Die Folgen des Klimawandels zeigen sich in Baden-Württemberg besonders deutlich. Das zeigt ein Bericht der Landesanstalt für Umwelt (LUBW). Demnach lag die Durchschnittstemperatur der Jahre 2014 bis 2023 bei rund zehn Grad Celsius und damit bereits 2,2 Grad über dem Vergleichszeitraum (1881 bis 1910). 2024 war mit einer Jahresmitteltemperatur von 10,6 Grad das drittwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen.
In Zukunft drohe ein noch deutlicherer Temperaturanstieg, wochen- bis monatelange Hitzeperioden mit Temperaturen jenseits der 30 Grad könnten zur Regel werden. Der Bericht verweist auf die daraus resultierenden Risiken für die Gesundheit und die Natur sowie für die Land- und Forstwirtschaft.
Klimakrise in Baden-Württemberg Wie macht sich die Klimakrise in deiner Gemeinde bemerkbar?
2024 war seit Messbeginn das drittwärmste Jahr in Baden-Württemberg. Das zeigt der Klima-Jahresrückblick. So stark sind die Hitzetage in ihrer Gemeinde angestiegen.
Weniger Wasser, mehr Schädlinge: Die konkreten Folgen des Klimawandels in BW
Trockenheit und Dürre haben dem Bericht zufolge im vergangenen Jahrzehnt dazu geführt, dass Grundwasserstände zurückgegangen sind. Im Sommerhalbjahr kommt es wegen Niedrigwasser immer öfter zu Einschränkungen für den Binnenschiffverkehr. Die Bodenwasservorräte in landwirtschaftlichen Böden sinken, in den Wäldern steigt die Waldbrandgefahr. Viele Wälder sind infolge der Trockenheit geschwächt und weniger widerstandsfähig gegenüber Schädlingen wie dem Borkenkäfer. Die höheren Temperaturen begünstigen auch die Verbreitung von landwirtschaftlichen Schädlingen wie der Grünen Reiswanze.
Auch die Wassertemperatur in allen Tiefenschichten des Bodensees ist deutlich angestiegen. Das führt dem Bericht zufolge zu einer schlechten Durchmischung und abnehmenden Sauerstoffgehalten im Tiefenwasser. Im Weinbau beeinträchtigt die signifikant rückläufige Gesamtsäure die Qualität des Rieslings. Für den Wintertourismus im Nordschwarzwald reicht die Schneedecke immer seltener für den Wintersport aus.
Wirtschaft, Wohlstand und Lebensqualität bewahren
Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) warnt: "Nichts ist teurer als die Folgen eines ungebremsten Klimawandels". Es gehe darum, "Wirtschaft, Wohlstand und Lebensqualität durch Maßnahmen für Klimaschutz und Klimawandelanpassung" zu bewahren. Walker fordert dafür Investitionen aus dem vom Bund zur Verfügung gestellten "Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität", die beispielsweise in die Renaturierung versiegelter Flächen fließen sollen.
Viel Geld und politischer Wille nötig Sommer immer heißer: So wollen sich Städte in BW an den Klimawandel anpassen
Städte heizen sich im Sommer besonders auf, der Klimawandel verstärkt das Problem. Kommunen müssen sich anpassen. Die Maßnahmen kosten viel Geld. Wer zahlt?
Des Weiteren verweist Walker auf das Klimaschutzgesetz der Landesregierung. Es verpflichte die Kommunen, "Konzepte zu erarbeiten, wie sie ihre Bürgerinnen und Bürger vor den Folgen heißerer Sommer schützen". Dafür stelle das Land "deutlich erhöhte Fördermittel für Klimaschutz und Klimawandelanpassung" zur Verfügung.
Der sogenannte "Monitoringbericht zur Anpassungsstrategie an den Klimawandel in Baden-Württemberg" erscheint alle fünf Jahre. Die Landesanstalt für Umwelt ist das zentrale Kompetenzzentrum des Landes für alle Fragen zu Umwelt-, Natur-, Klima- und Strahlenschutz.