Helfen wo es nötig ist: Ein Schwarzwälder Arzt in der Ukraine

Es ist der vierte Kriegswinter für die Menschen in der Ukraine. Sie versuchen mit der Kälte, der Zerstörung und der ständigen Angst klarzukommen. Darüber spricht SWR Aktuell-Moderatorin Ulrike Alex mit dem Arzt Matthias Werner aus Kirchzarten im Hochschwarzwald. Er fährt regelmäßig in die Ukraine, um den Menschen zu helfen.

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Stand

Von Autor/in Ulrike Alex

"Meine Eltern waren Kriegsvertriebene aus dem Zweiten Weltkrieg und haben mir beigebracht zu helfen, wo es nötig ist.", erklärt Matthias Werner. Und in der Ukraine sei es gerade nötig. Deswegen hat er zusammen mit anderen Eufomeda (Europäische Freiwilligenorganisation von medizinischer Aufbauhilfe) gegründet. Man bringe medizinische Hilfe in Form von Untersuchungen der Menschen vor Ort und gebe ihnen auch die benötigten Medikamente für mehrere Monate. Diese würden vorher gesammelt oder gekauft. Sollte jemand schwer erkrankt sein, nimmt man auch Kontakt zu Krankenhäusern auf.

Die Menschen in der Ukraine leiden unter dem Druck

Am häufigsten würden Bluthochdruckmittel benötigt, erklärt Werner. Zunehmend würden auch Anti-Depressiva gebraucht, weil der Krieg auch an der Psyche seine Spuren hinterlässt. Diabetes verbreitet sich ebenfalls immer mehr. Die Menschen können sich nicht mehr so gut ernähren wie früher, weil es eben an allem fehlt. Deswegen seien viele auf Fertigprodukte angewiesen und die enthalten oft viel Zucker.

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Für die medizinischen Helfer geht es ganz nah an die Front

Selbst im umkämpften Cherson, im Süden der Ukraine, leben nach Angaben des ukrainischen Militärs noch rund 40.000 Menschen. Früher war die Stadt größer als Freiburg mit knapp 240.000 Einwohnern. Die Stadt sei täglich unter Beschuss. Dadurch würden auch täglich Menschen verwundet oder getötet. Diese Wunden verbindet man mit den vorhandenen Mitteln. Für Operationen arbeiten die Helfer mit Krankenhäusern zusammen. Oft sei es möglich, die Behandlungen kostenfrei für die Patienten zu halten. Dafür tauscht Eufomeda mit den Krankenhäusern mitgebrachte Medikamente oder gespendete medizinische Ausrüstung.

Arztbesuch im Luftschutzbunker

Einige Patienten besuchen die Helfer zuhause. Aber die meisten kommen zu ihm und den anderen Ärzten. Dazu bauen sie eine Art Praxis in wechselnden Luftschutzbunkern vor Ort auf. Regelmäßig woanders zu sein, sei nötig. Sonst droht Beschuss von russischer Seite. Die Bunker sind oft umgebaute Keller mit Betonwänden und Stahltüren.

Wie gehen die Helfer mit der Situation in der Ukraine um?

"Wir schreiben jeden Morgen in den Gruppenchat, ob wir die Tour fahren wollen oder nicht.", sagt Werner. Jeder könne sich für einen Tag zurückziehen, wenn er ein schlechtes Gefühl hat. Da gibt es auch keine Diskussion. Das sei allerdings noch nie passiert. Auf dem Weg nach Cherson gibt es rund zehn Kilometer Fischernetze, die entlang der Straße aufgespannt worden sind. Diese findet man inzwischen auch in Cherson. Sie seien dazu da, um Krankenwagen und medizinisches Personal in ihren Autos vor russischen Drohnen zu schützen. Das Schicksal der einzelnen Menschen vor Ort berühre einen sehr. Darüber wird jeden Abend in der Gruppe gesprochen. Man müsse versuchen, das nicht zu sehr an sich heranzulassen. Sonst könne man diese Arbeit nicht mehr leisten.

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