Als der 1. FC Heidenheim vor etwas mehr als vier Wochen mit 3:1 gegen Union Berlin gewann, jubelte Trainer Frank Schmidt mit seinem Team vor der Kurve und betrieb nur einen Augenblick später schon wieder Erwartungsmanagement. Schmidt beherrscht das in Perfektion. Er wählt seine Worte mit Bedacht.
"Wenn wir nach dem 34. Spieltag hier sitzen und uns über etwas Großartiges, Unglaubliches freuen können, dann sind vorher die fünf Spiele extrem erfolgreich gestaltet worden", sagte er schließlich auf der Pressekonferenz nach der Partie – und nach dem ersten Sieg der Heidenheimer seit Monaten. "Also: Aufgaben lösen und nicht so viel zusammenrechnen."
Relegation in Reichweite
Vorstandsboss Holger Sanwald, der wie so oft nach Bundesligaspielen auf einem der roten Stühle im Medienraum des Heidenheimer Stadions Platz genommen hatte, nickte kaum merklich. Mit dem Sieg gegen die Eisernen hatte der Club den Abstand auf den Relegationsplatz schließlich auf sechs Punkte minimiert – Rang 16 schien plötzlich wieder in Reichweite.
Noch einmal nach Elversberg, noch einmal Relegation, noch einmal der Klassenerhalt also? "Ich hätte nichts dagegen", sagte Sanwald auf dem Weg nach draußen und grinste. Wochen später – vor dem 34. Spieltag, dem letzten der Saison – ist beides möglich für die Heidenheimer: Dass sie sich, wie von Schmidt formuliert, über etwas "Unglaubliches" freuen und, wie von Sanwald erhofft, doch noch die Relegation spielen können.
Der 1. FC Heidenheim ist wieder auf der Party
Denn der FCH hat im Schlussspurt der Bundesliga eine furiose Aufholjagd hingelegt, in sechs der vergangenen sieben Spiele gepunktet und zuletzt sogar Tabellenrang 18 verlassen. Nur die Tordifferenz trennt den 17. Heidenheim von Wolfsburg auf dem Relegationsrang und von Schlusslicht St. Pauli. Dass die drei Teams am Tabellenende punktgleich in ihren Partien gehen, gab es in der Geschichte der Bundesliga noch nie.
"Jeder von uns weiß, dass wir vor ein paar Spieltagen raus waren aus der Verlosung – jetzt werden wir nochmal reingelassen in die Party", ordnete der Coach das ein: "Wir können nur gewinnen, wir können nichts mehr verlieren."
So schafft Heidenheim den Sprung in die Relegation
Geschichte schreiben könnte Schmidt mit seinem Team tatsächlich, sollte der FCH den Sprung in die Relegation schaffen. Dafür aber müssen die Heidenheimer am Samstag (16.05.2025, ab 15:30 Uhr im sportschau.de-Livecenter) gegen Mainz 05 gewinnen – eine von gleich mehreren Voraussetzungen.
In der zeitgleich stattfindenden Partie zwischen St. Pauli und Wolfsburg darf es entweder keinen Sieger geben oder St. Pauli darf nicht höher als der FCH gewinnen oder die Heidenheimer müssten bei einem Sieg der Wolfsburger mindestens drei Tore auf den VfL gut machen. Sollten Heidenheim und Wolfsburg nach ihren Spielen punkt- und torgleich sein, würde der direkte Vergleich zählen – und den haben die Niedersachsen bereits für sich entschieden.
Schmidt: "Fußball ist immer Tagesgeschäft"
Die Heidenheimer haben sich eben jene Ausgangslage trotz alledem erarbeitet. Der größtmögliche sportliche Druck, er soll am Samstagnachmittag, wenn die Rechenspiele parallel zum Spielbetrieb laufen, für Lust statt Last auf dem Schlossberg sorgen.
"Fußball ist immer Gegenwart, Tagesgeschäft", so Schmidt: "Wir wollen da weitermachen und unsere Stärken der letzten Wochen einbringen. Das ist das, womit wir uns beschäftigen."
FCH mit Last-Minute-Qualitäten
Dass die Heidenheimer Last-Minute-Qualitäten haben, weiß der Trainer selbst mit am besten. Das haben sie gezeigt. Den Aufstieg in die Bundesliga 2023 etwa machte der FCH am letzten Spieltag durch einen Treffer von Tim Kleindienst in der neunten Minute der Nachspielzeit in Regensburg perfekt.
Bundesliga Heidenheimer Hoffnung: Frank Schmidt setzt auf die Schlossberg-Magie
Der 1. FC Heidenheim hat mit dem Sieg beim 1. FC Köln die Chance auf den Klassenerhalt gewahrt. Im packenden Saisonfinale setzt Frank Schmidt auf Fans und Magie auf der Ostalb.
Zwei Jahre später, im Mai 2025, war es im Relegations-Rückspiel in Elversberg wieder tief in der Nachspielzeit. Vier Minuten und 44 Sekunden der angezeigten fünf Minuten Nachspielzeit waren vergangenen, als Leo Scienza mit seinem Tor für die Entscheidung sorgte: Heidenheim blieb erstklassig. Last-Minute-Entscheidungen um die Bundesliga, sie liegen dem Team von der Ostalb also.
Selbstlosigkeit – die große Stärke des 1. FC Heidenheim
"Das hat uns schon geholfen", sagt Schmidt: "Die größte Stärke dieser Mannschaft ist Selbstlosigkeit, Zusammenhalt, sonst hätten wir das nie geschafft."
Und dann ginge es für die Heidenheimer nach emotionaler Aufholjagd und dem Erwartungsmanagement vielleicht noch einmal in die Verlängerung dieser Bundesliga-Saison.