Keine Erkältung, keine Grippe - könnte es dann das Adenovirus sein? Das fragen viele Menschen mit Erkältungssymptomen derzeit im Internet. Der Verdacht liegt nahe: Die Symptome ähneln einer Grippe, aber es gibt auch ganz spezifische Merkmale. Gleichzeitig berichten viele Medien aktuell von einer regelrechten Krankheitswelle, die Europa überrollen soll. Ist da was dran?
- Woher kommt die aktuelle Sorge um eine Adenovirus-Welle?
- Wie sind die Fallzahlen in Deutschland?
- Wie äußert sich das Adenovirus?
- Wie wird das Adenovirus übertragen?
- Was hilft gegen das Adenovirus?
Woher kommt die aktuelle Sorge um eine Adenovirus-Welle?
Der mediale Aufschwung um das Adenovirus kommt aus Großbritannien. Dort haben verschiedene Medien bereits kurz vor Weihnachten vor dem "mysteriösen Virus" gewarnt. Doch obwohl medial von einer erhöhten Zirkulation gesprochen wird, zeigen jüngste Daten der britischen Gesundheitsbehörde keinen sprunghaften Anstieg. Insgesamt gibt es in den letzten Monaten in Großbritannien sogar weniger Adenovirus-Fälle als im Jahresdurchschnitt. Wieso also die mediale Aufmerksamkeit?
Tatsächlich kämpft Großbritannien in diesem Winter mit einer anhaltenden Krankheitswelle - allerdings bedingt durch Grippeviren und dem Norovirus. Der staatliche Gesundheitsdienst NHS sprach Anfang Dezember angesichts der steigenden Krankenhauseinweisungen von einem "worst-case-szenario".
Das Adenovirus macht zwar nur einen kleinen Anteil der aktuellen Krankheitswelle in Großbritannien aus. Doch die Situation führe in der britischen Bevölkerung zu einer erhöhten Besorgnis gegenüber allen Virusarten, heißt es in britischen Medien. Hinzu kommt, dass das Adenovirus als sehr widerstandsfähig und hochansteckend gilt.
Wie sind die Fallzahlen in Deutschland?
Das sorgt auch in Deutschland für Schlagzeilen. Dabei werden jedoch häufig die Meldungen über die ungewöhnlich starke Grippewelle in Großbritannien mit der Berichterstattung über das Adenovirus vermischt. So suggerieren manche deutschen Medienberichte sogar, dass mit dem Begriff des "worst-case-scenario" die aktuelle Lage beim Adenovirus gemeint sei. Der Begriff fiel aber in einem NHS-Statement von Anfang Dezember und stand dort nicht im Zusammenhang mit dem Adenovirus.
Von einer Adenovirus-Welle in Deutschland ist in den Medien nicht die Rede. Dabei ist die gemeldete Fallrate hierzulande sogar höher - das ergeben die aktuellsten Daten des Robert Koch-Instituts. So schlugen 4 Prozent der in der Woche vom 8. zum 14. Dezember (KW 50) eingesandten Proben positiv auf das Adenovirus an. In Großbritannien waren es zuletzt 1,7 Prozent, wobei die Daten nur bedingt vergleichbar sind.
Die Anzahl gemeldeter Fälle liegt aber auch in Deutschland unter dem Jahresdurchschnitt. Gesonderte Daten für Baden-Württemberg liegen nicht vor. Das Adenovirus kommt in Deutschland ganzjährig vor. Die Fälle häufen sich meist im fortgeschrittenen Winter und Frühling.
Symptome: Wie äußert sich das Adenovirus?
Eine Infektion mit dem Adenovirus kann sich durch grippeähnliche Symptome äußern: Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und Fieber. Magenschmerzen, Durchfall und Erbrechen deuten auf eine Entzündung des Magen-Darm-Traktes hin, welche durch das Virus ausgelöst werden kann. In schweren Fällen können auch Entzündungen der Leber, des Gehirns oder der Harnwege auftreten. Bei gesunden Erwachsenen verlaufen Adenovirus-Infektionen aber meist ohne oder mit milden Symptomen.
Ein typisches Symptom ist außerdem eine plötzlich auftretende Bindehautentzündung. Dabei rötet sich ein oder sogar beide Augen. Es kommt zu einer Schwellung der Bindehaut und manchmal auch des Augenlids. Betroffene habe ein Fremdkörpergefühl im Auge. Das Auge kann außerdem jucken und tränen. Die Symptome können mehrere Wochen andauern und klingen dann aber von selbst wieder ab, ohne Folgeschäden zu hinterlassen.
Ansteckung: Wie wird das Adenovirus übertragen?
Das Adenovirus gilt als widerstandsfähig und hochansteckend. Es kann lange auf Oberflächen wie Türklinken und Lichtschaltern überleben. Auch viele Desinfektionsmittel können nichts gegen die Viren ausrichten.
Die häufigste Übertragung erfolgt über die Hände oder mit Viren belastete Gegenstände. Gerade die Bindehautentzündung ist hochansteckend - eine Übertragung erfolgt dann meist, wenn die erkrankte Person zuerst das infizierte Auge berührt und anschließend jemandem die Hand gibt. Eine Tröpfcheninfektion tritt seltener auf.
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Was hilft gegen das Adenovirus?
Gegen das Adenovirus gibt es keine Impfung oder sonstige ursächliche Behandlungen. Zum Schutz wird regelmäßiges Händewaschen empfohlen. Außerdem sollten Hygieneartikel wie Handtücher und Waschlappen nicht mit anderen Menschen geteilt werden.