Urs Fischer soll Mainz 05 aus dem Tabellenkeller der Bundesliga führen. Wie von Sportvorstand Christian Heidel in der vergangenen Woche angekündigt, ist der neue Trainer damit kein "Bo Henriksen 2.0".
Inhaltlich könnte das richtiger kaum sein. Während Henriksen wohl zu den emotionalsten Bundesligatrainern der vergangenen 20 Jahre gehört, macht Fischer - ganz Schweizer - jederzeit einen kontrollierten und besonnenen Eindruck.
Fischer führt mit ruhiger Hand
Auf Szenen wie bei Henriksen, der den 05er-Fans vor Heimspielen regelmäßig vor der Kurve einheizte, werden die Anhänger in Zukunft ziemlich sicher verzichten müssen. Derart aus sich herausgegangen war Fischer bei seiner letzten Station Union Berlin höchstens im Mai 2023, als er die Eisernen sensationell in die Champions League geführt hatte.
Sein Erfolg während der fünfeinhalb Jahre in Berlin war geprägt von einem jederzeit überlegten Auftreten. Mit Akribie und seiner ruhigen Art führte Fischer Union von der 2. Liga bis in die Königsklasse.
Ganz so weit ist der Weg in Mainz jetzt nicht. Und doch gilt es, eine Mannschaft aus der Krise zu führen, die in 13 Spielen erst sechs Punkte eingesammelt hat. Während Henriksen die Rheinhessen zunächst vor dem Abstieg gerettet und anschließend in die Conference League gepusht hatte, wirkten Trainer und Mannschaft zuletzt nur noch ratlos.
Fischers ruhige Art wird den 05ern helfen
Dabei war dem Mainzer Team von der Einstellung her lange Zeit kein Vorwurf zu machen. Erst das erschreckend blutleere 0:4 beim SC Freiburg sorgte dafür, dass Heidel und Sportdirektor Niko Bungert einen Trainerwechsel in Erwägung zogen und sich gemeinsam mit Henriksen letztlich auf eine Trennung einigten.
Fischer statt Henriksen: Das wird für die Mannschaft eine deutliche Veränderung in der Kommunikation werden. Und ich glaube, die neue Ruhe wird dem Bundesliga-Schlusslicht gut tun. Nach dem nervenaufreibenden Kampf gegen den Abstieg 2024 und dem darauffolgenden Husarenritt Richtung Europa wirkt es bei den Mainzern auf dem Platz gerade so, als gehöre vieles neu geordnet.
Und Ordnung, die kann Urs Fischer. Das haben die Jahre in Berlin gezeigt. Spektakulären Fußball sollte man in der Mainzer Arena dagegen nicht in erster Linie erwarten. Ruhig und sachlich, ergebnisorientiert, so präsentieren sich Mannschaften von Urs Fischer. Und Ergebnisse sind für die Mainzer in der aktuellen Situation das einzig Wichtige - mit Ruhe statt mit Emotionen.