Weniger Chemie auf dem Acker

Laser statt Gift: Schüler aus Überlingen entwickeln Anti-Unkraut-Roboter

Zwei Schüler aus Überlingen treten mit ihrem selbst gebauten Laser-Roboter beim Bundesfinale von "Jugend forscht" an. Ihr Ziel: weniger Herbizide auf Feldern.

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Von Autor/in Thomas Wagner

Mit einem "Anti-Unkraut-Roboter" nehmen zwei Schüler aus Überlingen (Bodenseekreis) am Wochenende am Bundesfinale des Schülerwettbewerbs "Jugend forscht" im fränkischen Herzogenaurach teil. Zwei Jahre lang haben sie an dem Projekt gearbeitet.

Mit einem Laserstrahl soll der Roboter, den die beiden Oberstufenschüler Noah Schittenhelm und Maximilian Scheible vom Gymnasium Überlingen entwickelt haben, Unkräuter in Maisfeldern erfassen und zerstören. "Herzstück" des Roboters ist ein mit Künstlicher Intelligenz ausgestatteter Rechner, der Unkräuter als solche identifiziert und ins Visier nimmt.

Maximilian Scheible (links) und Noah Schnittenhelm nehmen am Bundesfinale des Schülerwettbewerbs "Jugend forscht" teil.
Zwei Jahre lang haben Maximilian Scheible (links) und Noah Schnittenhelm an ihrem "Anti-Unkraut-Roboter" gearbeitet. Thomas Wagner

Der metallische Käfer auf drei Rädern und sein Laserstrahl

"Max, steuerst du?" - "Ja, kann ich machen." Maximilian Scheible nimmt im Keller des Gymnasiums Überlingen eine Fernsteuerung in die Hand, so als wolle er ein Spielzeugauto über den Boden steuern. Mitschüler Noah Schittenhelm sitzt an einem Rechner, bewegt eine Computermaus.

Doch statt eines Modellautos setzt sich ein metallisches, unförmiges Dreirad in Bewegung - eine Art Riesenkäfer mit allerlei Blinklichtern und kleinen Kabeln dran. Und statt auf dem Boden bewegt sich das Ding in einer Art Sandkasten vorwärts - ein Sandkasten, in dem Imitate von Maispflanzen nach oben ragen.

Als ob das Gefährt wütend wäre, fährt es von Pflanze zu Pflanze. Immer wieder flackert ein grelles rotes Licht auf, einem Laserstrahl gleich. Und immer wieder stößt der metallische Käfer auf drei Rädern eine Art kämpferisches Zischen aus.

Am Wochenende geht es zum Jugend-forscht-Bundesfinale

"Prima, funktioniert bestens, unser Ukla 2." Maximilian Scheible streicht sich seine langen blonden Haare aus dem Gesicht. "Ukla 2", erklärt er, steht für "Unkraut-Laser". Nach einem ersten Prototyp sei dies bereits der zweite Versuch, einen Anti-Unkraut-Roboter zu bauen und zu programmieren.

Und mit "Ukla 2" wollen die beiden Überlinger Schüler so richtig etwas erreichen. Kommendes Wochenende stellen sie ihren Roboter beim Bundesfinale des Schülerwettbewerbs "Jugend forscht" im fränkischen Herzogenaurach vor. Und nachdem sie mit ihrer Entwicklung bereits den Landespreis BW bei "Jugend forscht" abgeräumt haben, stehen die Chancen auf eine gute Platzierung beim Bundeswettbewerb nicht allzu schlecht.

Das Ziel: weniger Herbizide auf den Feldern

Denn "Ukla 2" vereint aus Sicht der Schüler gleich mehrere wichtige Eigenschaften in einem Gerät: Mit einem Laserstrahl sollen Unkrautpflanzen in einem Maisfeld angepeilt, als solche identifiziert und dann auch gleich vernichtet werden. Das würde, so die Idee der beiden Schüler, die Ausbringung von umweltbelastenden Unkrautvernichtungsmitteln auf den Feldern überflüssig machen. Noah Schittenhelm spricht von einem "geringstmöglichen ökologischen Fußabdruck".

Hinzu kommt: Rattern tonnenschwere Traktoren über die Felder, beeinträchtigt dies die Mikrobiologie im Boden, Hohlräume werden zusammengepresst. "Ukla 2", der Anti-Unkraut-Roboter, ist dagegen ein zartes Leichtgewicht. Und der Boden bleibt in seinem natürlichen Zustand, wenn der Roboter auf Unkrautjagd geht.

Schülerforschungszentrum Südwürttemberg fördert das Projekt

Angesiedelt ist das Projekt beim Schülerforschungszentrum Südwürttemberg (Bad Saulgau), das im Keller des Überlinger Gymnasiums eine Außenstelle unterhält - mit den notwendigen Labors und Werkstätten. Dort können Maximilian Scheible und Noah Schittenhelm nach Herzenslust basteln, programmieren, tüfteln und ausprobieren. Ihnen zur Seite steht Betreuer Nils Fenkl, Physikstudent aus Konstanz, der vor allem bei logistischen und organisatorischen Fragen behilflich ist.

Ein Anti-Unkraut-Roboter kommt selten allein

Und immerhin: Was die praktische Anwendung von "Ukla 2" in der heimischen Landwirtschaft angeht, gibt es bereits eine aufbauende Rückmeldung von der agrarwissenschaftlich ausgerichteten Universität Hohenheim bei Stuttgart - und zwar dergestalt, "dass unser Projekt praktikabel ist, wenn wir eben mit vielen Robotern übers Feld fahren", so Noah Schittenhelm.

Heißt: Ein Roboter kommt selten allein. Nur wenn mehrere kleine "Uklas" über die Maisfelder rollen, lässt sich eine effiziente Unkrautbekämpfung stemmen. Ab und zu darf sich der Prototyp schon mal in einem realen Maisfeld bei Überlingen bewähren - wenn ihm auch der geringe Unkrautbewuchs im Frühjahr nicht allzu viel Arbeit beschert.

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