So langsam muss man sich Sorgen machen um den 1. FSV Mainz 05. In keinem Spiel in dieser Saison konnten die Rheinhessen bisher wirklich überzeugen. In der Liga ist das leicht an der Tabelle abzulesen, der Relegationsplatz spiegelt den Leistungsstand bestens. In Mainz können sie froh sein, dass Heidenheim und Mönchengladbach aktuell noch schlechter sind und auch Augsburg und St. Pauli nicht regelmäßig punkten.
Kein Spiel auf Topniveau
Wenn man genau hinschaut, hat das Team von Trainer Bo Henriksen nur in zwei von bisher 13 Pflichtspielen in dieser Saison gut gespielt. Die Ausnahmen waren das 4:1 in Augsburg in der Bundesliga und das richtig starke 4:1 im Europapokal-Relegationsrückspiel gegen Trondheim.
Dadurch konnten die 05er die Gruppenphase der Conference League erreichen, zweifelsohne der größte sportliche Erfolg der vergangenen Jahre der Vereinsgeschichte. Zwar wurden dort dann die ersten zwei von insgesamt sechs Partien der Ligaphase international auch gewonnen, aber bei genauem Hinsehen waren die Gegner auch von überschaubarem europäischem Niveau.
Mainzer Minimalismus
In Nikosia und auch zuhause gegen Mostar taten sich die Bundesligaprofis über weite Strecken sehr schwer. Die beiden 1:0-Siege waren minimalistisch und überdecken die wahre aktuelle Leistungsfähigkeit.
Und auch der 1:0-Sieg Mitte August in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Dynamo Dresden war eher glücklich als souverän. Die Niederlagen in der Liga gegen Köln, Leipzig, Dortmund, Hamburg, Leverkusen und Stuttgart waren über die gesamten Spielzeiten gesehen immer verdient.
Nur zwei Spieler annähernd in der Form der Vorsaison, die Abwehr wackelt
Offensichtlich haben die Mainzer in der Defensive so ihre Probleme. Stefan Bell, Danny da Costa und Dominik Kohr haben in der vergangenen Saison überdurchschnittlich gespielt. Die Gelben oder gar Gelb-Roten Karten gegen Kohr schwächen das Team.
Notfall im Mainzer Fan-Block Reanimierter Mainz-05-Fan "auf dem Wege der Besserung"
Im Mainzer Fanblock beim Spiel in Stuttgart muss medizinisch geholfen werden. Beide Fanlager reagieren mit Stille. Doch es gibt gute Nachrichten.
Lediglich im defensiven Mittelfeld mit Nadiem Amiri und Kaishu Sano spielen die Mainzer solide und gut. Der Japaner Sano spult Woche für Woche sein zweikampstarkes Spiel ab, ist unverzichtbar. Der deutsche Nationalspieler Amiri ist überhaupt der Grund, weshalb die Mainzer den einen oder anderen Erfolg feiern konnten.
Seine Tore im Pokal und in der Conference League waren überlebenswichtig für die beiden Wettbewerbe - und hätten die Mainzer in der Liga nicht schon drei Elfmeter zugesprochen bekommen, die Amiri allesamt verwandelte, es sähe noch düsterer aus rund um das Trainingszentrum am Mainzer Bruchweg.
Bestes Beispiel für die Formkrise: Phillipp Mwene
Einzelne Spieler, wie der Österreicher Phillipp Mwene, sind natürlich nicht schuld an der aktuellen sportlichen Misere. Gerade Mwene kann aber als Sinnbild herhalten. Seine taktischen Schwächen konnte er selbst, aber auch das Team, im vergangenen Jahr gut kaschieren. Mwene steckt in der Krise. Auf der linken Außenbahn kann der Rechtsfuß sein Tempo selten ausspielen.
Auch auf der rechten Seite, wie in Stuttgart, hat Mwene seine Probleme, steht oft falsch, kommt erst gar nicht oder verliert wichtige Zweikämpfe, die zu gefährlichen Situationen oder schlimmstenfalls gar zu Gegentoren führen. Der österreichische Nationalspieler bräuchte dringend eine Verschnaufpause zur Rückbesinnung auf seine Stärken. Fehlende Alternativen auf seiner Position allerdings lassen ihm diese nicht.
Stürmer Jonny Burkardt ist nicht zu ersetzen
Was sicherlich am schwersten wiegt, ist der Abgang von Stürmer Jonathan Burkardt. Seine Qualitäten im Abschluss, aber auch generell im Offensivspiel, scheinen für die 05er aktuell unersetzbar. Burkardt präsentiert seine Stärken jetzt in Frankfurt, weder Talent Nelson Weiper, noch Neuzugang Benedict Hollerbach zeigen in diesen Tagen das Burkardt-Niveau auf dem Platz.
Wann meldet sich Christian Heidel zu Wort?
Wenn es in Mainz nicht läuft, dann ist es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis Sportvorstand Christian Heidel auf den Plan tritt. Der erfahrene Manager Heidel hielt sich in den vergangenen Monaten im Hintergrund und überließ im Erfolg, wie im Misserfolg, anderen die Bühne.
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So langsam, und bei den derzeitigen Ergebnissen scheint das nur noch eine Frage von Tagen, wird Heidel aber die bereits aufkommenden Fragen beantworten müssen: Warum zünden die Neuverpflichtungen (noch) nicht? Und vor allem: Wie lange darf Trainer Bo Henriksen bei anhaltender Erfolglosigkeit in Ruhe weiterarbeiten?
Die Power und Leidenschaft des Dänen nach außen sind offensichtlich immer noch da. Aber sind sie das auch in der Kabine? Auf dem Platz setzt die Mannschaft es jedenfalls nicht mehr um und so bleiben viele Fragen rund um Mainz 05 in der aktuellen Formkrise.