0:5-Niederlage der Schwaben gegen den Meister

VfB Stuttgart fühlt den Bayern auf den Zahn - bis Joker Harry Kane den Stecker zieht

Der VfB Stuttgart verlor deutlich gegen den FC Bayern München. Das 0:5 allerdings spiegelte nicht den Spielverlauf in der Stuttgarter Arena wider.

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Stand

Von Autor/in Kersten Eichhorn

Völlig ausgepumpt standen sie da in ihren weißen Trikots mit dem roten Brustring: Die VfB-Spieler aufgereiht vor der prall gefüllten Stuttgarter Fankurve, bitter enttäuscht, regungslos und mit leeren Gesichtern, während ein paar Meter daneben Münchens Dreifach-Torschütze Harry Kane freudig erregt Selfies mit dem Spielball machte. Unterschiedlicher können Gefühlswelten im Fußball nicht sein.

VfB-Trainer Sebastian Hoeneß "geladen"

0:5 hieß es am Ende gegen die Bayern. Stuttgart hatte eine richtige Packung kassiert, dazu noch Rot für "Handballer" Lorenz Assignon (82. Minute). "Wir müssen uns vorwerfen, dass die Niederlage zu hoch ausgefallen ist", analysierte nach dem Schlusspfiff VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth gegenüber SWR Sport, "die Partie war bis zur 67. Minute auf Augenhöhe." So sah das auch der sichtlich angefressene Trainer Sebastian Hoeneß: "Nach dem 0:2 ist das Spiel auf die falsche Bahn gegangen", so der Coach, "nicht nur bei diesem Tor müssen wir besser verteidigen. Deshalb bin ich heute geladen." Was auch sein Stürmer Deniz Undav nach dem Kabinenbesuch bestätigte: "Der Trainer hatte einen ziemlichen Hals".

Zaubertor von Bayerns Konrad Laimer

Bis zu diesem ärgerlichen, weil vermeidbaren 0:2 hatten die Bayern gerade mal mit einem Treffer geführt und die Partie nicht unbedingt dominiert. Ausgerechnet der sonst nicht unbedingt für die große Fußballkunst zuständige Konrad Laimer hatte nach elf Minuten tief in die Trickkiste gegriffen. Der schmale Dauerläufer aus Österreich zirkelte ein Zuspiel von Michael Olise wunderschön mit der Hacke ums eigene Standbein herum und an VfB-Keeper Alexander Nübel vorbei über die Stuttgarter Linie. Das 1:0 für die Bayern, ein Zaubertor von "Magic" Laimer. Ein Augenschmaus für alle Beteiligten - sofern sie nicht das VfB-Dress trugen. "Wir waren mit zu viel Respekt ins Spiel gegangen", so VfB-Sportvorstand Wolhgemuth, "aber danach haben wir Entschlossenheit gezeigt, da war der Ausgleich möglich."

VfB mit Narteys Abseitstreffer nah am Ausgleich

Die Stuttgarter, nach der frühen Führung des Meisters nur kurz konsterniert, zeigten sich danach in der Tat umso lebhafter im Clinch mit dem Favoriten von der Isar: Zunächst erregte das vermeintliche 1:1 durch Nikolas Nartey in der 40. Minute die Gemüter unter den 60.000, vom VAR und Schiedsrichter Tobias Stieler allerdings wurde der Treffer wegen einer hauchdünnen Abseitsstellung zurückgenommen. Dann riss der Flachschuss vom Spanier Chema, der nur Zentimeter am Münchner Pfosten vorbeiflitzte (45.+5), die VfB-Fans von den Sitzen.

