2. Bundesliga

KSC-Matchwinner Fabian Schleusener: Zweiter Frühling nach Fast-Abschied

Im Sommer galt Fabian Schleusener beim Karlsruher SC als Auslaufmodell. Mancher Fan belächelte ihn als Chancentod. Doch nun ist der Stürmer ein Symbol des Aufschwungs.

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Die Zufriedenheit stand Stürmer Fabian Schleusener nach dem Spielende ins Gesicht geschrieben. "Ich fühle mich unglaublich wohl hier. In der Mannschaft, vor der Kurve – das macht einfach Spaß", erklärte Schleusener. Kurz zuvor hatte sein Treffer in der dritten Minute der Nachspielzeit für den 2:1 (0:1)-Erfolg des Karlsruher SC gegen den als Zweitliga-Tabellenführer angereisten FC Schalke 04 gesorgt. Es war Schleuseners fünftes Tor im fünften Pflichtspiel nacheinander.

"Es war auf jeden Fall ein Highlight", freute sich der Routinier am Samstag im Interview mit SWR Sport. "Es war schon ein sehr, sehr wichtiges Tor. Ich glaube, man hat gesehen, wie viel Emotion in diesem Spiel lag und wie viel Last dann auch beim Siegtreffer von uns abgefallen ist."

Schleusener wollte den KSC in Richtung Ulm verlassen

Schleusener war fast schon in Ulm So erlebt der gebürtige Freiburger in Karlsruhe gerade seinen zweiten Frühling. Und das, obwohl er im Sommer fast schon weg war. Damals habe der KSC mitgeteilt, dass die Badener den im Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängern wollen. Eigentlich wollte der 34-Jährige den KSC gar nicht verlassen, "aber da ging es dann im Sommer tatsächlich um andere Dinge, um irgendwo vielleicht auch existenzielle Dinge".

Das rief dann den Drittligisten SSV Ulm auf den Plan: "Ich hatte wirklich unfassbar wertschätzende Gespräche mit Ulm, die sich dann natürlich auch in der Vertragslaufzeit gezeigt haben." Also packte er seine Sachen und fuhr an die Donau. "Ich saß am Deadline-Day in Ulm und habe im Prinzip darauf gewartet, dass der Transfer über die Bühne geht", so Schleusener. "Aber ich durfte dann auch mal den Deadline Day live an der eigenen Haut erleben und mitmachen, was man sonst nur aus der Champions League kennt: dass der Transfer wirklich in letzter Sekunde platzt."

Denn der designierte Ersatzmann Imad Rondic ließ sich vom 1. FC Köln lieber zu Raków Czestochowa in die polnische Ekstraklasa ausleihen, statt für Karlsruhe auf Torejagd zu gehen. Daher entschied der KSC in letzter Minute, doch auf weiter auf Schleusener zu setzen. "So ist das Leben."

KSC will mit Schleusener verlängern

Heute wirkt diese Entscheidung wie ein Glücksgriff. Schleusener steht sinnbildlich für den Aufschwung der Badener, die sich nach schwierigen Wochen im oberen Drittel der zweiten Liga festgesetzt haben. Als sich der junge Torjäger Louis Ben Farhat am dritten Spieltag verletzt hatte, übernahm Schleusener Verantwortung – und wurde zur zentralen Figur im Angriff. "Er hat eine Phase, in der er körperlich voll da ist, permanent Torgefahr ausstrahlt und einfach präsent ist. Jeder Gegner weiß, dass man ihn nie aus dem Spiel nehmen kann", erklärte KSC-Trainer Christian Eichner.

KSC hat sich im oberen Tabellendrittel festgesetzt

Sieht die 2. Bundesliga derzeit also den besten Fabian Schleusener aller Zeiten? "Was die Zahlen betrifft, bestimmt", meint der Torjäger. Daher stehen für Schleusener nach neun Pflichtspiel-Treffern nun doch wieder Gespräche über eine Vertragsverlängerung an. Er selbst nimmt das gelassen. "Ich habe gerade eine sehr gesunde Distanz zum Geschäft Fußball, die mir gut tut, ohne das Wesentliche des Fußballs zu vergessen."

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Neben dem Routinier machten gegen Schalke, das durch einen Foulelfmeter von Kenan Karaman (66.) zunächst in Führung gegangen war, auch zwei junge Einwechselspieler auf sich aufmerksam: die Bundesliga-Leihgaben Shio Fukuda (Borussia Mönchengladbach) und Leon Opitz (Werder Bremen). Besonders der 20-jährige Opitz empfahl sich in der Schlussphase mit seiner Schnelligkeit als offensives Druckmittel.

KSC sendet Signal an die Konkurrenz

"Nach dem Ausgleich wurde das Spiel offener, da konnten wir Leons Geschwindigkeit perfekt nutzen", sagte Eichner. "Trotzdem ist es immer ein Balanceakt, weil wir auch robuste Spieler für die Standardsituationen brauchen. Aber heute haben die Wechsel hervorragend funktioniert."

Mit dem späten Sieg gegen Schalke sendeten die Karlsruher, deren 1:1 Marcel Beifus (76.) erzielt hatte, ein deutliches Signal an die Konkurrenz: Trotz der Ausfälle hat die Mannschaft noch genügend Substanz, um oben mitzuspielen. Für ganz oben in der Tabelle reicht es vielleicht noch nicht. Mit einem starken Schleusener scheint aber vieles möglich. "Ich liebe das, was ich mache. Jeden Tag. Ich liebe es, auf dem Platz stehen zu dürfen, mit den Jungs gemeinsam Spiele zu bestreiten und - in Anführungszeichen - 'Schlachten', wie gestern, zu gewinnen."

Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Jens Ottmann & Daniel Günther
Onlinefassung
Michael Richmann
Michael Richmann ist Sportredakteur, Podcast- und Feature-Autor für SWR Sport und SWR Kultur.

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