freiburg (1:1 gegen Wolfsburg). Der 32. Spieltag hat dem Tabellenkeller der Bundesliga das zurückgebracht, was ihr ein paar Stockwerke höher seit Jahren fehlt: Spannung.
Was genau beim FCH seit ein paar Wochen besser läuft als über weite Strecken der bisherigen Saison? Wissen sie auf der Ostalb selbst nicht so recht. Seit dem 3:3 Mitte März gegen Leverkusen stimmen die Leistungen, stimmen die Ergebnisse, passen endlich wieder Aufwand und Ertrag zueinander. Dass Torjäger wie vor allem Budu Zivzivadze mal eine Durststrecke hatten - Anfang Mai 2026 ist das nur eine Randnotiz.
Schafft es der 1. FC Heidenheim in die Relegation?
Vor Ostern betrug Heidenheims Rückstand auf den Relegationsplatz neun Punkte, die Mannschaft von Trainer Frank Schmidt war statistisch gesehen abgeschrieben und in den Augen vieler abgestiegen. Zwei Spieltage vor Schluss sind es nur noch drei Punkte.
Weil die Mannschaft kämpft, fightet und im Vergleich zur Konkurrenz viel stärker an das Unmögliche zu glauben scheint. Ich finde: Allein das darf gerne mit der Relegation belohnt werden. Aber bitte ohne Kopf- und andere Verletzungen. Heldengeschichten lassen sich dann noch viel schöner erzählen.