Ein weiterer Fall von Telefonbetrug hat im Enzkreis für Aufregung gesorgt. Unbekannte hatten eine 83-jährige Frau dazu gebracht, einen Schnellkochtopf mit Goldbarren vor ihr Haus zu stellen. Irgendwann hätten die Täter ihre Beute einfach abgeholt, so die Polizei Pforzheim. Es ein Fall einer ganzen Reihe von Betrugsmaschen, die die Polizeipräsidien vor immer neue Herausforderungen stellen. Aber auch Angehörige, Söhne, Nachbarn oder Freunde können - insbesondere bei älteren Menschen - einen Teil dazu beitragen, dass diese Betrugsmaschen erfolglos bleiben.
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- Diese Tipps gibt die Polizei gegen Telefonbetrug
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- Können nur ältere Menschen darauf hereinfallen?
Falsche Polizisten und Verwandte: Vor allem ältere Menschen von Telefonbetrug betroffen
In diesem Fall von Anrufstraftaten hätten sich die Täter laut Polizei als Beamte des Raubdezernats Pforzheim ausgegeben. Durch geschickte Gesprächsführung sollen sie das Vertrauen der Frau gewonnen haben, sodass sie die Goldbarren höchstselbst vor die Tür stellte.
Sich als falsche Polizeibeamte auszugeben, ist laut Sicherheitsbericht 2024 des Innenministeriums eine der häufigsten Maschen von Telefonbetrügern. Auch bei vermeintlichen Enkeln, die dringend Geld brauchen, oder bei sogenannten Schockanrufen ist Vorsicht geboten.
Wie groß ist das Thema "Telefonbetrug" im Land?
Die neue Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt: Betrügerische Anrufstraftaten sind im Jahr 2025 um knapp zwei Drittel (65,6 Prozent) auf rund 14.600 Fälle angestiegen. Dazu zählen die sogenannten Tatbegehungsweisen "Falscher Polizeibeamter", "Enkeltrick" und "Schockanruf". Die Zahlen berücksichtigen Fälle, die im Ausland erfasst wurden. Ein Großteil der Fälle bleibt allerdings im Versuchsstadium: Die Versuchsquote liegt bei 96 Prozent. Darüber hinaus warnt die Polizei, dass Kriminelle teilweise professionelle Callcenter im Ausland betreiben würden.
Auch die Schadenssumme ist in Baden-Württemberg gestiegen: Im Jahr 2025 wurden rund 23,1 Millionen Euro durch Telefonbetrug erbeutet.
Diese Tipps gibt die Polizei, um sich gegen Telefonbetrug zu wappnen
Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg warnt davor, dass sich Betrügerinnen und Betrüger mit psychologischen Tricks das Vertrauen ihrer Opfer erschleichen und dass es dabei jeden treffen kann. Auf SWR-Nachfrage verwies das Landeskriminalamt Baden-Württemberg auf eine Video-Reihe, die Tipps gegen verschiedene Maschen von Telefonbetrug geben soll.
Der erste Tipp beim leisesten Misstrauen am Telefon: auflegen und erst einmal durchatmen. Ruft ein vermeintlicher Verwandter an, solle man zunächst versuchen, diesen unter einer bekannten Nummer selbst zurückzurufen. Auch bei Anrufen von angeblichen Polizeibeamten gilt: Auflegen und selbst das zuständige Polizeipräsidium kontaktieren - nicht über die Rückruftaste, sondern unter der Nummer, die man via Suchmaschine im Internet oder dem lokalen Telefonbuch herausgesucht hat und natürlich über die Notrufnummer 110.
Wenn man sich weiterhin unsicher ist, solle man sich an eine Person seines Vertrauens wenden, die die Situation "mit klarem Kopf" bewerten kann. Meistens fallen bei der Erzählung Ungereimtheiten auf, die man zuvor am Telefon nicht bemerkt hat. Doch in jedem Fall gilt: Niemals Geld oder Wertgegenstände an fremde Personen übergeben! Die Verbraucherzentrale schreibt hierzu: "Die Polizei - aber auch Gerichte, Behörden, Banken und die Verbraucherzentrale - wird sie niemals telefonisch um das Herausgeben Ihrer Wertsachen oder zur Zahlung von Geldbeträgen bitten."
Auch mit Künstlicher Intelligenz führen Betrüger inzwischen Schockanrufe durch. So berichtete der SWR im November 2025 über das Phänomen:
Funktioniert Telefonbetrug nur bei älteren Menschen?
"Wie oft wurde es denn jetzt schon gesagt, dass die Polizei nicht [...] anruft und nach Geld oder Goldbarren fragt?", schreibt eine Instagram-Userin unter dem Beitrag von SWR Aktuell zum Fall der geklauten Goldbarren im Enzkreis. Laut Christian Thiel, Professor für Soziale Arbeit an der IU Internationalen Hochschule, kann man nie ganz darauf vorbereitet sein. "Das würde eine total paranoide Wahrnehmung voraussetzen", so der Experte.
Als Leiter einer Studie zu Telefonbetrug an der Universität Augsburg, bei der er sowohl mit Tätern als auch mit Betrogenen gesprochen hat, fand er heraus, dass sich kein klares Muster bei der Wahl der Opfer erkennen ließe. Auch jüngere Menschen können demnach betroffen sein.