Exklusives Interview

Heidenheim-Boss Holger Sanwald: "Wir dürfen gar nicht so viel rechnen"

Der 1. FC Heidenheim ist dem Abstieg nochmal von der Schippe gesprungen - vorerst. Darüber ist FCH-Boss Sanwald glücklich. Seit Ostern sei die Mannschaft wieder auferstanden.

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Stand

SWR Sport: Holger Sanwald, St. Pauli verliert gegen Mainz 05, der Heidenheimer Abstieg ist zumindest mal heute rechnerisch vom Tisch. Wie sehr atmen Sie durch?

Holger Sanwald: Wirklich sehr. Man wacht morgens auf und denkt sich: Was bringt der Tag? Es war klar, wenn St. Pauli und Wolfsburg gewinnen steigen wir heute aus der Bundesliga ab. Ich mag St. Pauli sehr, aber trotzdem habe ich natürlich alle Daumen gedrückt, dass Mainz heute den Klassenerhalt bei ihnen schafft. Und das haben sie geschafft. Glückwunsch an den ganzen Verein. Vielen Dank für den Einsatz. Das haben sie natürlich in ihrem eigenen Interesse gemacht, aber uns hat es natürlich extrem geholfen. Jetzt haben wir noch drei Punkte Rückstand auf St. Pauli. Wir haben immerhin die Situation, dass wir zwei Spieltage vor Abschluss der Bundesliga-Saison immer noch eine Chance auf den Relegationsplatz und damit auf den Klassenerhalt haben. Wir geben nicht auf und wir glauben immer daran und deswegen war heute ein sehr guter Tag.

SWR Sport: Beim Blick auf die Tabelle kommt einem der Keller vor wie höhere Mathematik. Welche Chancen rechnen Sie sich konkret noch aus?

Holger Sanwald: Wir dürfen eigentlich gar nicht so viel rechnen. Natürlich schauen wir auch auf die Tabelle. Aber wir achten schon sehr darauf, jetzt nicht zu viel zu rechnen. Wir beschäftigen uns hauptsächlich mit unserer eigenen Leistung. Seit Ostern ist irgendwas passiert. Ostern, das fest der Wiederauferstehung. Unsere Mannschaft ist wieder da. Wir glauben wieder an uns, da stimmt die Leistung. Wir schießen wieder Tore, wir spielen nach vorne, wir verteidigen auch viel besser. Wir treten als Mannschaft auf, so wie man es von uns kennt. Das hat in dieser Saison eine lange Zeit gedauert. Aber jetzt tun wir es wieder. Und deshalb rechnen wir uns noch alle Chancen aus.

SWR Sport: Chancen rechnen Sie sich bestimmt auch nach dem 3:3 beim Meister FC Bayern München aus. Sie haben Frank Schmidt den Tipp gegeben, sich nicht über das späte 3:3 aufzuregen und eine Nacht drüber zu schlafen. Wie fällt denn Ihr Rückblick aus?

Holger Sanwald: Genau so. Mir war vor dem Spiel eigentlich klar, dass wir etwas in München holen sollten, wenn wir drinbleiben möchten. Und ich habe immer im Kopf gehabt, wenn wir einen Punkt holen, verbessert das unsere Ausgangsposition erheblich. Und deshalb habe ich, als dann die Nachspielzeit kam, immer nur gedacht, okay, es reicht für einen Punkt, selbst wenn Bayern jetzt noch eins macht. Es tat sehr weh, den Ausgleich zu bekommen. Aber in mir drin war immer_ Wenn wir mit einem Punkt nach Hause fahren, ist es für uns ein ganz großer Schritt, der uns am Leben halten kann. Und so ist es auch gekommen.

SWR Sport: Die Chance auf den Relegationsplatz ist da, sie ist aber auch nicht allzu groß. Was wäre, wenn es am Ende nicht reicht?

Holger Sanwald: Wir glauben fest daran, dass wir diese Chance haben. Und wir werden alles dafür tun, das kann ich versprechen. Alle hier im Verein versprechen, alles dafür zu tun, den Relegationsplatz zu erreichen. Nicht nur zu erreichen, sondern uns dann auch in der Relegation durchzusetzen. Das ist noch ein ganz weiter Weg, dahin zu kommen. Und dann ist es noch ein ganz weiter Weg, in der Relegation zu bestehen. Aber solange es rechnerische Chancen gibt, geben wir alles dafür. Und wenn es nicht reichen sollte, werden wir in der 2. Bundesliga einen Neuaufbau machen und werden wieder angreifen. Wir werden das nutzen, was wir uns jetzt in drei Jahren Bundesliga erarbeitet haben. Es wäre kein Beinbruch, wir haben solide gewirtschaftet, wir haben uns gut aufgestellt. Aber das ist nicht das Thema. Solange wir die Bundesliga schaffen können, werden wir daran glauben.

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Patrick Stricker
Patrick Stricker
Onlinefassung
Maximilian Springer