Gesundheitsprobleme durch Schnarchen

Warum schnarchen wir im Schlaf und wann wird es gefährlich?

Schnarchen ist nervig – und das nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für ihre Partner, die davon aus dem Schlaf gerissen werden können. Im schlimmsten Fall kann Schnarchen sogar gefährlich werden.

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Im Internet werden viele Gadgets angeboten, die gegen das Schnarchen helfen sollen. Ob sie etwas taugen, erklärt uns Dr. Christoph Rieder-Nelissen. Er leitet die Schlaf- und Beatmungsmedizin im Marienhaus Klinikum Mainz.

Gadgets gegen Schnarchen – was hilft?

SWR1: Nasenklammern, Anti-Schnarch-Schiene, mit der der Unterkiefer nach vorn geschoben wird, Schlafmaske, Nackenkissen – was hilft am besten?

Dr. Christoph Rieder-Nelissen: Ich denke, da werden eine ganze Reihe von Möglichkeiten im Internet angeboten. Aber man muss letztendlich schauen, wo diese Möglichkeiten ansetzen und wo gibt es Wirksamkeitsnachweise?

Wenn wir erstmal schauen, wodurch Schnarchen entsteht, dann ist es eigentlich eine Vibration von Weichteilstrukturen im Bereich des Rachens und der oberen Atemwege, die dadurch entstehen, dass beim Schlaf die Muskulatur erschlafft. Wenn man nun an die Nasenklemmen denkt, dann weiß man, dass die eigentlich nicht sonderlich viel Wirkung haben. [...]

Eine Möglichkeit, das Schnarchen zu behandeln, wäre eine fachgerecht angepasste Bissschiene, also eine sogenannte Unterkieferprotrusionsschiene, bei der man durch Vorziehen des Unterkiefers den Rachen erweitert und dadurch diese Vibration verringert. Diese Möglichkeit wird allerdings beim einfachen oder beim reinen Schnarchen von den Kassen nicht übernommen.

SWR1: Es werden auch elektronische Schlafpositionstrainer verwendet. Das sind kleine Kästchen, die mit Klebestreifen an der Brust oder an der Stirn festgemacht werden. Sie vibrieren, wenn sich die schnarchende Person auf den Rücken dreht. Wie wirksam ist das?

Rieder-Nelissen: Grundsätzlich kann ein Schnarchen, das nur in Rückenlage auftritt, durch Verhinderung der Rückenlage, zum Beispiel durch eine Lagerungsweste oder durch so einen Positionstrainer, durchaus verringert werden. Aber erfahrungsgemäß ist es tatsächlich so, dass auf die längere Dauer dieser Maßnahmen die Akzeptanz bei den Betroffenen zunehmend abnimmt.

Liegt eine Atmungsstörung vor?

SWR1: Wenn man durchs Schnarchen aufwacht, könnte man sich doch einfach auf die Seite drehen, oder?

Rieder-Nelissen: Das hilft dann auch natürlich, aber meistens wacht man durch das Schnarchen nicht auf. Ein Aufwachen durch Schnarchen könnte auch ein Hinweis darauf sein, dass eine sogenannte schlafbezogene Atmungsstörung vorliegt, die dann aber weitere Maßnahmen erforderlich macht.

SWR1: Die Folgen von Schnarchen oder solchen Atemaussetzern sind Tagesmüdigkeit, hoher Blutdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall. Es gibt auch die Behandlung einer nächtlichen Überdruckbeatmung, beim Atemstillstand wird dann Luft in die Lunge geblasen. Hilft das?

Rieder-Nelissen: Diese Therapieform hilft auf alle Fälle, auch beim Schnarchen. Sie wird aber beim isolierten Schnarchen nicht empfohlen und auch nicht vergütet. Bei den schlafbezogenen Atmungsstörungen, also den nächtlichen Atempausen im Schlaf hilft diese Therapie sehr gut und ist eigentlich eine Standardtherapie.

Musikinstrumente spielen für besseren Schlaf?

SWR1: Was können Betroffene selbst gegen das Schnarchen unternehmen?

Rieder-Nelissen: Es gibt sicher auch Empfehlungen, dass man versucht, seine Mund- und Rachenmuskulatur zu trainieren. Zum Beispiel Blasinstrumente spielen oder Stimmübungen oder Didgeridoo spielen. Hierfür gibt es allerdings bei den derzeit vorliegenden Untersuchungen keine Evidenz, dass diese Methoden wirksam sind.

Wenn Schnarchen gefährlich wird

SWR1: Ab wann merkt man, dass es gefährlich wird, also dass man Behandlung braucht und dass man ins Schlaflabor muss?

Rieder-Nelissen: Also wenn Sie darüber nachdenken, welche Beschwerden sie hatten, können Anzeichen sein:

  • mangelnde Erholsamkeit des Schlafes
  • Atempausen im Schlaf, die häufig durch den oder die Bettpartner beobachtet werden
  • eine vermehrte Tagesschläfrigkeit
  • Ein- und Durchschlafstörungen
  • Aufwachen mit trockenem Mund oder trockenem Rachen
  • Konzentrationsminderung am Tag.

Oder, ganz wichtig bei den Patienten, die Auto fahren, die also ein Sekundenschlaf am Steuer haben – das sind ganz handfeste Hinweise für eine behandlungsbedürftige Atmungsstörung im Schlaf.

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