Es gebe im Recht bereits viele Möglichkeiten, einen Femizid hart zu bestrafen. Diese Möglichkeiten würden aber von Richterinnen und Richtern oft nicht angewandt, weil die geschlechtsspezifische Art und Natur dieser Tat nicht anerkannt werde, sagt Nadine Weber von der Zentralen Informationsstelle autonomer Frauenhäuser in SWR Aktuell.
Manchmal gibt es sogar strafmildernde Umstände für Eifersucht oder für diesen Kontext einer Beziehung. Der Grund dafür sind eigentlich patriarchale Strukturen, auch in der Justiz.
Es sei unsere Gesellschaft, die insgesamt dafür verantwortlich sei, dass Femizide überhaupt passieren könnten. Femizide seien auch erst der letzte Schritt. Dem vorausgehen würden lange Zeit psychische und physische Gewalt in der Partnerschaft. Das sei alles möglich, weil die Gesellschaft es möglich mache.
Die Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt werden nicht ernst genommen, sie werden nicht ermutigt, Hilfe zu holen.
"Patriarchale Rollenbilder schon in der Schule verlernen"
Um Frauen besser vor Gewalt zu schützen, müsste es nach Ansicht von Weber Gesamtstrategie geben: "Es müsste einen Plan geben, wie ressortübergreifend und in alle Lebensbereiche eingreifend Gewalt verhindert werden kann, am besten, bevor sie überhaupt beginnt." In den Schulen müsse es Prävention geben.
Die patriarchalen Rollenbilder, die dafür verantwortlich sind, müssen schon in den Schulen "verlernt" werden. Täter müssen in Täterkursen ihr Verhalten verlernen und dafür zur Rechenschaft gezogen werden, dass sie Gewalt ausüben.
Zudem müsse es mehr Frauenhausplätze und Beratungsstellen geben, damit Frauen, die sich aus Gewaltbeziehungen trennen wollen, flüchten können - und nicht Opfer eines Femizids werden.
Die Politik diskutiert über Fußfesseln und härtere Bestrafungen für Täter. Was sie davon hält, darüber hat Nadine Weber von der Zentralen Informationsstelle autonomer Frauenhäuser mit SWR Aktuell-Moderator Florian Rudolph.
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