Katharina (Name von der Redaktion geändert) ist Anfang 60 und Single. Sie lebt in Freiburg und möchte anonym bleiben. Katharina hat online einen Mann kennengelernt. Doch irgendwann will er 3.000 Euro von ihr. Love Scamming nennt sich der digitale Liebesbetrug. Damit ist sie ein Opfer von vielen. Und es werden immer mehr.
Love Scamming oder auch Romance Scamming: Dahinter stecken Betrüger, die online Liebe vortäuschen und ihre Opfer finanziell ausnehmen wollen.
Man war nicht mehr allein, hat sich aufgehoben gefühlt
Zehn Wochen lang schreibt Katharina täglich mit ihrer Online-Bekanntschaft: wie der Tag so war, was man so macht. Ab und zu haben sie sich Fotos geschickt, vom Hund, von der Wohnung. "Er schrieb sehr nett und sehr höflich", sagt sie.
Der Mann hat vorgegeben aus Schweden zu kommen. Weil seine Frau untreu gewesen sei, sei er nach Basel umgezogen. Er berichtete von einer Geschäftsreise, die bald anstehe und einem Projekt über Solarpaneels, die er in die Türkei verkauft habe.
Nach einer Zeit "wurde es intensiver", so Katharina. Irgendwann habe er "meine Liebste" geschrieben, von gemeinsamen Reisen geträumt und was man Schönes zusammen erleben könne. "Aber nie auf sexueller Ebene", sagt Katharina. "Ich fühlte mich nie zu irgendetwas gezwungen."
Love Scamming: Wenn er plötzlich nach Geld fragt
Dann braucht er Geld. 3.000 Euro soll sie ihm leihen. Damit will er Material für sein Projekt beim Zoll auslösen. Er müsse sie fragen, schäme sich aber dafür, erinnert sich Katharina an die Nachricht.
Katharina ist sofort klar, was los ist. "Ich bin wirklich böse und laut geworden. Dann war der Kontakt beendet." Sie überweist nichts. Mittlerweile ist der Vorfall fast ein Jahr her und noch immer wird sie emotional, wenn sie darüber spricht. Er habe sie "ausgenutzt - an einer sehr sensiblen Stelle getroffen", sagt sie.
Man schämt sich.
Mit hochrotem Kopf und voller Scham, wie sie selbst sagt, ist sie zur Polizei gegangen. Doch der Täter wurde bis heute nicht geschnappt - die Ermittlungen eingestellt. Das liege auch daran, dass "die Täterschaft hochprofessionell agiert", sagt Michael Graß, Leiter der Kriminalinspektion Wirtschaftskriminalität in Freiburg.
Es sind hochprofessionelle Strukturen und die Verschleierungstaktiken enorm hoch.
Es stellte sich heraus, dass Katharina die ganze Zeit mit einer Künstlichen Intelligenz (KI) kommuniziert hat. "Das ist erschreckend", sagt sie. Sie habe sich später nochmal den Chat durchgelesen und an vielen Stellen gedacht: "Das kann doch gar keine KI, auch so emotional werden. Wir haben ja auch mal gestritten", sagt sie.
Immer mehr Opfer von Love Scamming
Immer öfter werden Menschen Opfer von Love Scamming. In den vergangenen Jahren gebe es einen stetigen Anstieg, sagt das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg auf SWR Anfrage. Allein im vergangenen Jahr habe es in Baden-Württemberg Fälle nahe dem vierstelligen Bereich gegeben. Laut LKA liegt die Schadenssumme bei circa 14 Millionen Euro.
Der Weisse Ring spricht im Jahr 2024 in BW sogar von rund 18 Millionen Euro Schaden durch Love Scamming. Das gehe aus einer Umfrage bei allen 16 Landeskriminalämtern hervor. Die Dunkelziffer dürfte noch höher sein, denn nicht alle Opfer zeigen die Betrüger an.
Laut Weisser Ring verschärfe sich das noch durch die KI. Sie würde es den Tätern zum Beispiel ermöglichen, unzählige Konversationen gleichzeitig zu führen. Der Verein Weisser Ring setzt sich seit rund 50 Jahren für Kriminalitätsopfer ein.