Riskante Grätschen und dennoch blitzsaubere Tacklings. Schnelle Antritte und eine gute Spieleröffnung: Wer Finn Jeltsch in den ersten Monaten beim VfB Stuttgart beobachtete, konnte sich getrost die Augen reiben und fragen: Was hat der Verein für Bewegungsspiele - trotz damals 18 Jahren - da für eine Maschine verpflichtet? "Er hat einen Raketenstart bei uns hingelegt. Aus der 2. Liga direkt zu uns, direkt gespielt", unterstrich Sebastian Hoeneß die Leistungen am Donnerstag vor dem Spiel beim SC Freiburg am Samstag (15:30 Uhr, live in SWR1 Stadion). Und dennoch blieb das Bremsen von überhöhten Erwartungen verständlicherweise nicht aus.
"Der Finn ist ein junger Bursche und dann ist es ganz natürlich und normal, dass da Schwankungen auftreten in dem Alter." Leistungsschwankungen in Kombination kleinerer gesundheitlicher Einschränkungen kosteten ihn zum Saisonstart im Supercup (1:2-Niederlage gegen Bayern München) und in der Bundesliga (1:2-Niederlage bei Union Berlin) den zuvor erkämpften Stammplatz in der Innenverteidigung.
Jeltsch erstmals Kapitän der U21-Nationalmannschaft
Umgeworfen hat das den inzwischen 19-Jährigen nicht. Diesen Samstag wird Finn Jeltsch - auch aufgrund des Trainingsrückstands von Luca Jaquez nach Nasen-OP - von Beginn an neben Jeff Chabot in der Innenverteidigung auflaufen. Dass ihm die bisherige Woche ohnehin geschmeckt haben dürfte, liegt nicht zuletzt am Auftritt mit der U21 gegen Lettland. Jeltsch lief für die DFB-Youngster von U21-Coach Antonio Di Salvo erstmals als Kapitän auf. Und das als zweitjüngster Spieler im Kader. "Heute Kapitän zu sein, hat mir sehr sehr viel bedeutet. Mehr Stolz und dann noch voranzugehen, kann man nicht haben", sagte ein sichtbar glücklicher Finn Jeltsch nach dem 5:0-Torfestival zum Start der EM-Qualifikation.
Auf den Spuren von Sami Khedira
Aus VfB-Binnensicht bewegt sich Finn Jeltsch damit quasi auf den Spuren von Sami Khedira, der 2009 unter Horst Hrubesch den EM-Titel mit der deutschen U21-Nationalmannschaft gewann. Auch die Mini-Delle zu Saisonbeginn ist rausgedrückt. Schon beim 1:0-Heimsieg gegen Mönchengladbach vor der Länderspielpause war Jeltsch mit 63% gewonnenen Duellen bester VfB-Zweikämpfer.
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"Jetzt steht er schon anders da und hat sich in eine gute Position gebracht", sagte Hoeneß auf der Pressekonferenz und beschrieb Jeltsch als "spielenden Innenverteidiger mit sehr gutem ersten Kontakt". Dabei sei der junge Verteidiger in der Lage, "direkt am Gegenspieler vorbeizudribbeln" und Räume zu attackieren. "Ein schneller Spieler, der Räume sucht und auch oft findet." Der Beweis gegen Gladbach: 97 Prozent Passquote - auch das Bestwert.
Jetzt gilt es das Juwel zu schleifen, das auch charakterlich "offen und lernwillig" daherkomme. Dieser Charakter, so Hoeneß, eröffne ihm alles. Gut möglich also, dass der Name Finn Jeltsch in den nächsten Jahren auch bei der A-Nationalmannschaft mal auf dem Zettel auftaucht. Dort bräuchten sie nach den defensiven bedenklichen Auftritten ein deutsches Talent, das mit Stärke, gutem Spielaufbau und vor allem Konstanz daherkommt.
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