"Die Basis des Bildungserfolgs wird bereits in Krippen und Kitas gelegt." So steht es im Koalitionsvertrag von Union und SPD. Dass das im Grundsatz stimmt, ist durch viele Studien belegt. Warum läuft die frühkindliche Bildung trotzdem alles andere als rund in Deutschland?
Warum fehlen auch nach über zehn Jahren Kita-Rechtsanspruch bundesweit 400.000 Plätze und 300.000 Erzieherinnen und Erzieher? So viele zusätzliche Fachkräfte bräuchte es nach Berechnungen des Verbands Bildung und Erziehung.
Der Beruf muss attraktiver werden, das wird oft als wichtiger Grund genannt und das sieht auch Bernhard Kalicki so. Er ist Psychologe und Leiter der Abteilung Kinder und Kinderbetreuung beim Deutschen Jugendinstitut in München. Im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Andreas Böhnisch betont er aber, dass der Kita-Ausbau auch aus soziokulturellen Gründen stocke.
Kita-Betreuung: Das Klischee der "Rabenmutter" ist typisch deutsch
Die Annahme, dass Ganztagsbetreuung schlecht sei, vor allem für kleine Kinder unter 3, stecke in vielen Köpfen fest. Das zeige sich auch in den Grundschulen, die nach wie vor meist nur den Vormittag abdecken. Ohne Betreuung in den Ferien. Im Gegensatz zu anderen Ländern, wo es gesellschaftlich gelernt und akzeptiert sei, dass Kinder ab der ersten Klasse bis zum Nachmittag in der Schule sind.
Mit Fakten zu belegen sei dieses deutsche Misstrauen gegenüber "Fremdbetreuung" nicht. Nationale wie internationale Studien zeigten in eine andere Richtung:
Kinder profitieren von früher Bildung, Kinder profitieren davon, wenn ihre Eltern unterstützt werden, entlastet werden und wenn sie ein Familienmodell leben können, das fair ist.
Doch auch in Deutschland sei das tradierte Verständnis von Familien und Kinderbetreuung auf dem Rückzug, betont der Psychologe und Jugendforscher. Auch in westdeutschen Flächenländern, wo die traditionellen Modelle noch häufig gelebt würden.
Hohe Gebühren: Sollten Kitas überall kostenlos sein?
Gebührenfreie Kitas könnten ein Anreiz sein - den Kalicki allerdings für unrealistisch hält. Solange Eltern bereit seien, für einen Betreuungsplatz zu bezahlen, könne ein unterfinanziertes System wie das der Kitas darauf nicht verzichten. Nur dürfe die Hürde durch weiter steigende Kosten nicht zu hoch werden.
Das größte Problem bleibe aber der extreme Personalmangel.
Das erfordert, dass wir mehr Karrieremöglichkeiten schaffen und den Beruf der Erzieherin oder des Erziehers weiter aufwerten und attraktiver machen.