Gesundheitsreform: "Der große Wurf ist es nicht"

Die Gesundheitsreform ist von der Bundesregierung beschlossen und auf den Weg gebracht. Das Ganze kann jetzt in den parlamentarischen Betrieb eingespeist werden. Darüber spricht SWR Aktuell-Moderatorin Katja Burck mit Werner Bartens, Wissenschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung und Arzt.

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Gesundheitsreform: „Der große Wurf ist es nicht“

Die Gesundheitsreform ist von der Bundesregierung beschlossen und auf den Weg gebracht. Das Ganze kann jetzt in den parlamentarischen Betrieb eingespeist werden. Darüber spricht SWR Aktuell-Moderatorin Katja Burck mit Werner Bartens, Wissenschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung und Arzt.

Patienten sollen erstmal zum Hausarzt

Es sei natürlich sinnvoll, dieses Lotsensystem durch die Hausärzte zu stärken, weil zu viele Leute direkt zum Facharzt gingen, sagt Bartens. "Deswegen dauert es so lange, bis man dort einen Termin bekommt und dann werden Dinge gemacht, die eigentlich auch der Hausarzt hätte erledigen können. Bei den entscheidenden Punkten ist, meiner Meinung nach, aber zu wenig gemacht worden."

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In ländlichen Gegenden herrscht Ärztemangel

"Das ist ein strukturelles Problem, das mit der Demografie zu tun hat. Natürlich ziehen Ärzte auch gerne dahin, wo es für sie attraktiv ist. Es gibt ja schon diese Angebote mit einer Landarztquote im Studium: Wer sich verpflichtet, später auf dem Land zu arbeiten, bekommt eher einen Studienplatz." Es gebe auch Anreize in ländlichen Regionen, dass man zum Beispiel einen Bauplatz oder Zuschüsse bekomme.

Das Problem mit der privaten Krankenversicherung

"Ich bin schon lange dafür, dass man die Privatversicherung abschafft. Aus meiner Sicht kann es nicht sein, dass sich die zehn Prozent der Besserverdiener dem Solidarsystem entziehen, auf dem unser Gesundheitswesen beruht", erklärt Bartens. Außerdem gebe es keinen Bereich in Deutschland, mit so vielen und so starken Lobbygruppen wie im Gesundheitswesen. "Sich mit denen anzulegen ist immer anstrengend. Da hätte man beim Thema Überversorgung trotzdem noch viel mehr tun können. Es werden viel zu viele Hüftprothesen oder künstliche Kniegelenke gemacht."

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Reform oder Reförmchen?

"Der große Wurf ist es nicht. Wie gesagt, wesentliche Punkte der Fehl-, Falsch- und Überversorgung sind nicht angegangen worden. Auch die Preise der Pharmaindustrie werden nicht genügend gedeckelt." Auch das Thema, gesetzliche Krankenkassen zu reduzieren, sei nicht angegangen worden. "Es gibt über 90 davon. Aus meiner Sicht, würden zwölf reichen." Stattdessen sei an kleinen Problemfeldern gearbeitet worden, zum Beispiel, dass Homöopathie nicht mehr übernommen werden solle. Denn die wirke nicht über den Placeboeffekt hinaus.

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Eine Bürgerversicherung wäre sinnvoll

"Ich vergleiche das gerne mit der Deutschen Bahn. Damit meine ich nicht Verspätungen und ein marodes System, sondern erste und zweite Klasse. Da kann ich für mehr Luxus die erste Klasse wählen, aber der Zug kommt genauso pünktlich oder verspätet", meint Bartens. Dafür wäre er auch im Gesundheitssystem. Eine Bürgerversicherung für alle biete die Möglichkeit, sich zusätzliche Leistungen hinzuzubuchen. Wer wolle, könne dann Einzelzimmer im Krankenhaus oder besseres Essen haben. Aber die medizinische Grundversorgung, gerade was Termine angehe, solle gleich sein. "Privat Versicherte sind ja oft auch zu bedauern, weil sie kürzere Zeit auf überflüssige Termine und Doppeluntersuchungen warten. Häufig sind die Privatversicherten die Cash-Cows innerhalb der Medizin."

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Katja Burck
Katja Burck steht vor dem Logo von SWR Aktuell.
Onlinefassung
Moritz Kleiß