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Freiburgs Keeper Noah Atubolu beim DFB-Team: Genau da, wo er hingehört!

Torwart Noah Atubolu vom SC Freiburg darf nun doch zur Nationalmannschaft reisen. Nachdem DFB-Keeper Oliver Baumann wegen Übelkeit passen muss, gab es am Montag die Nachnominierung für den 23-Jährigen. SWR Sportredakteurin Anna Klär findet, dass diese längst überfällig war.

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Von Autor/in Anna Klär

Als Julian Nagelsmann seinen Posten als Bundestrainer antrat, hatte er eine eiserne Regel für sich auserkoren: Die Nominierung erfolgt nach dem Leistungsprinzip. Wäre es wirklich danach gegangen, dann hätte der Coach meiner Meinung nach schon früher auf Noah Atubolu setzen dürfen, ihn aber spätestens zu dieser Länderspieleinheit "direkt" nominieren müssen. Nun eben im Nachrückverfahren, sei's drum. Freiburgs Keeper ist jetzt genau da, wo er hingehört, nämlich im Kreis der besten deutschen Fußballer.

Bremen/Freiburg

Bundesliga Noah Atubolu unbezwingbar: Freiburg schießt sich warm für Europa

In Bremen konnte der SC Freiburg mit einem souverän herausgespielten Auswärtssieg glänzen. Mit seiner fünften Strafstoßparade in Serie stellte Noah Atubolu einen Rekord auf.

Atubolus starke zweite Bundesligasaison

Atubolus Leistungen in dieser, aber vor allem auch in der abgelaufenen Spielzeit, hätten eigentlich genug Werbung für ihn sein müssen. Nach einem schwierigen ersten Bundesligajahr mit einigen Patzern - die darf man einem 21-Jährigen in seiner Debütspielzeit aber gern verzeihen - zeigte er in der vergangenen Saison, wie wichtig er für diese Freiburger Mannschaft ist.

Der Erfolg, das Erreichen der Europa League, geht auch auf sein Konto. Oft genug rettete er in letzter Not, hielt noch dazu sämtliche gegnerischen Strafstöße, spielte zehn Mal zu Null - das ist übrigens der drittbeste Wert der Liga, besser waren in der Hinsicht nur Péter Gulácsi und Manuel Neuer. Kein Wunder, dass auch in dieser Saison der Uralt-"Zu-Null-Rekord" von Freiburgs Ex-Keeper Richard Golz geknackt wurde. 609 Minuten blieb Atubolu in der Liga ohne Gegentor.

Atubolu im Trainingslager

Nun geht all das nicht allein auf Atubolus Konto, aber eben doch zu einem großen Teil. Und viel wichtiger: Grobe Schnitzer sieht man fast keine mehr. Die Entwicklungskurve war und ist beachtlich und wurde sicher auch vom Bundestrainer beobachtet - bis gestern eben nur, ohne eine Nominierung nach sich zu ziehen.

Einer für die Zukunft

Diesen Punkt konnte ich nicht nachvollziehen. Nun bin ich weder Torwarttrainerin noch besitze ich eine Übungsleiter-A-Lizenz und möchte mir an dieser Stelle kein Urteil über die Stärken, Schwächen und Qualitäten der anderen drei Nationalmannschaftskeeper - Nübel, Baumann und Dahmen - erlauben, aber ich bin der festen Überzeugung, dass Atubolu leistungsmäßig sicher mit ihnen mithalten kann.

Was ihn von den anderen unterscheidet ist sein Alter. Oliver Baumann ist 35 Jahre alt, Alexander Nübel 29 und Finn Dahmen 27. Noah Atubolu ist mit seinen 23 Jahren für mich die deutsche Nummer eins der Zukunft. Vorausgesetzt er bleibt fit. In diesem Alter gibt es aktuell keine deutschen Keeper, die auf seinem Niveau spielen. Warum ihm also nicht die Chance geben sich auch frühzeitig bei der Nationalmannschaft zu entwickeln? Manuel Neuer war bei seiner ersten Nominierung übrigens genauso alt.

Atubolu knackt Rekorde

Ein guter Typ

Klar, ein Keeper muss auch ins Team und zur Spielweise der Nationalmannschaft passen. Aber auch dafür bringt Atubolu vieles mit. Auf der Linie ist er stark, in der Luft noch stärker. Dazu sehr gut mir Ball am Fuß. Ein mitspielender Torwart, der in Freiburg von hinten oft lautstark seine Vorderleute antreibt. Groß, breit, selbstbewusst steht er stets zwischen den Pfosten. Abgehoben ist er bisher noch nie.

Dazu ist er - so wie ich ihn erlebt habe - einfach ein guter Typ, der dieser Nationalmannschaft nicht nur auf dem Rasen helfen kann. Einer der die SC-Fans begeistert, einer der bei der U21-EM im Sommer die deutschen Fans begeistern konnte. In Freiburg hat er sich innerhalb der zwei Saisons zu einem Führungsspieler entwickelt, er geht voran, stellt sich in Interviews den Fragen der Reporter und findet klare Worte. Er ist ein authentischer Typ, der geradeheraus ist und mehr kann als nur Fußball.

Vor wenigen Tagen spendierte der 23-Jährige z.B. 28 Familien aus seinem Freiburger Heimatstadtteil Weingarten einen Urlaub in Spanien, den sie sich sonst nicht hätten leisten können. Ich finde das beeindruckend. Nicht, weil er als Fußballer Geld spendet, sondern weil es ihm wichtig ist, Menschen etwas zurückzugeben, weil er nicht vergessen hat, wo er herkommt.

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Solche Spieler wünscht man sich für die Nationalmannschaft. Und Atubolu hat sich seine Nominierung dank seiner Leistungen auch mehr als verdient. Deswegen bemühe ich mich zum Abschluss einer leicht abgewandelten Phrase, die die Freiburger Fans für Atubolu entwickelt haben: "In Atu, I trust!"