Wahlen und Olympia: Kanzler Merz will ganz oben aufs Treppchen

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Von Autor/in Marie Gediehn

Teil-Erfolge bei Olympia zählen nicht, findet Merz - Teil-Zeit beim Regieren in BW auch nicht, finden die Grünen. Wie das zusammenpasst, sagt Marie Gediehn in ihrer Kolumne. Feedback? Gerne! Kolumne@swr.de

"Das war gut, aber nicht gut genug" sagt Friedrich Merz. Nicht das Ergebnis der CDU in Baden-Württemberg, sondern die deutsche Bilanz bei den olympischen Winterspielen. Ende Februar hat Merz das gesagt, da war der Wahlkampf im Häuslebauer-Land der Tüftler und Erfinder noch in vollem Gange. Da wurde noch geschwäbelt, als gäbe es kein Morgen mehr und keinen badischen Landesteil.

Mailand/Cortina d'Ampezzo

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Aber zurück zu den Spielen des Sports und der Völkerverständigung. Da landete das deutsche Team beim Medaillenspiegel am Ende auf Platz 5. Das hätte nicht mal für den Einzug in den Stuttgarter Landtag gereicht. Und der Bundeskanzler ist ja inzwischen durchaus dafür bekannt, dass er sagt, was er denkt, und offenbar dachte er sich, jetzt strengt euch eben mal mehr an.

Ist ja auch kein Geheimwissen, dass Friedrich Merz unzufrieden ist mit unserer Leistungsbilanz. Wir sollen mehr arbeiten und länger arbeiten und auf keinen Fall Teilzeit, denn: "Wir wollen aufs Treppchen", sagt Friedrich Merz, genauer gesagt: "Wir wollen oben aufs Treppchen, da gehören wir hin". Also da meinte er die deutsche Olympia-Mannschaft, zumindest mal in erster Linie, denke ich, oder doch die Automobilindustrie, oder gar die CDU?

Und warum es bei der CDU in Baden-Württemberg eben nicht für ganz oben gereicht hat, hat der Kanzler auch erklärt, bei seiner olympischen Wutrede: Wenn im Sport nur noch Teilnehmerurkunden ausgestellt würden, dann bräuchten wir uns auch nicht darüber zu wundern, dass irgendwann auch bei Olympiaden nur noch Teilnehmerurkunden ausgestellt würden. So, na das sitzt. Meine Ehrenurkunde wurde übrigens noch von Richard von Weizäcker unterschrieben, aber jetzt nicht nachrechnen! Sondern zurück zum Kanzler:

Er hat Olympiaden gesagt, was Quatsch ist. Er meint ja nicht den Zeitraum zwischen zwei olympischen Spielen, das wäre so, als würde man den Wahltag und die Legislaturperiode verwechseln. Aber egal, es stimmt nur auch sonst leider nicht: Denn ja, es gab zwar eine Reform bei den Bundesjugendspielen, aber es werden immer noch Sieger- und Ehrenurkunden vergeben. Letztere allerdings werden nicht mehr von Richard von Weizäcker unterschrieben!

Das führt uns zur Frage: Hatte Manuel Hagel eigentlich eine Ehrenurkunde bei den Bundesjugendspielen? Weiß er wie man gewinnt, und noch wichtiger, hat er beim Sport gelernt, wie man verliert?

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Denn wenn wir uns den CDU-Manuel Hagel und den Grünen Cem Özdemir bei den Bundesjugendspielen vorstellen, dann ist es recht offensichtlich, dass der kleine Manuel schon sehr dringend noch mit oben aufs Treppchen will, zum Cem. Die CDU überlegt, ob man sich nicht abwechseln könnte mit dem Regieren, Job-Sharing in der Staatskanzlei. Aber leider sind die Grünen in Baden-Württemberg ja so konservativ, Lifestyle-Teilzeit geht da gar nicht! Wie sich Perspektiven doch ändern können, im Sport und in der Politik!