Auch Undav verpasste das 1:1

Der VfB agierte auch nach der Pause zunächst auf gleicher Höhe mit dem Star-Ensemble von der Isar. Laufleistung, Ballbesitz, Torschüsse, Passquote - alles ziemlich identisch eine gute Stunde lang. Was wäre gewesen, wenn der junge Bayern-Keeper und Neuer-Vertreter Jonas Urbig den abgefälschten Schuss von Stuttgarts Dauertorschützen der letzten Wochen, von Deniz Undav, nicht gerade noch mit den Fingern über die Latte gekratzt hätte (59.)? "Der Spielverlauf, das Momentum, auch der Schiedsrichter zum Teil", fasste Fabian Wohlgemuth nachdenklich zusammen, "waren heute nicht unbedingt auf unserer Seite."

Hoeneß "zieht vor den Bayern den Hut"

Stattdessen hieß es mal wieder: Kane kam, sah und traf. Nach 60 Minuten eingewechselt, zog Münchens zunächst geschonter "Superjoker" nur sieben Minuten später mit dem Ball am Fuß das Tempo an und wuchtete - nicht angegriffen - das Spielgerät aus 20 Metern unnachahmlich ins linke untere Eck. 2:0 für die Bayern und Stille auf den Stuttgarter Rängen. Alles war entschieden: "Dann haben wir etwas erlebt, was man gegen die Bayern immer mal erleben kann, weil sie einfach gut sind", zeigte sich VfB-Trainer Hoeneß im Interview mit SWR Sport über die nachfolgende wilde Schlussphase ernüchtert, "da muss ich vor den Bayern den Hut ziehen generell. Und vor ihrem Spirit, den sie sind bis zum Schluss marschiert."

Stuttgart, Freiburg, Hoffenheim, Mainz, Berlin

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Super-Kane schnürt Dreierpack

Vor allem Harry Kane, der ebenso famose wie unersättliche Engländer, hatte längst noch nicht genug. Erst traf Verteidiger Josip Stanisic nach Nübels Patzer zum 3:0 (78.), ehe Kane mit zwei weiteren Treffern (82., Handelfmeter, Rote Karte für Assignon und 88. Minute) gnadenlos zum 4:0 und 5:0 nachlegte. Es waren Harry Kanes Bundesligatore Nummer 77, 78 und 79 im 76. Spiel für den FC Bayern, eine Wahnsinnsquote. Und letztlich in der Schlussviertelstunde eine Machtdemonstration der Bayern gegen jetzt überforderte und frustrierte Stuttgarter. "Das waren zwei Klassen Unterschied", gab Stuttgarts Nationalspieler Deniz Undav danach gegenüber SWR Sport zu: "Die waren eiskalt und haben uns einfach fertig gemacht." Das sah auch Dreifach-Torschütze Harry Kane so: "In der letzten halben Stunde haben wir sie bestraft."

Horror-Heimspielgegner Bayern München

Und so bleibt es dabei, dass die Bayern in der Stuttgarter Arena eine Art Horror-Gegner sind: 16 der vergangenen 17 Auftritte am Neckar haben die Münchner gewonnen. Für den zuvor in dieser Saison so heimstarken VfB war es ein schwerer Dämpfer im Kampf um die Champions-League-Plätze und nach dem 1:2 letzte Woche beim HSV bereits die zweite Bundesliga-Niederlage hintereinander: "Das war bitter", so VfB-Trainer Hoeneß, "aber wir werden daraus lernen, um auf unser Top-Level zu kommen."

Am kommenden Donnerstag (18:45 Uhr) heißt in der Europa League der Gegner Maccabi Tel Aviv. In der Bundesliga geht's nächste Woche Sonntag (14.12./19:30 Uhr) bei Werder Bremen weiter. Erst aber dürfen die durch die zahlreichen "Englischen Wochen" strapazierten Stuttgarter am Sonntag und Montag zwei Tage lang die Beine hochlegen, trotz des 0:5: "Wir müssen regenerieren", sagt Trainer Sebastian Hoeneß. Und: "Um Abstand zu gewinnen", so Sportvorstand Fabian Wohlgemuth.

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Kersten Eichhorn