Nach der Wahlniederlage von Viktor Orban in Ungarn verliert die AfD einen wichtigen Orientierungspunkt in Europa. Das sagt der Politikberater Johannes Hillje im Interview mit SWR Aktuell-Moderator Andreas Böhnisch. Hillje spricht von einem Einschnitt: Orbans System habe für viele in der Partei als Vorbild für einen politischen Umbau gedient.
Ein Wahlverlierer taugt nicht mehr als Vorbild für eine Partei, die selbst regieren möchte.
FPÖ rückt in den Fokus
Orbans Ungarn sei für die AfD lange ein "Sehnsuchtsort" gewesen. Auch, weil er gute Beziehungen zu Wladimir Putin und Donald Trump gepflegt habe. Künftig dürfte stattdessen die FPÖ in Österreich der wichtigste europäische Partner werden. Große inhaltliche Veränderungen erwartet Hillje bei der AfD dennoch nicht. Außenpolitik spiele für viele Wähler nur eine untergeordnete Rolle. Auch für kommende Landtagswahlen in Deutschland sieht er deshalb kaum direkte Auswirkungen.
Politik Konservativ, rassistisch, extrem – Was ist rechts?
Heimat, Nation, Tradition: Werte der "Rechten" oder "Konservativen". Radikalisierung beginnt, wenn Andersdenkende abgewertet und verfolgt werden: politische Gegner, Ausländer, Juden.
Lehren für die Konkurrenz
Interessant sei vor allem eine Entwicklung: In Ländern wie Polen und Ungarn seien rechtspopulistische Regierungen zuletzt von konservativen Gegenkandidaten abgewählt worden, mit klaren politischen Alternativen statt Anpassung. Daraus lasse sich auch für Deutschland eine Lehre ziehen: Wer der AfD Stimmen abnehmen wolle, müsse sich deutlich abgrenzen und stärker auf Themen wie Wirtschafts- und Sozialpolitik setzen, statt auf Migration zu fokussieren.