"Es liegt eine Schwere auf dem Land, wie ich sie noch nie wahrgenommen habe", beschreibt die Politikwissenschaftlerin und Autorin Gilda Sahebi in SWR Aktuell die Lage im Iran. Sie sagt, sie sei vorsichtig mit dem Begriff "Hoffnungslosigkeit" - weil viele Menschen im Iran trotzdem Hoffnung bewahren müssten.
Viele Menschen haben aber gehofft, dass zumindest ein Militärschlag von außen das Regime stürzen könnte - weil sie es in den letzten Jahren von innen immer und immer wieder versucht hatten: mit Protesten, egal was es sie gekostet hatte. Viele hatten gehofft, dass zumindest von außen jemand kommt und helfen kann. Jetzt fühlt man sich machtlos.
Zu Kriegsbeginn habe es unter den Iranern allerdings viele unterschiedliche Ansichten und Gefühle gegeben, sagt Sahebi: "Die einen konnten sich vorstellen, dass das Regime gegen die USA und Israel bestehen kann und waren von Anfang an gegen diesen Krieg. Andere konnten sich das nur schwer vorstellen."
Es war einfach die Sehnsucht sehr vieler Menschen, auch außerhalb des Landes, dass dieses Regime stürzt - dass sie auch zurückkönnen, zu ihren Verwandten und Angehörigen, in ihr Land. Jetzt ist es schon sehr schwierig mit anzuschauen, dass sich dieses Regime nach drei Monaten als Sieger darstellt - und das auch nicht ohne Grund.
Wirtschaftliche Lage viel schlechter als vor dem Krieg
Ihrem Eindruck nach hat sich das iranische Regime sehr gut auf den Krieg vorbereitet. Im Iran habe sich die ohnehin schon schlechte wirtschaftliche Lage vor dem Krieg weiter verschlechtert. Sahebi erinnert an die landesweiten Massenproteste Ende Dezember, Anfang Januar: "Der Auslöser waren die hohe Arbeitslosigkeit und die sehr hohe Inflation. Vor allem junge Menschen hatten schon vor dem Krieg mehrere Jobs, um über die Runden zu kommen", beschreibt die Politikwissenschaftlerin und Autorin die Lage.
Vor drei Monaten hat das iranische Regime das Internet abgestellt. Wenn man sich vorstellt, das würde in Deutschland passieren - wie viele Jobs dann verloren gehen würden. Im Iran ist das auch so. Viele Frauen haben ihre Arbeit verloren. Studierende, die Online-Shop betrieben haben, um ihr Studium zu finanzieren, haben ihr Einkommen verloren.
Das Internet funktioniere teilweise wieder. Allerdings komme ins Internet nur, wer Geld habe. "Es ist ein privilegierter Zugang zum Internet - dadurch verfestigt sich die Ungleichheit unter den Menschen nur noch mehr", so Sahebi im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Andreas Böhnisch.
Weitere Themen aus der Sendung
Dritter Platz bei "Jugend forscht" Laser statt Gift: Schüler aus Überlingen entwickeln Anti-Unkraut-Roboter
Zwei Schüler aus Überlingen haben mit ihrem selbst gebauten Laser-Roboter beim Bundesfinale von "Jugend forscht" einen dritten Platz gemacht. Ihr Ziel: weniger Herbizide auf Feldern.