Nationalmannschaft Haiti

Fußballmärchen aus Koblenz: Oberliga-Torwart Josué Duverger fährt wohl zur WM

Für den Torwart des FC Cosmos Koblenz wird im kommenden Sommer ein Traum wahr: Mit der Nationalmannschaft Haitis hat er sich für die WM qualifiziert.

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Von Autor/in Kira Rutkowski

Josué Duverger strahlt und seine Augen leuchten, als er mit SWR Sport über sein Fußballmärchen spricht. Es beginnt Mitte November. Damals qualifiziert er sich mit Haitis Nationalmannschaft für die Fußball-WM 2026. Am 14. Juni 2026 wird das Fußballmärchen dann nochmal ganz besonders Fahrt aufnehmen. Wenn alles wie erwartet läuft, steht Josué Duverger dann beim ersten WM-Gruppenspiel gegen Schottland im Tor. Es folgen weitere Gruppenspiele gegen Marokko und Brasilien.

Als wir ihn einige Wochen nach der erfolgreichen Qualifikation beim Training in Koblenz treffen, hat er immer noch nicht richtig realisiert, dass er Teil dieses Märchens ist. "Es ist immer noch schwierig, jede Menge Emotionen", sagte der Keeper. "Es ist ein sehr großer Erfolg in meiner Karriere. Ich habe es noch nicht realisiert, aber ich denke, je näher der Wettbewerb kommt, desto eher verstehe ich es."  

So kam Josué Duverger nach Koblenz 

Bevor der 25-Jährige nach Koblenz kam, spielte er lange in Portugal. Als Jugendlicher auch bei Sporting Lissabon - zuletzt in der 3. Liga in Portugal. Als er dann ablösefrei nach Koblenz wechseln konnte, zögerte er nicht lange. Ein Freund, der schon in Koblenz war, überzeugte ihn vom Projekt, mit dem FC Cosmos in die Oberliga aufzusteigen. Hier lebt er nun mit Partnerin und Kind, fühlt sich angekommen in Rheinland-Pfalz, wenngleich: "Im Vergleich mit Portugal ist es sehr, sehr kalt, aber ich mag es. Es ist eine ruhige Stadt. Es ist schön hier, der Rhein, die Umgebung, es ist sehr schön!"

Gewalt und Elend im Heimatland Haiti 

Seine Eltern kommen aus Haiti. Josué Duverger selbst ist in Kanada geboren, war aber schon oft in Haiti. Allerdings ist das schon länger her, denn zurzeit ist die Situation in Haiti schwierig: kaputte Wirtschaft, politische Instabilität und immer wieder verheerende Naturkatastrophen. Haiti gilt als das ärmste Land auf dem amerikanischen Kontinent. Gewalt und Armut bestimmen oft das Leben der zwölf Millionen Einwohner.

Josué Duverger weiß um die Situation im Heimatland seiner Eltern und zeigt sich betroffen, seine Miene wird erst. Allerdings sei es umso schöner zu sehen, welche Hoffnung der Fußball den Menschen geben könne. Nach der Qualifikation feierten viele in der Hauptstadt Port-au-Prince - wenn auch nur kurz. "Menschen sind zusammengekommen, haben zusammen gefeiert", so der Torwart. "Wir wissen, dass die Situation dort schwierig ist, aber zu sehen, dass sie feiern, was wir erreicht haben, das war einfach unfassbar schön."

Auch wenn das Fußballteam davon ausgenommen ist: Haitianer dürfen momentan nicht in die USA einreisen, das Einreiseverbot verhängte US-Präsident Donald Trump im Sommer 2025. "Wir wissen, dass uns viele gerne unterstützen würden, aber wir wissen auch, dass es nicht unsere Entscheidung ist und wir müssen für diejenigen spielen, die nicht reisen können und uns zuschauen können. Wir werden für sie tun, was wir tun können", sagt Duverger. 

Oberliga und Fußball WM: Zwei Welten – ein Torwart! 

Viele Koblenzer Mitspieler bezeichnen Josué Duverger unter anderem als extrem bodenständig. Auch als mutmaßlicher WM-Teilnehmer hebt er in der Oberliga nicht ab. Wie er die beiden Welten von Oberliga und Nationalmannschaft vereinen kann? "Am Ende ist es einfach Fußball. Wir spielen das gleiche Spiel, es ist nur eine andere Bühne, andere Spieler, andere Qualität, aber das Spiel ist das gleiche. Wir müssen hinter dem Ball her rennen und das Spiel spielen." Es ist die größte Bühne des Fußballs, aber es sei eben auch einfach Fußball - Elf gegen Elf. 

Gänsehaut bei Mitspielern in Koblenz: "Surreal und krass" 

Das Team des FC Cosmos Koblenz ist natürlich mächtig stolz auf seinen Torwart. Sie freuen sich sehr für Duverger. Der Gedanke, ihren Keeper dann bei der WM im Fernsehen sehen zu können, erzeugt beispielsweise bei Taha Aksu Gänsehaut: "Es ist halt Wahnsinn, dass er bei der WM mit dabei ist. Wir freuen uns alle für ihn, die ganze Mannschaft."

Innenverteidiger Mordecai Zuhs ergänzt: "Jeder, der mal Fußball spielt, will mal bei der WM dabei sein oder spielen. Wenn man schon allein bedenkt, was für Stars da rumlaufen. Deswegen ist das auf jeden Fall schon sehr surreal. Und es ist schon krass, auf jeden Fall."

Wahr gewordener Traum: Große Vorfreude auf die WM

Natürlich erfüllt sich mit der WM-Teilnahme ein Traum für Josué Duverger und er sieht die Vorbildfunktion, die seine Geschichte haben kann: "Ich denke, für die jungen Spieler, die anfangen, Fußball zu spielen, ist das Wichtigste, dass sie an sich glauben und hart arbeiten. Alles ist möglich." 

Klar macht ihn die Aussicht auf die WM-Teilnahme auch einfach sehr stolz, aber er sei auch bescheiden und demütig, sagt er mit Nachdruck. "Deshalb komme ich hier auf den Trainingsplatz und arbeite jeden Tag und bleibe bei mir." 

Sein Land ist im Sommer erst zum zweiten Mal bei einer WM dabei. Josué Duverger könnte sein Fußballmärchen von der Oberliga zur WM dann wirklich wahr werden lassen. Seine Geschichte ist aber mehr. Sie ist für viele vor allem eins: die Inspiration, an sich selbst zu glauben, denn vieles ist möglich - nicht nur im Sport.

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