Das Echo auf Social Media war groß, als der DFB den Kader für die letzten Testspiele vor der Fußball-WM im kommenden Sommer veröffentlichte. Verwirrung über die Nominierungen von Pascal Groß und Anton Stach, die "ewigen" Leon Goretzka und Leroy Sané. Und: das Fehlen von Angelo Stiller. Auf einer ersten Pressekonferenz erklärte Bundestrainer Julian Nagelsmann seine Entscheidungen und begründete auch die Nicht-Nominierung des Stuttgarter Mittelfeldstrategen. Vier Tage später folgte das Update: Aufgrund von zwei verletzungsbedingten Ausfällen wurden Stiller und Chris Führich vom VfB nachnominiert.
Stiller durfte dann auch in den Partien gegen die Schweiz (4:3) sowie in Stuttgart gegen Ghana (2:1) starten, VfB-Keeper Alexander Nübel stand gegen die Afrikaner ebenfalls in der Startformation. Deniz Undav indes, der aktuell beste deutsche Torjäger, saß gegen die Eidgenossen 90 Minuten auf der Bank. Zum Unverständnis etwa von Thomas Hitzlsperger. "Ich finde, dass Deniz Undav einen Mehrwert für diese Mannschaft hat. Ich wünsche mir nur, dass er Geduld hat, lange da dabei zu bleiben. Weil man spürt schon, dass Julian Nagelsmann jetzt nicht sofort Deniz Undav im Kopf hat, wenn er an die Aufstellung denkt. Das ist eine Geduldsprobe für ihn. Ich bin sicher, Deniz Undav kann den Unterschied machen bei der WM", sagte die VfB-Legende bei SWR Sport.
Undav bewies seinen Mehrwert dann gegen Ghana, als er nach seiner Einwechslung den 2:1-Siegtreffer erzielte und nach dem Spiel verkündete, dass er sich mehr Spielzeit wünsche. Was DFB-Coach Nagelsmann etwas säuerlich aufnahm.
Undav hat jedenfalls Eigenwerbung betrieben. Mit insgesamt fünf Spielern stellte der VfB Stuttgart nach dem FC Bayern jetzt den zweitgrößten Block im deutschen Kader. Verdient ist dieses Zeichen der Wertschätzung schwäbischer Arbeit allemal. Der VfB stand vor der Länderspielpause auf Platz drei in der Bundesliga-Tabelle und kann sich berechtigte Hoffnungen auf eine Champions-League-Teilnahme in der kommenden Saison machen. Hoffnung haben sicherlich auch die fünf nominierten Spieler des VfB, doch die Konkurrenz im Rennen um die Kaderplätze für die WM ist groß.
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Alexander Nübel - Die Nummer Zwei?
Oliver Baumann von der TSG Hoffenheim ist die gesetzte Nummer Eins im Tor, Nübel soll laut DFB-Coach Nagelsmann die "Zwei" sein. Er bekam als Zeichen der Wertschätzung nun die Partie gegen Ghana in Stuttgart. Für Nübel sprechen seine Konstanz, die Erfahrung in internationalen Wettbewerben und bereits zehn Partien ohne Gegentor in der laufenden Saison. Sollten Nübels Leistungen im Saison-Endspurt nicht einbrechen, ist er bei der WM 2026 sicher dabei.
Josha Vagnoman - Ein neues Profil?
Die Nominierung von Josha Vagnoman kam für viele Fans überraschend. Kapitän Joshua Kimmich ist als Rechtsverteidiger gesetzt. Die Rolle des Backups erfüllte der Leipziger Leistungsträger Ridle Baku zuletzt ohne große Schwachstellen.
Erklären lässt sich Vagnomans Nominierung also vor allem durch sein Spielerprofil: Er ist 1,90 Meter groß und bringt damit sowohl Kopfballgefahr als auch eine körperliche Präsenz mit, die weder Kimmich noch Baku haben. Sollte Nagelsmann zu dem Schluss kommen, dass dieses Profil einen Mehrwert für die WM bringt, dürfte das Vagnomans Chancen steigern. Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit einer WM-Nominierung Vagnomans wegen der starken Leistungen seiner Konkurrenten eher gering.
Angelo Stiller - Der Nachnominierte
Im Fall Angelo Stiller gestaltet sich die Situation etwas verzwickt: Ursprünglich nicht nominiert, rückte er aufgrund des Ausfalls von Aleksander Pavlovic und Felix Nmecha in das DFB-Aufgebot nach. Da gerade Nmecha längerfristig ausfällt, ist dessen WM-Teilnahme keineswegs gesichert. Stiller, den Nagelsmann eigentlich nicht in der ersten Elf sieht, wie er selbst sagte, ähnelt vom Spielerprofil eher Aleksander Pavlovic.
Doch Stiller nutzte seine unverhoffte Chance, stand in beiden Testspielen in der Anfangsfpormation und wusste über weite Strecken durchaus zu überzeugen. Seine Chancen auf eine WM-Nominierung steigerte das sicherlich.
Chris Führich - Der Flügelstürmer
Chris Führich wurde auf dem Papier für den verletzten Felix Nmecha nachnominiert. Von der Position her ähnelt er allerdings eher seinem abgereisten Mannschaftskameraden Jamie Leweling. Dementsprechend ist seine aktuelle Rolle im DFB-Kader als die eines Jokers und Herausforderers zu verstehen. Wenn er im Saison-Endspurt weiterhin Top-Performances abruft, kann er DFB-Coach Nagelsmann ins Grübeln bringen. Aufgrund der hohen Leistungsdichte in der Offensive hat er trotzdem eher Außenseiterchancen auf eine WM-Teilnahme.
Deniz Undav - Unverhandelbar?
Für Deniz Undav wäre eine WM-Teilnahme "das Größte", wie er selbst im Interview sagt. Argumente dafür sammelt der Stürmer des VfB im Moment zu Genüge. Dass er jetzt nominiert wurde, war folgerichtig. Mit 18 Bundesliga-Toren ist er der torgefährlichste deutsche Stürmer und mit seiner ehrlichen und direkten Art kann er ein Bindeglied im Stile von Thomas Müller sein. Da er außerdem vielseitig einsetzbar und ein echter Teamplayer ist, ist ein fitter Undav aus dem WM-Kader kaum wegzudenken. Die Frage ist nur: Sieht Nagelsmann das auch so? Der Bundestrainer scheint weiterhin nicht restlos von dem Angreifer überzeugt.
Ebenfalls Chancen auf die WM rechnen sich Leweling und Maximilian Mittelstädt aus, die diesmal nicht dabei waren. Leweling bringt ein Komplettpaket mit, ist ein starker Pressingfußballer und ackert in der Defensive. Eigenschaften, die Nagelsmann schätzt. Mittelstädt präsentierte sich zuletzt verbessert und hofft, noch auf den WM-Zug aufspringen zu können. Er hat aber links hinten mit David Raum (RB Leipzig) und Nene Brown (Eintracht Frankfurt) starke Konkurrenz, die derzeit die Nase leicht vorne hat.