Bahnreisende sowie Pendlerinnen und Pendler müssen bei Zugfahrten weiter Geduld mitbringen. Denn die Generalsanierung des deutschen Schienennetzes soll länger dauern. Das teilte die Deutsche Bahn (DB) am Donnerstag in Berlin mit. Somit wird das Schienennetz auch auf längere Zeit weiter mit Baustellen zusätzlich belastet. Statt bis 2035 soll die Generalsanierung bis 2036 umgesetzt werden. Ursprünglich war ein Abschluss bis 2030 geplant, doch schon Ende Juni hatte die Bahn vorgeschlagen, die Baumaßnahmen bis 2035 zu strecken. Nun will der Konzern die umfassende deutschlandweite Sanierung um ein weiteres Jahr bis 2036 verlängern. Davon könnten auch Strecken in Baden-Württemberg betroffen sein.
Baufällige Bahnstrecken noch länger marode
Klar ist: Die Strecke Frankfurt-Heidelberg wird nicht 2027 saniert, sondern erst in den Folgejahren, so die Bahn. Für alle weiteren Strecken, die erst ab 2028 auf dem Programm standen, soll ein neuer Zeitplan erstellt werden, der mit dem Bund noch abgestimmt werden muss. Das könnte dann aber auch die Sanierung der Strecke von Stuttgart nach Ulm über Geislingen betreffen, die bisher für das Jahr 2029 vorgesehen war. Außerdem die Strecke Mannheim-Karlsruhe, die eigentlich 2030 generalsaniert werden sollte. Die Deutsche Bahn und das Landesverkehrsministerium konnten auf SWR-Anfrage noch nicht konkretisieren, inwiefern sich die neuen Pläne auf Baden-Württemberg auswirken werden.
Konkret betroffen sein könnten etliche Streckenkilometer in Baden-Württemberg: 90 Kilometer Bahnstrecke zwischen Stuttgart und Ulm (bisher 2029 geplant), 75 Kilometer zwischen Mannheim und Karlsruhe (bisher 2030 geplant) und 92 Kilometer zwischen Ulm und Augsburg (bisher 2030 geplant).
Zunächst folge nun aber die Abstimmung mit der Bundesregierung. Details und regionale Angaben zum Zeitplan nach 2028 könne die Bahn aktuell nicht nennen, sagte ein Bahnsprecher. Ab 2028 soll der neue, gemeinsam entwickelte Zeitplan greifen. Die endgültige Entscheidung über die zeitliche Reihung für die Korridorsanierungen bis 2036 muss der Bund treffen.
Marode Infrastruktur: Verspätete Züge
Die marode Infrastruktur gilt als Hauptgrund für unpünktliche Züge. Abhilfe schaffen soll die grundlegende Sanierung wichtiger Strecken. Die Modernisierung von mehr als 40 viel befahrenen und dringend sanierungsbedürftigen Strecken wird damit mindestens fünf Jahre länger dauern als ursprünglich geplant. Die Bahn betrachtet die Generalsanierung der wichtigsten Schienenkorridore als zentrales Konzept für die Zukunft der Schieneninfrastruktur.
Positive Reaktionen aus der Bahn- und Güterverkehr-Branche
"Die vom Infrastrukturbetreiber vorgeschlagene Streckung des Programms bis 2036 bietet Chancen, die Projekte besser vorzubereiten", sagte Verbandsgeschäftsführer Peter Westenberger der Deutschen Presse-Agentur. Der Verband der Güterbahnen befürchtete zum Beispiel Überforderung bei Planung und Bau sowie unzumutbare Beschränkungen des laufenden Verkehrs. In den ersten Generalsanierungskonzepten waren lange Umleitungen mit viel Zeitverlust für den Güterverkehr vorgesehen.
Erste Generalsanierung bei Mannheim abgeschlossen
Noch unter der alten Bundesregierung hatte die Bahn die Generalsanierung eingeleitet. Dabei sollen Aufgaben gebündelt erledigt werden, die Strecken werden dafür aber monatelang komplett gesperrt. Im vergangenen Jahr wurde mit der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim die erste Strecke so saniert.
Bahn bewertet ihr eigenes Netz Trotz teurer Generalsanierung: Riedbahn erhält keine Bestnoten
Die Deutsche Bahn hat den Zustand ihres eigenen Netzes bewertet. Insgesamt sei es "mittelmäßig" - nicht mal die frisch sanierte Riedbahn bekam eine eins.
Von Anfang August bis Ende April 2026 soll zunächst die Strecke zwischen Berlin und Hamburg komplett gesperrt und rundum saniert werden. Der Bund gibt für die Generalsanierung viele Milliarden Euro.