Die Frage war unvermeidlich. Was ihm denn noch Hoffnung gebe, sollte Frank Schmidt nach der 0:2-Heimniederlage seiner Heidenheimer gegen den Hamburger SV verraten. Ein durchaus nachvollziehbares Gesprächsthema, angesichts wachsender Sorgen und schrumpfender Wahrscheinlichkeiten im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga.
Schmidts Antwort machte deutlich: Der 52-Jährige ist Realist - derzeit vielleicht mehr denn je in seinen mittlerweile 18 Dienstjahren als Trainer des FCH. Wie schon vor der Partie gegen den HSV betonte er auch hinterher, dass niemand die Lage des Tabellenletzten schönreden wolle.
Es mögen faktisch sechs Punkte Rückstand auf den ersten Nichts-Abstiegs- oder zumindest bis zum Relegationsplatz sein. In Schmidts Rechnung aber sind es schon jetzt sieben, wegen der im Vergleich zur Konkurrenz deutlich schlechteren Tordifferenz.
Erster HSV-Auswärtssieg ausgerechnet in Heidenheim
"Ernüchternd" sei die Bilanz von nur drei (drei!) Siegen aus 21 Spielen. "Ernüchternd" zudem auch, dass den Hamburgern ausgerechnet in Heidenheim erstmals seit ihrem Wiederaufstieg ein Auswärtssieg gelang.
Was mir persönlich auffällt: Die Frage nach der Hoffnung beantwortet Schmidt anders, als er es noch vor einem Jahr getan hat. Damals, als der Ostalb-Club in der vergangenen Saison ebenfalls mit dem Rücken zur Zweitliga-Wand stand, hielt der Coach ein flammendes Plädoyer. Die Kurzfassung: Hoffen ist out, Glauben ist in.
1. FC Heidenheim: bemüht, aber nicht erfolgreich
Mit dem Mantra, es gehe weniger um die Hoffnung auf irgendwas und mehr ums Glauben an die eigene Stärke, hatte es Schmidt innerhalb kürzester Zeit in die Köpfe seiner Spieler geschafft. Der Weg bis zum Last-Minute-Klassenerhalt in der Relegation war zwar lang, aber erfolgreich.
Warum also nicht noch einmal genau so? Weniger hoffen, mehr glauben. Spiele wie jenes gegen den HSV zeigen immer wieder: Die Heidenheimer Profis sind zwar stets bemüht, für Erfolgserlebnisse - und seien sie auch noch so klein - reicht es aktuell aber nur sehr unregelmäßig. Das weiß auch Schmidt.
FCH-Trainer Schmidt: "Rückenwind aufnehmen"
Woche für Woche wird es schwieriger, auch das war so ein Satz, den er am vergangenen Samstagabend fallen ließ. Und dann blitzte da doch noch etwas durch.
"Aus dieser Position kann man Rückenwind aufnehmen", sagte Schmidt, für einen kurzen Moment mehr Optimist als Realist: "Und Dinge machen, mit denen keiner mehr rechnet."
Die Hoffnung, dass das gelingen kann, muss der 1. FC Heidenheim dringend in den Glauben daran umwandeln. Ansonsten ist der erste Abstieg des Clubs unter Frank Schmidt nur noch eine Frage der Zeit.
Fußball-Bundesliga Nach Niederlage gegen HSV: Heidenheim im freien Fall
Die Lage von Schlusslicht 1. FC Heidenheim im Abstiegskampf wird aussichtsloser. Die Schwaben verloren gegen den HSV und verlängerten ihre Negativserie auf acht Spiele ohne Sieg.